Drohende Hinrichtung in Ohio

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Am 8. Februar stellte der Gouverneur von Ohio einen achtmonatigen Strafaufschub für Raymond Tibbetts aus, dessen Hinrichtung für den 13. Februar angesetzt war. Die Entscheidung erfolgte, nachdem sich einer der Geschworenen des Falls von 1998 für eine Begnadigung ausgesprochen hatte.

Demonstration gegen die Todesstrafe in Boston, USA

Demonstration gegen die Todesstrafe in Boston, USA

Raymond Tibbetts soll am 13. Februar im US-Bundesstaat Ohio hingerichtet werden. Der Begnadigungsausschuss hat sich gegen eine Begnadigung ausgesprochen. Die Rechtsbeistände des Verurteilten argumentieren, dass strafmildernde Umstände vorliegen, die weder vom Begnadigungsausschuss noch von den Geschworenen der Gerichtsverhandlung angemessen berücksichtigt wurden.

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Dein Appell

* * * Mit der Bitte um Weiterleitung an den Gouverneur von Ohio * * *

Sehr geehrter Gouverneur,

mit großer Sorge habe ich von der bevorstehenden Hinrichtung von Raymond Tibbetts erfahren.

Ich möchte weder die begangenen Morde entschuldigen, noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

Dennoch forder ich Sie höflich und mit Nachdruck auf, die Hinrichtung von Raymond Tibbetts zu stoppen und sein Todesurteil umgehend umzuwandeln.

Ich appelliere an Sie, die schlimme Kindheit von Raymond Tibbetts sowie die Informationen, die den Geschworenen nicht vorgelegt wurden, voll zu berücksichtigen. Diese strafmildernden Umstände sind von Sachverständigen, einer Bundesrichterin und einem Mitglied des Begnadigungsausschusses als wichtig anerkannt worden.

Hochachtungsvoll

 

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Bitte abschicken bis: 08.03.2018

Appell an:

Gouverneur von Ohio

John Kasich

Riffe Center, 77 South High Street

Columbus, OH 43215-6117,

USA

Fax: (00 1) 614 466 9354

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon, Geschäftsträger a.i.
Clayallee 170
14191 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • Stoppen Sie bitte die Hinrichtung von Raymond Tibbetts und wandeln Sie sein Todesurteil umgehend um.
  • Ich appelliere an Sie, die schlimme Kindheit von Raymond Tibbetts sowie die Informationen, die den Geschworenen nicht vorgelegt wurden, voll zu berücksichtigen. Diese strafmildernden Umstände sind von Sachverständigen, einer Bundesrichterin und einem Mitglied des Begnadigungsausschusses als wichtig anerkannt worden.
  • Ich möchte weder die begangenen Morde entschuldigen, noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

Sachlage

Am 6. November 1997 fand die Schwester des 67-jährigen Fred Hicks den Leichnam ihres Bruders in dessen Haus in Cincinnati vor. Im ersten Stockwerk entdeckte die Polizei zudem die Leiche der 42-jährigen Pflegerin von Fred Hicks, Judith Crawford. Raymond Tibbetts, der Judith Crawford nur wenige Wochen zuvor geheiratet hatte, wurde angeklagt und 1998 vor Gericht gestellt. Er wurde wegen des Mordes an Fred Hicks zum Tode verurteilt und erhielt für den Mord an Judith Crawford eine lebenslange Haftstrafe ohne die Möglichkeit einer Strafaussetzung zur Bewährung.

