Drohende Hinrichtung am 18. Juli

Diese Urgent Action ist beendet.

Robert Van Hook wurde am Morgen des 18. Juli im US-Bundesstaat Ohio hingerichtet. Wegen eines 1985 begangenen Mordes befand er sich seit 33 Jahren im Todestrakt.

Demonstrant_in hält ein Schild nach oben mit dem Titel "Abolish the Death Penalty"

Protestaktion gegen die Todesstrafe, Ohio 2007

Robert Van Hook soll am 18. Juli im US-Bundesstaat Ohio hingerichtet werden. Wegen eines 1985 begangenen Mordes befindet er sich seit 33 Jahren im Todestrakt. Der Begnadigungsausschuss hat sich gegen eine Begnadigung ausgesprochen. Diese Empfehlung ist für den Gouverneur jedoch nicht bindend.

Appell an:

Governor John Kasich

Riffe Center, 30th Floor

77 South High St, Columbus

OH 43215-6117, USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
S.E. Herrn Richard Allen Grenell

Clayallee 170
14195 Berlin
Fax: 030 830 510 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • Ich möchte mich gegen die Hinrichtung von Robert Van Hook aussprechen und Sie höflich auffordern, das Todesurteil umzuwandeln.
  • Das zuständige Gericht hat nicht alle mildernden Umstände gehört, die sein durch Missbrauch und Disfunktionalität bestimmtes Aufwachsen kennzeichnen und auch nicht die Auswirkung, die dies auf sein Leben, seinen seelischen Zustand und sein Verhalten hatte.
  • Ich möchte das begangene Gewaltverbrechen und das damit verursachte Leid auf keinen Fall herunterspielen.

Sachlage

Der damals 25-jährige Robert Van Hook wurde am 1. April 1985 in Florida festgenommen und an den Bundesstaat Ohio ausgeliefert. Er sollte sich wegen der Tötung des damals ebenfalls 25-jährigen David Self am 18. Februar 1985 in Selfs Wohnung verantworten. Er machte keinen Gebrauch von seinem Recht auf ein Verfahren mit Geschworenen und erhielt ein Verfahren vor einem dreiköpfigen Richtergremium, das ihn des Mordes schuldig sprach und ihn im August 1985 zum Tode verurteilte. Dreieinhalb Monate zwischen Festnahme und Verfahren sind sehr kurz in einem Justizsystem, in dem angesichts der Komplexität meisten mindestens ein Jahr vergeht, ehe die Gerichtsverhandlung im Fall eines Tötungsdelikts beginnt. Komplex ist z.B. die Anforderung an die Verteidigung, im Falle eines Schuldspruchs, mildernde Umstände zu prüfen, um diese bei der Bemessung des Strafmaßes geltend zu machen.

Ein dreiköpfiges Richtergremium des US-Berufungsgerichts des 6. Bezirks befand 2008, dass die Untersuchung der mildernden Umstände durch die Rechtsbeistände im Fall Robert Van Hook „auf die letzte Minute“ stattfand, ihre Leistung mangelhaft war und dass dem Angeklagten mit Vorurteilen begegnet wurde. Den Richter_innen wurden „die beiden schwerwiegendsten mildernden Umstände, die per Gesetz vorgelegt werden können – sein traumatischer familiärer Hintergrund und seine geistige Einschränkung –“, nicht in ihrer Gänze vorgelegt. Unter anderem hatten die Rechtsbeistände weder herausgefunden noch dargelegt, dass Robert Van Hook wiederholt von seinen Eltern verprügelt worden war, zudem „mehrere Male“ Zeuge wurde, wie sein Vater versuchte, seine Mutter zu töten, und die Einlieferung seiner Mutter in eine psychiatrische Einrichtung miterlebte. Sie ließen auch unachtsam verfassungswidrige Zeugenaussagen zu und legten nicht einmal Einspruch dagegen ein, als die Mutter des Opfers ihre Meinung kundtat, dass es das Verbrechen noch „verschlimmern“ würde, den Angeklagten nicht hinzurichten und seine Hinrichtung „eine weitere Familie davor schützen würde, seine Taten zu erleiden“. Das Berufungsgericht wies den Bundesstaat an, dass Todesurteil nicht zu vollstrecken oder erneut über das Strafmaß zu befinden. Der Bundesstaat legte jedoch Berufung ein und 2009 hob der Oberste Gerichtshof der USA die Anweisung mit der Begründung auf, dass sie sich auf aktuelle professionelle Standards für Rechtsbeistände beziehe. Die Verteidigung von Robert Van Hook argumentierte, dass seine Verteidiger_innen auch nach Standards von 1985 ineffektiv gewesen seien, doch der Oberste Gerichtshof urteilte, dass sie genug getan hätten, und selbst wenn sie mehr unternommen hätten, das Ergebnis dasselbe gewesen wäre.

