Drohende Hinrichtung am 6. Juli

Diese Urgent Action ist beendet.

Regierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, betrügen sich selbst

Regierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, betrügen sich selbst

William Morva soll am 6. Juli im US-Bundesstaat Virginia hingerichtet werden. Eine Psychiaterin hatte bei ihm eine Wahnstörung diagnostiziert. Die Geschworenen wurden über diese schwere geistige Einschränkung nicht informiert.

Amnesty fordert:

  • Sorgen Sie dafür, dass das Todesurteil von William Morva umgewandelt und seine psychische Erkrankung medizinisch behandelt wird.
  • Obwohl eine wahnhafte Störung diagnostiziert wurde, wurde den Jurymitgliedern mitgeteilt, dass William Morva nicht unter einer schweren geistigen Einschränkung leide und keine Wahnvorstellungen habe; damit lagen der Jury bei ihrer Urteilsfindung nicht alle Informationen vor.
  • Ich möchte weder das von William Morva begangene Gewaltverbrechen entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.

Sachlage

William Morva, ein 35-jähriger Mann mit US-amerikanischer und ungarischer Staatsbürgerschaft, soll am 6. Juli im US-Bundesstaat Virginia hingerichtet werden. Eine Psychiaterin hatte bei ihm eine Wahnstörung diagnostiziert, die mitverantwortlich für die Verbrechen sei, die zur Verhängung der Todesstrafe führten. Die Geschworenen wurden über diese schwere geistige Einschränkung nicht informiert.

Im August 2006 wartete der damals 24-jährige William Morva bereits seit einem Jahr im Bezirksgefängnis von Montgomery in Virginia auf seine Verhandlung wegen versuchten Raubes und anderer Anklagen. In dieser Zeit musste das Gefängnis das Doppelte bis Dreifache seiner Kapazität bewältigen, war stark überbelegt und konnte keine angemessene medizinische und psychische Gesundheitsversorgung bieten. William Morvas psychischer Zustand verschlimmerte sich, und er glaubte, dass sich seine psychische Gesundheit drastisch verschlechtere und sein Leben in Gefahr sei. Dies hatte er während des Jahres auch in zahlreichen Briefen geäußert, die er aus dem Gefängnis an verschiedene Personen schrieb.

Am 20. August 2006 brachten Gefängnismitarbeiter_innen William Morva ins Krankenhaus, nachdem er gesagt hatte, er benötige medizinische Hilfe. Dort griff er den ihn begleitenden Beamten an, nahm dessen Waffe und schoss auf seiner Flucht den unbewaffneten Krankenhauswachmann Derrick McFarland an. Am 21. August wurde Hilfssheriff Corporal Eric Sutphin erschossen. Er hatte auf eine Meldung reagiert, dass William Morva gesehen wurde. Noch am gleichen Tag fand die Polizei William Morva in einem Graben liegend. Er wurde festgenommen, wegen Mordes angeklagt und 2008 für schuldig befunden. Während der Phase des Gerichtsverfahrens, in der über das Strafmaß entschieden wurde, hatte die Verteidigung einen Psychiater und einen Neuropsychologen als Zeugen aufgerufen, die dem Angeklagten beide eine Persönlichkeitsstörung bescheinigten, jedoch nicht in dem Ausmaß einer schweren psychischen Störung. Sie sagten vor der Jury aus, dass William Morva zwar seltsame Ansichten, aber keine Wahnvorstellungen habe. Die Jury stimmte für die Todesstrafe.

