Drohende Hinrichtung

"Jemanden als Strafe für ein Verbrechen zu lähmen wäre Folter."

Doyle Hamm sitzt bereits seit 30 Jahren im Todestrakt und soll am 22. Februar in Alabama hingerichtet werden. Der US-Bundesstaat hat gegen einen zuvor verfügten Hinrichtungsaufschub Rechtsmittel eingelegt. Doyle Hamm leidet an Lymphdrüsenkrebs und eine Hinrichtung mit der Giftspritze könnte wegen des schlechten Zustands seiner Venen verfassungswidrig sein.

Appell an:

Governor Kay Ivey

Alabama State Capitol

600 Dexter Avenue

Montgomery

Alabama 36130, USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat

Clayallee 170
14191 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • Bitte wandeln Sie das Todesurteil gegen Doyle Hamm um, unabhängig davon, ob der vom Bezirksgericht aufgrund der ernsten Erkrankung des Häftlings verfügte Hinrichtungsaufschub bestehen bleibt oder nicht.
  • Ich möchte Sie mit Sorge auf die Kürze der Phase zur Festlegung des Strafmaßes hinweisen. In dieser kurzen Zeit war es für die Geschworenen nicht möglich, sich ein umfassendes Bild von der Person zu machen, die sie verurteilen sollten und die Auswirkungen auf Doyle Hamm einzuschätzen.

Sachlage

Patrick Cunningham arbeitete an der Rezeption eines Motels in Cullman im Bundesstaat Alabama, als er in der Nacht zum 24. Januar 1987 bei einem Raubüberfall erschossen wurde. Nach diesem Vorfall wurden ein Mann und eine Frau in einem Auto angehalten, das zuvor vor dem Motel gesehen worden war. Sie gaben gegenüber den Polizeikräften an, dass sie von Doyle Hamm entführt worden waren. Später gaben sie zu, dessen Kompliz_innen gewesen zu sein und beteuerten beide, dass Doyle Hamm die tödlichen Schüsse abgegeben habe. Im folgenden Prozess sagten beide als Zeug_innen der Staatsanwaltschaft gegen Doyle Hamm aus und bekannten sich geringfügiger Straftaten für schuldig. Im Gegenzug wurden sie zu Haftstrafen verurteilt. Doyle Hamm wurde dagegen wegen Mordes schuldig gesprochen. In der eintägigen Phase zur Festlegung des Strafmaßes präsentierte sein Rechtsbeistand in nur 19 Minuten zwei Zeugenaussagen. Es wurde keine Fachkraft in den Zeugenstand gerufen, um eine Einschätzung zu Doyle Hamms psychischer Gesundheit vorzutragen und der Nachweis eines Gehirnschadens, der im späteren Rechtsmittelverfahren vorgelegt wurde, spielte damals keine Rolle. Elf der zwölf Geschworenen plädierten für die Todesstrafe.

In der Anhörung zur Festlegung des Strafmaßes am 9. November 1987 berichtete der Richter, dass Doyle Hamm neun Geschwister habe. Sein Vater sei ein „schwerer Trinker“ gewesen, der einige Zeit im Gefängnis verbracht und versucht habe, „seinen Kindern zu vermitteln, dass sie keine Hamms seinen, wenn sie nicht stehlen könnten“. Er stellte fest, dass alle sieben Brüder von Doyle Hamm bereits eine Haftstrafe hinter sich hatten oder noch inhaftiert waren. Dies allein mache bereits den „schrecklichen Einfluss“ deutlich, den das „unverantwortliche und bedauernswerte“ Verhalten des Vaters auf das Leben seiner Kinder gehabt habe. Doyle Hamm habe unter einem „absolut negativen Einfluss“ gestanden. Anschließend nahm der Richter das Plädoyer der Geschworenen für die Todesstrafe an.

Zum Tatzeitpunkt war Doyle Hamm 29 Jahre alt, am 14. Februar 2018 wird er 61. Im Jahr 2014 wurde bei einer Untersuchung ein Tumor hinter seinem linken Auge gefunden und Lymphdrüsenkrebs festgestellt. Der Krebs wurde bestrahlt und medikamentös behandelt, was eine „schwere Schädigung“ seiner Venen nach sich zog, die bereits durch eine frühere Drogensucht in Mitleidenschaft gezogen wurden. Doyle Hamms Rechtsbeistand führt an, dass eine Hinrichtung durch die Giftspritze starke und unnötige Schmerzen auslösen würde und somit verfassungswidrig sei.