Die traumatische Kindheit von Raymond Tibbetts und die entsprechenden Folgen für seine Entwicklung sind nach wie vor Streitpunkte in seinem Fall. 2011 bestätigte das zuständige US-Berufungsgericht das Todesurteil. Zwei von drei Richter_innen entschieden, dass die Strafverteidigung zwar „sicherlich eine gründlichere Untersuchung [seiner Kindheit] hätte vornehmen können“, dass aber die Umstände der Straftat ohnehin schwerwiegender als jegliche zusätzlich vorgestellten strafmildernden Faktoren gewesen wären. Die dritte Richterin hingegen argumentierte, dass die Untersuchung der Verteidigung eindeutig unzureichend gewesen sei. Die Tatsache, dass auf einige wenige strafmildernde Faktoren hingewiesen worden sei, entschuldige ihrer Ansicht nach nicht die „Unterlassung einer grundlegenden Vorbereitung“ auf das Verfahren, wie z. B. Familienangehörige des Angeklagten zu befragen oder Akteneinträge der Sozialdienste ordnungsgemäß vorzustellen. Dieses Versäumnis habe bedeutet, dass den Geschworenen keine Zeugenaussagen der Geschwister von Raymond Tibbetts zu Ohren kamen, die in demselben schädlichen Umfeld aufgewachsen waren wie der Angeklagte. Im Berufungsverfahren seien dann jedoch Beweismittel vorgelegt worden, die „sehr viel chaotischere und von Missbrauch geprägte Umstände“ sowohl in der Familie von Raymond Tibbetts als auch in Pflegefamilien aufdeckten, als zunächst angenommen. Die Richterin führte an, dass diese „schockierenden“ und „äußerst verstörenden“ Details den Geschworenen „triftige“ Gründe gegeben hätten, sich für eine lebenslange Haftstrafe auszusprechen. Neben seiner traumatischen Kindheit leidet Raymond Tibbetts infolge jahrzehntelanger nicht behandelter psychischer Gesundheitsprobleme an schwerer Alkohol- und Drogenabhängigkeit, was von der Verteidigung ebenfalls nicht angemessen thematisiert wurde.

Im Januar 2017 empfahl der Begnadigungsausschuss dem Gouverneur von Ohio John Kasich mit einer Mehrheit von 11:1, Raymond Tibbetts nicht zu begnadigen. Die meisten Mitglieder des Ausschusses räumten der „traumatischen“ Kindheit von Raymond Tibbetts zwar Gewicht ein, argumentierten jedoch, dass eine Begnadigung aufgrund der Umstände der Straftat „nicht im Interesse der Gerechtigkeit“ sei. Allerdings sprach sich ein Mitglied des Begnadigungsausschusses für eine Begnadigung aus. Sie begründete dies damit, dass „Tibbetts unter nachlässigen, missbräuchlichen, chaotischen, unbeständigen und generell abträglichen Umständen aufgezogen“ worden sei, wodurch für ihn und seine Geschwister eine „Katastrophe vorprogrammiert“ gewesen sei. Er und seine Geschwister hätten alle mit „Drogenmissbrauch, Inhaftierung und psychischen Problemen“ zu kämpfen gehabt, einer der Brüder habe sich sogar das Leben genommen. Ihrer Ansicht nach seien die Reaktionen der Sozialdienste und anderer Behörden auf die Hilferufe von Raymond Tibbetts „unzulänglich“ gewesen. Die Rechtsbeistände von Raymond Tibbetts appellieren derzeit an den Gouverneur, der Empfehlung des Begnadigungsausschusses nicht nachzukommen und stattdessen die Auswirkungen der Kindheit des Verurteilten auf seine Handlungen als Erwachsener und auf seine geistige Gesundheit zu berücksichtigen. Hierzu haben sie dem Gouverneur Fachgutachten vorgelegt, die aufzeigen, dass die Empfehlung des Ausschusses auf einer fehlerhaften Einschätzung des Falls beruht. Als Hinrichtungstermin für Raymond Tibbetts wurde der 13. Februar festgelegt.