Am 24. Mai 2018 tagte der Begnadigungsausschuss von Ohio, dabei legten Robert Van Hooks Verteidiger_innen Details seiner von Missbrauch und Disfunktionalität gekennzeichneten Kindheit und deren Wirkung auf ihn dar. Ein_e Psycholog_in/Psychiater_in sagte aus, dass Robert Van Hook einen klassischen Fall posttraumatischer Belastungsstörungen darstelle. Er habe eine Borderline-Persönlichkeitsstörung von dem Ausmaß einer gewichtigen mentalen Einschränkung. Der Ausschuss stimmte gegen eine Begnadigung und überstimmte damit die abweichende Meinung eines ihrer Mitglieder, das schrieb, dass die Kindheit des Verurteilten und deren Auswirkung auf ihn „trotz der Abscheulichkeit des Verbrechens dazu dient, eine Strafmilderung zu begründen“. The Hinrichtung wurde auf den 18. Juli festgesetzt. Amnesty International vertritt die Auffassung, dass der Gouverneur sich für eine Begnadigung und gegen die Empfehlung des Ausschusses entscheiden sollte.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe grundsätzlich und uneingeschränkt ab. Bis heute haben 142 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Die Gesamtzahl der Exekutionen in den USA seit der Wiederaufnahme von Hinrichtungen im Jahr 1976 beläuft sich auf 1.476, 55 davon in Ohio. 2018 sind in den USA bisher elf Todesurteile vollstreckt worden. Die letzte Hinrichtung in Ohio fand im September 2017 statt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Robert Van Hook’s current lawyers relayed to the parole board what in 1985 his trial lawyers failed fully to put before the sentencing judges. They described his chaotic upbringing, and exposure to violence and substance abuse from an early age. His aunt describes his childhood as “a bad one, one that kids should never have”. His father “started hitting Robert for punishment when Robert was no more than three”. For example, if the father ordered his son to get him a drink, and the boy was not fast enough, the father “kicked him, hit him, or smacked him in the face”. Both parents “were dependent on drugs and alcohol”. When Robert was about 11, his father began sharing alcohol and drugs with him, including amphetamines, and they would get “falling down drunk” together. After the parents divorced, his mother entered a relationship with another man who was a professed neo-Nazi and, like Robert van Hook’s own father, was “aggressively homophobic”. This stepfather’s younger brother, in his 30s, was openly gay, and subsequently had a sexual relationship with Robert who was still only 14 or 15.  During this period, Robert and his father moved to Florida, but after his father physically assaulted him, he ran away, and lived on the streets for a year, eventually prostituting himself for adult men. He subsequently returned to live with his mother in Ohio.

At the age of 17, he joined the US Army, and for much of the next four years, was based in West Germany. After he returned to the USA, based in Texas, his alcohol and substance dependence re-emerged. He twice attempted suicide, after which he received an honourable discharge. His life outside the army was difficult, and his substance abuse escalated. He was unable to find employment. He made a number of suicide attempts. According to the clemency petition: “Mental health evaluations from the time leading up to Robert’s arrest for the murder of David Self, and after, paint a picture of a man struggling to cope with mental illness rooted in pervasive childhood trauma including child sexual abuse in several different forms. The psychological evaluations done at the time of Robert’s trial and for subsequent legal proceedings identified many of the core issues behind Robert’s mental health history, including exposure to violence in the home, and unstable and addicted parents, such that his childhood home life was generously described as a combat zone. Some of the evaluations observed that Robert had been involved in sexual activity with adults starting at a very young age, but these evaluations did not recognize this as childhood sexual abuse or recognize the deep-seated trauma caused by this sexual abuse. None of them identified the full scope and depth of the child sexual abuse Robert suffered or recognized its effect on Robert’s development. All of these earlier evaluations failed to connect the dots between the childhood sexual abuse and the murder of David Self…”

In custody in Florida in April 1985 after the murder, Robert Van Hook gave Cincinnati police a confession after he had requested a lawyer but before one had been provided to him. The Ohio Supreme Court upheld the conviction and death sentence in 1988, with the state maintaining that Robert Van Hook had reinitiated contact with the police through his mother. Two of the seven Justices dissented, arguing that there was no evidence that he had told his mother that he wanted to talk to police without a lawyer, and concluding that this confession was “the product of an unconstitutional interrogation, initiated by police after [Van Hook] had invoked his right to counsel”. In 2006, a three-judge panel of the US Court of Appeals for the Sixth Circuit ordered the state to release or retry him, finding that the trial judges should not have allowed this confession into evidence. However, the state appealed and the full Court of Appeals overturned that ruling, by the narrowest of margins, eight to seven. In 2008, the Sixth Circuit three-judge panel found that Robert Van Hook’s trial representation had been constitutionally inadequate. Again, the full Sixth Circuit overturned that and sent the case back to the panel. In 2009, the latter again found that defence counsel had been constitutionally ineffective. The US Supreme Court reversed that in 2009.