2012 überprüfte ein Psychologe alle vorhandenen Unterlagen, darunter auch den familiären Hintergrund von William Morva im Hinblick auf „umfassende und schwere psychische Erkrankungen“, darunter auch Wahnvorstellungen, Schizophrenie und Zwangsstörungen. Der Psychologe äußerte sich kritisch zu den Beurteilungen der Sachverständigen des Gerichtsverfahren im Jahr 2008 und kam zu dem Schluss, dass niemand die mildernden Umstände erkannt oder angeführt habe, die u. a. durch William Morvas anhaltende „somatische, paranoide und ausufernde Wahnvorstellungen“ und eine „eindeutige Geschichte psychiatrischer Verschlechterung“ vor der Straftat begründet seien. Wie er anführte, könnten William Morvas somatische Wahnvorstellungen insbesondere „insofern mit den Verbrechen im Zusammenhang stehen, als er offensichtlich glaubte, an seinen ‘Leiden’ zu sterben – was anscheinend der Grund für seinen Fluchtversuch war“. 2014 bescheinigte eine gerichtlich bestellte Psychiaterin in ihrem Gutachten William Morva eine wahnhafte Störung in Form von Verfolgungswahn. Sie vertrat die Ansicht, er habe die Verbrechen infolge seiner Wahnvorstellungen begangen, und riet zu einer medikamentösen Behandlung. Ihrer Meinung nach war er „nicht in der Lage, seinen Rechtsbeiständen zu helfen“. Zwar wurde dieses Gutachten regulär mit einem Rechtsmittel vorgelegt, aufgrund von verfahrensrechtlichen Bestimmungen konnte das Gericht jedoch nicht darüber entscheiden, ob William Morva unter dieser psychischen Störung leidet und ob seine Verbrechen auf diese zurückzuführen sind. Als Datum der Hinrichtung wurde der 6. Juli 2017 festgelegt.

Appell an:

Gouverneur des Bundesstaates Virginia
Terry McAuliffe
Common Ground for Virginia
PO Box 1475

Richmond, VA 23218
USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon, Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat
Clayallee 170
10117 Berlin

 

Hintergrundinformation

Hintergrund

Hintergrundinformationen (auf Englisch)

None of William Morva’s family testified at the trial, further depriving the jurors of a full picture of who they were being asked to sentence. Since the trial, his mother has said: “William lives in an alternate reality. I don’t understand how this was not better explained in court at his trial. William’s version of reality is so different than that of everyone else that he’s working under a different understanding of the world around him… He is mentally ill.”

Before a death sentence can be imposed in Virginia, the jury must find that the state has proved beyond a reasonable doubt at least one of two aggravating factors. One is that the defendant’s “conduct in committing the offense was outrageously or wantonly vile, horrible or inhuman, in that it involved torture, depravity of mind or aggravated battery to the victim.” In William Morva’s case, the state relied upon the “depravity of mind” prong. Given the evidence that his somatic delusions contributed to his crimes, it is troubling that the state considers that these crimes “reflected a consciousness materially more ‘depraved’ than that of any person guilty of murder”, the constitutional standard to narrow the death penalty to the “worst of the worst” crimes and offenders. Jurors deciding his sentence did not hear about his somatic delusions, however.

The other aggravating factor is that the defendant will pose a future danger to society if allowed to live. Knowing that the prosecution would rely heavily upon this, William Morva’s lawyers requested the appointment of a forensic psychologist specializing in prison risk assessment to provide rebuttal testimony. The judge denied the request, and the state proceeded to emphasise the danger that William Morva would pose to prison guards if he was sentenced to life. The prosecutor told the jury that it was “impossible to conclude that that defendant will never escape”, because “he’s smarter than the others, and he is always thinking… We’re talking about a prisoner here who hurts guards, beats them. We’re talking about a prisoner who shoots uniformed officers… [A] prospect of life imprisonment is very frightening” because if after one year in jail, “you’re killing people”, then “what is the prospect of life in prison going to cause that person to feel justified in doing to those prison guards?”

There have been 13 executions in the USA this year, bringing the total number of executions nationwide to 1,455 since 1976, when the US Supreme Court approved new capital statutes. Virginia accounts for 112 of this national total. Amnesty International opposes the death penalty unconditionally. Today, 141 countries are abolitionist in law or practice. International law and standards on the use of the death penalty hold that it not be imposed or carried out on people with mental or intellectual disabilities. This applies whether the disability was relevant at the time of the crime or developed after the person was convicted.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for commutation of William Morva’s death sentence and medical care for his mental disability.
  • Noting the diagnosis of delusional disorder, but that the jurors were told he had a less serious mental disability and did not experience delusions, denying them a full picture of who they were being asked to sentence.
  • Explaining that you are not seeking to downplay the seriousness of violent crime or its consequences.