Drohende Hinrichtung

Diese Urgent Action ist beendet

John Battaglia ist am 1. Februar im US-Bundesstaat Texas hingerichtet worden. Er war 2002 wegen Mordes an seinen sechs und neun Jahre alten Töchtern im Jahr 2001 zum Tode verurteilt worden.

Zeichnung eines Strangs zum Erhängen

Clifton Williams soll am 21. Juni in Texas hingerichtet werden

John Battaglia soll am 1. Februar im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Drei Psycholog_innen sind der Ansicht, dass der Todeskandidat unter einer schweren Wahnstörung leidet und daher nicht in der Lage ist, die Tragweite seiner Bestrafung zu begreifen. Dies wurde vor Gericht jedoch zurückgewiesen.

Appell an:

Begnadigungsausschuss von Texas

Clemency Section, Board of Pardons and Paroles

8610 Shoal Creek Blvd.

Austin, Texas 78757-6814

USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon
Geschäftsträger a.i., Gesandter-Botschaftsrat

Clayallee 170
14191 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: feedback@usembassy.de

Amnesty fordert:

  • Bitte stoppen Sie die Hinrichtung von John Battaglia (Häftlingsnummer 999412) und wandeln Sie sein Todesurteil um.
  • Ich möchte Sie darauf hinweisen, dass drei Psycholog_innen bei ihm eine Wahnstörung festgestellt haben, die dazu führt, dass er die bevorstehende Hinrichtung nicht rational begreifen kann.
  • Ich möchte in keiner Weise die Schwere der Tat oder das verursachte Leid verharmlosen.

Sachlage

Im April 2002 wurde John Battaglia in einem Gerichtsverfahren im Dallas County für schuldig befunden, am 2. Mai 2001 seine beiden Töchter (sechs und neun Jahre alt) getötet zu haben. Zur Tatzeit bestand eine Bewährungsstrafe gegen ihn wegen Gewaltanwendung gegen seine damals bereits von ihm getrennt lebende Ehefrau, die auch die Mutter seiner Töchter war. Die Staatsanwaltschaft argumentierte, John Battaglia habe die gemeinsamen Töchter aus Rache getötet, weil seine Frau angedroht hatte, dafür zu sorgen, dass seine Bewährung widerrufen wird und er ins Gefängnis muss. In der Strafzumessungsphase des ersten Gerichtsverfahrens sagten drei Psychiater_innen für die Verteidigung und eine_r für die Staatsanwaltschaft aus. Alle kamen zu dem Schluss, dass John Battaglia an einer bipolaren Störung leidet. Die Verteidigung argumentierte, der Angeklagte habe zum Tatzeitpunkt an einer schweren psychischen Erkrankung gelitten. Die Geschworenen sprachen sich dennoch für eine Verurteilung zum Tode aus.

Der Hinrichtungstermin von John Battaglia wurde daraufhin für Dezember 2016 festgesetzt. Einen Monat zuvor, am 14. und 15. November 2016, wurden im Dallas County Anhörungen durchgeführt, um zu beurteilen, ob der Verurteilte in der Lage ist, die Tragweite seiner Bestrafung zu begreifen und ob es daher verfassungsgemäß ist, ihn hinrichten zu lassen. Zu diesem Zweck gaben vier Psycholog_innen Gutachten zu seinem Fall ab: eine_r war von der Verteidigung bestellt worden, eine_r von der Staatsanwaltschaft und zwei weitere vom Gericht. Drei dieser Expert_innen kamen zu dem Schluss, dass es nicht verfassungsgemäß sei, John Battaglia hinzurichten, da er aufgrund einer wahnhaften Störung nicht in der Lage sei, seine Bestrafung zu begreifen. Die von der Verteidigung bestellte Expertin erklärte, dass John Battaglia an „einer schwerwiegenden, aktiven Störung leidet, die von tiefgreifenden und anhaltenden Wahnvorstellungen geprägt ist“. Der von der Staatsanwaltschaft einberufene Experte erklärte, dass John Battaglia psychisch schwer krank sei und an einer „komplexen Verfolgungswahnstörung“ leide. Ein dritter, vom Gericht bestellter, Experte kam zu dem Schluss, dass John Battaglia glaube, dass „seine Verurteilung fingiert sei“ und „all dies Teil einer Verschwörung gegen ihn sei“. Ein vierter Psychologe, der ebenfalls vom Gericht bestellt worden war, sagte jedoch aus, dass John Battaglia simuliere und es zulässig sei, ihn hinzurichten. Am 18. November 2016 urteilte der zuständige Richter, dass der Vollstreckung des Todesurteils nichts im Wege stehe. Er wies damit die ersten drei Meinungen zurück und bezog sich ganz auf die Aussage des vierten Experten. Am 20. September 2017 bestätigte das Strafberufungsgericht des Bundesstaates Texas (Texas Court of Criminal Appeals) dieses Urteil, obwohl es Stimmen innerhalb der Justizbehörden gab, die argumentierten, dass der Richter im November 2016 einen Fehler gemacht habe, indem er sich lediglich auf eine einzige Expertenmeinung stützte, da dieser Experte „zum Erreichen seiner Schlussfolgerungen das anwendbare Recht nicht ordnungsgemäß beachtet“ habe. Das Strafberufungsgericht übergab den Fall wieder an das ursprünglich zuständige Gericht, welches als Hinrichtungsdatum den 1. Februar 2018 festsetzte.

Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA aus dem Jahre 1986 (Ford gegen Wainwright) untersagt die Hinrichtung von Gefangenen, wenn sie weder den Grund noch die Tragweite der Strafe begreifen. Im Fall Panetti gegen Quarterman führte der Oberste Gerichtshof 2007 aus, dass laut dem Urteil im Fall Ford gegen Wainwright „die Kenntnis eines Gefangenen darüber, dass der Staat aus bestimmten Gründen eine Hinrichtung befürwortet, nicht dasselbe ist wie ein rationales Begreifen der Bestrafung. [...] Tiefgreifende Wahnvorstellungen aufgrund einer schwerwiegenden psychischen Störung können das Bewusstsein über eine Verbindung zwischen dem Verbrechen und der daraus resultierenden Strafe in einen so weit von der Realität entfernten Kontext setzen, dass eine Strafe sinnlos wird“. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In 2011, a US District Court judge pointed to John Battaglia’s “rambling and largely unintelligible missives to the court, together with his history of bipolar disorder” as raising concern that he “may not be mentally competent to knowingly and intelligently waive his right to counsel” as John Battaglia was seeking to do at that time. An example of such a “missive”, dated 19 October 2009, includes the following text: “These facts and conclusions of law were dated August 6, 2008 and have been concealed from me as well as the name of the judge who wrote them as well as every record and piece of evidence submitted in my original trial in 2002 by both my trial and appeal attorneys. This was in part due to the fact that I had been married into a Klan or Cult of local Dallas racists who practiced a bizarre type of eugenics which involved the secretive and fraudulent in-breeding and conception of children by members of the same immediate families under the ruse of a normal domestic marriage”.

The psychologist retained by the defence for the Ford/Panetti assessment conducted some 15 hours of interviews and multiple tests with John Battaglia and produced a detailed report on her findings that his delusional disorder rendered him incompetent for execution. In his decision on 18 November 2016, Judge Robert Burns of the Criminal District Court in Dallas County “disregard[ed] her opinion entirely” because of her “lack of experience working with a prison population”, adding that “claims of wrongful prosecution and conspiracies by judges, witnesses, prosecutors and defense attorneys are common”. He adopted a similar stance in relation to the state’s expert, saying that he had “only limited experience” in the prison setting. On the court-appointed expert who found John Battaglia incompetent, the judge said little. Instead, he found that the other court-appointed psychologist, who had experience working in federal prisons, was “highly qualified to make a determination of competency in this context”, and was “wholly credible”. That psychologist conducted no testing of the prisoner, but based his initial assessment on an interview of him of under five hours. After he was provided the reports of the other three psychiatrists, he conducted another interview of the prisoner but still conducted no testing. His second report asserted that John Battaglia is “a highly intelligent person who has had the time and motivation to begin creating a complex, paranoid story line that he could have practiced over the years”. The psychologist made a provisional diagnosis of malingering and concluded that “he is likely not to have a delusional disorder”.

Judge Burns wrote that, given his imminent execution, “Battaglia has a motive to lie and/or exaggerate his symptoms of mental illness.” The judge concluded that he did “not believe that Battaglia suffers from a severe mental illness”, and that he “is both intellectually capable, sophisticated enough, and has every motivation to invalidate the mental health tests and create these delusions specifically related to his rational understanding of his connection to the offense as a means of preventing his execution. The Court believes that Battaglia is feigning or exaggerating his symptoms of mental illness.”

The assertion that a condemned prisoner is faking or exaggerating mental disability to avoid execution has been made in other cases by state authorities – including in Texas and including about individuals who went to their execution displaying symptoms of serious delusional disorders (see https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/003/2006/en/). It is also the case, as the Supreme Court put it in its Panetti ruling in 2007 that “a concept like rational understanding is difficult to define”. In its 1986 Ford ruling, four of the Justices had similarly noted that the evidence of whether a prisoner is incompetent for execution “will always be imprecise”. A fifth Justice had added that “unlike issues of historical fact, the question of [a] petitioner’s sanity calls for a basically subjective judgment.” For many people, one of the reasons to stop executions and to abolish the death penalty is precisely because of the impossibility of removing subjectivity and human error from application of an irrevocable punishment.

Texas accounts for 546 of the 1,446 executions in the USA since the Supreme Court approved new capital laws in 1976. International law and standards on the use of the death penalty hold that it may not be imposed or carried out on people with mental or intellectual disabilities. This applies whether the disability was relevant at the time of their alleged commission of the crime or developed after the person was sentenced to death. Amnesty International opposes the death penalty unconditionally.