Am 6. Februar 2018 setzte die Richterin eines US-Bezirksgerichts die für den 22. Februar angesetzte Hinrichtung aus, da der Rechtsbeistand mit der Berufung auf die Verfassung „nach Lage der Dinge gute Erfolgsaussichten“ habe. Damit kann sie eine unabhängige medizinische Fachkraft mit der Untersuchung von Doyle Hamm beauftragen. Diese soll das aktuelle Stadium seines Lymphdrüsenkrebses sowie die Anzahl und den Zustand seiner peripheren Venen – in den Armen, Händen, Beinen und Füßen – beurteilen. Falls diese Venen nicht zugänglich sein sollten, wird geprüft, ob die Vergrößerungen der Lymphknoten das Legen eines Zentralvenenkatheters in die Hals-, Schlüsselbein- oder Oberschenkelvene behindern würden. Die Staatsanwaltschaft hatte sie gedrängt, das Rechtsmittel abzuweisen. Am 7. Februar reichte die Staatsanwaltschaft mit dem Ziel, den Hinrichtungsaufschub wieder aufheben zu lassen, Rechtsmittel beim Rechtsmittelgericht ein. Einen Tag zuvor, am 6. Februar ging beim Gouverneur ein Gnadengesuch ein.

Hintergrundinformation

Hintergrund

To retain the death penalty is to retain the ultimate cruel, inhuman and degrading punishment. The cruelty is not confined to the execution chamber. In 1890, the US Supreme Court recognized the “horrible” uncertainty a death row prisoner had to endure while waiting for execution. In that ruling, noted a Justice in a 2015, the Court was “describing a delay of a mere four weeks” between conviction and execution, whereas today “we must describe delays measured, not in weeks, but in decades”. Doyle Hamm has been kept in this condemned state for 30 years – more than 11,000 days and nights of “horrible” uncertainty. His lawyer says that despite his situation, Doyle Hamm has achieved “remarkable progress and success in his rehabilitation.”

In her 6 February 2018 ruling staying the execution, the Chief Judge of the US District Court for the Northern District of Alabama, Karon O. Bowdre, wrote that “no one disputes” either that Doyle Hamm has “a long and complicated medical history” or that his history of intravenous drug use “complicates the accessibility of his peripheral veins”. She found that “a genuine dispute of material fact exists about whether Mr Hamm has adequate peripheral venous access to allow [the state] to execute him without resorting to a central line. And a genuine dispute of material fact exists about whether Mr Hamm has lymphadenopathy [enlarged lymph nodes] in areas of his body that would make a central line placement extremely dangerous… If his medical condition is as he alleges, then his execution would be unnecessarily painful and dangerous”.

Doyle Hamm’s current lawyer has represented him for the past 28 years. In the clemency petition just filed with the governor, he states “Doyle Hamm currently faces two death sentences: one, at the hands of the State of Alabama; the other, very soon, at the hands of his cancer.” He describes his client as “extremely frail” and in “significant pain” for which he has been taking “heavy-duty pain medication”. He is “already near his deathbed and to seek to execute him “is simply a ghoulish pursuit”.

Twenty-seven years ago, in 1991, Doyle Hamm’s lawyer filed a post-conviction appeal under “Rule 32” of the Alabama Rules of Criminal Procedure. After a hearing in 1999, the trial court denied relief. The judge’s order was a verbatim adoption of the “Proposed Memorandum Opinion” that the state filed with the court one working day earlier. During oral argument in the US Court of Appeals for the 11th Circuit in 2014, one of the three judges said to counsel for the state: “it’s a bit odd, is it not, that the Alabama Rule 32 judge takes the State’s proposed findings and conclusions, 89 pages worth, and files them as the judge’s own within a day of receiving them, without even taking the time to take out the word ‘proposed’? That doesn’t engender much confidence in the Alabama State Court system, right? ... I’m telling you: I don’t believe for a second that the judge went through 89 pages in a day and then filed it as his own. As if he had gone through everything, went through his notes, the transcript, the exhibits, and the like. It just can’t be done! It just can’t be done.” The 11th Circuit judge then noted the level of deference that federal judges are required to give state court decisions under the 1996 Antiterrorism and Effective Death Penalty Act, adding “I’m telling you, that it sticks in my craw.” The three-judge panel upheld the death sentence in 2015, in which it “strongly criticize[d] the practice of trial courts’ uncritical wholesale adoption of the proposed orders or opinions submitted by a prevailing party”. This “strong” criticism was nevertheless an empty condemnation – reduced to a footnote, with the panel stressing that the trial judge’s “procedural shortcut has no bearing on our disposition of Hamm’s federal habeas appeal”. On the question of the trial lawyer’s performance at the 1987 sentencing, the panel acknowledged the “horribly abusive environment in which Hamm was raised” but decided the jury had been given enough information, despite the brevity of the mitigation presentation.

Alabama accounts for 61 of the 1,468 executions in the USA since the Supreme Court approved new capital laws in 1976. Amnesty International opposes the death penalty unconditionally, regardless of the crime or the execution method chosen.