Die Gesamtzahl der Exekutionen in den USA seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1977 beläuft sich auf 1.466, davon 55 im Bundesstaat Ohio. Im Jahr 2018 ist in den USA bisher eine Person hingerichtet worden. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Bis heute haben 142 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Laut Angaben der Schwester von Raymond Tibbetts wandten ihre biologischen Eltern „extreme Gewalt“ gegen ihre Kinder an. Außerdem wurden diese häufig ohne Essen und angemessene Kleidung alleine gelassen. Sie beschrieb den Haushalt als einen Ort der „ständigen Gewalt“. Die Kinder wurden schließlich in Pflegefamilien untergebracht, wo sie weiter misshandelt wurden, u. a. durch Tritte, Schläge und Verbrennungen. Als sich die Richterin Karen Moore 2011 am Ende des Berufungsverfahrens als eine von drei Richter_innen gegen das Todesurteil aussprach, sagte sie, dass diese strafmildernden Faktoren ausschlaggebend dafür seien, die Schuldhaftigkeit von Raymond Tibbetts zu verstehen, und dass sie daher als wichtige Beweismittel für eine Entscheidung über Leben und Tod anzusehen seien. Stattdessen war im Verfahren nur ein einziger Zeuge vorgeladen worden, um über diese strafmildernden Umstände zu sprechen. Es handelte sich bei ihm um einen Psychiater, der von der Staatsanwaltschaft der Lüge bezichtigt wurde. Darüber hinaus sagte er aus, dass auch er angesichts des Angeklagten um seine Sicherheit besorgt sei.

Im Jahr 2017 äußerte ein Rechtspsychologe in einem Brief an Gouverneur John Kasich Kritik an der Empfehlung des Begnadigungsausschusses, Raymond Tibbetts nicht zu begnadigen, insbesondere angesichts der Drogenprobleme des Verurteilten. Er kritisierte, dass der Ausschuss die langjährigen Drogen- und Alkoholprobleme von Raymond Tibbetts nicht berücksichtigt habe, die aufgrund von frühen Kindheitstraumata und psychischen Problemen entstanden seien. In seinem Brief wies der Rechtspsychologe außerdem auf einen Zeitraum in den 1990er Jahren hin, in dem Raymond Tibbetts es geschafft habe, abstinent zu bleiben, bis er einen Arbeitsunfall erlitt und deshalb „(zweckwidrig) mit narkotischen Schmerzmitteln behandelt wurde, was zu einem Rückfall in die Abhängigkeit führte“ und bedeutete, dass er „nur vier Monate vor Begehung seiner Straftat ins Krankenhaus eingeliefert wurde“.

Zwei Monate vor Begehung der Tat „fand man Raymond Tibbetts an einem Fluss, betrunken, obdachlos, depressiv, verängstigt, halluzinierend, wahnhaft, paranoid und suizidal. Er wurde wiederum ins Krankenhaus gebracht, wo er versuchte, sich zu erhängen.“ Raymond Tibbetts wurde später „nach einer kurzen Entgiftung ohne weitere Behandlung aus dem Krankenhaus entlassen“. Nur wenige Wochen später wurden die Morde an Fred Hicks und Judith Crawford begangen.

Fortsetzung (auf Englisch)

Another psychologist has criticized the board for dismissing any link between the childhood trauma and the murders on the grounds that “others with similarly traumatic backgrounds, including Tibbetts’s own siblings, do not generally commit crimes of this nature”. She pointed out that a high number of Adverse Childhood Experiences (Raymond Tibbett scored nine out of 10 on this measure) “cannot predict the exact poor outcomes for a certain individual; simply that the risk is higher”. The board also suggested that Raymond Tibbetts’s lack of history of violence was a reason to dismiss any link between his childhood and the crime and therefore to deny clemency. The psychologist also criticized this conclusion, stating that this lack of violent record “actually supports the theory that the actions on the night of the crime were so atypical from any past behaviour that they must have come from an altered state (i.e., trauma/dissociative/drug induced).” Raymond Tibbetts maintains that his memory of the murders is severely impaired, and said he does not understand how he could have reached such a state, but told the board that he has accepted full responsibility for them. If allowed to live, he told the board that he wanted to use his time to help others.