Drohende Hinrichtung

Diese Urgent Action ist beendet.

Patrick Hannon ist am 8. November im US-Bundesstaat Florida hingerichtet worden. Er wurde im Juli 1991 zweier Morde für schuldig befunden, die sechs Monate zuvor begangenen worden waren. Vor dem Obersten Gerichtshof der USA fanden zwar in letzter Minute noch Rechtsmittelverfahren statt, das Gericht sah jedoch letztlich nicht die Notwendigkeit, aktiv zu werden.

Todeszelle in Huntsville, Texas

Todeszelle in Huntsville, Texas

Patrick Hannon soll am 8. November um 18 Uhr Ortszeit im US-Bundesstaat Florida hingerichtet werden. Er wurde im Juli 1991 zweier Morde für schuldig befunden, die sechs Monate zuvor begangenen worden waren. Zum Tatzeitpunkt war Patrick Hannon 26 Jahre alt. Der heute 53-Jährige hat somit sein halbes Leben in der Todeszelle verbracht.

Setz dich jezt für Patrick Hannon ein!

Appell an:

Gouverneur von Florida

Governor Rick Scott

Office of the Governor, The Capitol

400 S. Monroe St.

Tallahassee, FL 32399-0001, USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon (Gesandter-Botschaftsrat)
Clayallee 170
14191 Berlin

Fax: 030 830 510 50
E-Mail: über http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Amnesty fordert:

  • Bitte stoppen Sie die Hinrichtung von Patrick Hannon und wandeln Sie sein Todesurteil um.
  • Berücksichtigen Sie bitte, dass zwei Richter des Obersten Gerichts von Florida dafür votierten, dass erneut über das Strafmaß für Patrick Hannon beraten werden solle, da ein „klassischer Fall unzureichender Verteidigung“ vorliege und die Jury „bei ihren Beratungen zum Strafmaß keine vernünftige Wahlmöglichkeit“ gehabt habe.

Sachlage

Laut den vorliegenden Beweisen drangen Patrick Hannon, Ron Richardson und Jim Acker am 10. Januar 1991 in die Wohnung von Brandon Snider und Robert Carter in Tampa (Florida) ein. Brandon Snider öffnete die Tür und wurde angegriffen: Auf ihn wurde eingestochen und ihm wurde die Kehle durchgeschnitten. Robert Carter wurde im Obergeschoss erschossen. Das Gerichtsverfahren gegen Patrick Hannon fand im Juli 1991 statt. Nach mehreren Verhandlungstagen änderte Ron Richardson – der wegen Mordes angeklagt war und gleichzeitig als Alibizeuge für Patrick Hannon auftrat – seine Aussage: Nach einer Übereinkunft mit der Staatsanwalt bekannte der sich der Beihilfe schuldig und sagte für die Staatsanwaltschaft aus. Patrick Hannon wurde des zweifachen Mordes für schuldig befunden und die Geschworenen votierten für die Todesstrafe. Seine Rechtsbeistände legten Rechtsmittel gegen die Todesstrafe ein, die sie im Vergleich zu den Urteilen der Mitangeklagten als „unverhältnismäßig und abweichend“ ansehen. Ron Richardson wurde zu fünf Jahren Haft verurteilt, von denen er 14 Monate verbüßte. Auch Jim Acker war des zweifachen Mordes für schuldig befunden worden. Doch die ursprüngliche Forderung nach der Todesstrafe wurde schließlich in eine lebenslange Haftstrafe abgeändert. In einem Wiederaufnahmeverfahren wurde er 2001 wegen Mordes zu einer lebenslangen Haftstrafe und wegen Totschlags zu 22 Jahren Haft verurteilt.

Als das Strafmaß für Patrick Hannon verhandelt wurde, wiederholte sein damaliger Rechtsbeistand nur ein einziges Argument zu seiner Verteidigung, das er mit Zeugenaussagen untermauerte: Patrick Hannon sei unschuldig und habe auch nicht den Charakter, um die ihm zur Last gelegten Verbrechen begehen zu können – obwohl diese Argumentation bereits bei der Urteilsfindung von den Geschworenen zurückgewiesen worden war. In einem Berufungsverfahren 2002 zeichneten Patrick Hannons Rechtsbeistände dessen langjährigen Drogenmissbrauch nach, der bereits in jungen Jahren begonnen hatte. Patrick Hannon habe unter anderem Alkohol, LSD, Crystal Meth, halluzinogene Pilze und Crack konsumiert. Außerdem verwiesen sie auf mögliche neurologische Beeinträchtigungen, die zu einer schlechten Impulskontrolle führten. Ein Psychologe sagte aus, dass Patrick Hannon ein „extremer Mitläufer“ sei.

Das Oberste Gericht von Florida entschied 2006 mit vier zu zwei Stimmen, das Todesurteil aufrecht zu erhalten. Die Argumentation, dass sein früherer Rechtsbeistand entgegen den verfassungsrechtlichen Garantien ineffektiv gewesen sei, da er keine Untersuchung durchgeführt und auch keine entlastenden Beweise vorgelegt hätte, wurde zurückgewiesen. Die Mehrheit der Richter_innen urteilte, dass die Entscheidung des früheren Rechtsbeistands, wiederholt auf unschuldig zu plädieren sowie „keine Untersuchung einzuleiten und keine strafmildernden Umstände anzuführen“ angemessen gewesen sei. Zwei Richter kamen jedoch zu einem anderen Ergebnis: Sie erklärten, dass die Entscheidung des Rechtsbeistands, keine strafmildernden Umstände geltend zu machen, nicht strategisch gewesen sein konnte. Aufgrund der fehlenden Ermittlungen hätten diesem Rechtbeistand auch keine Erkenntnisse über entsprechende Beweise vorliegen können. In ihrer von der Mehrheitsmeinung abweichenden Stellungnahme heißt es: „Anstatt an diesem kritischen Punkt, als es um das Leben seines Mandanten ging, Beweise und Argumente gegen die drohende Todesstrafe vorzubringen, erfüllte die Verteidigung ihre Aufgabe nicht. Zur Verteidigung seines Mandanten brachte der Rechtsbeistand lediglich vor, dass dieser nicht wirklich schuldig sei.“ Dies sei ein „klassischer Fall unzureichender Verteidigung“, der zu einem „Zusammenbruch unseres kontradiktorischen Systems“ geführt hätte. Die Jury habe „bei ihren Beratungen zum Strafmaß keine vernünftige Wahlmöglichkeit“ gehabt. Die Richter plädierten für eine neue Strafzumessung für Patrick Hannon. Seine Hinrichtung ist jedoch auf den 8. November um 18 Uhr Ortszeit angesetzt.

Hintergrundinformation

Hintergrund

AUF ENGLISCH

The two judges dissenting from the Florida Supreme Courts decision to uphold Patrick Hannons death sentence in 2006 said: Shockingly, the record reflects that Hannons counsel did no investigation for mitigation, and, in fact was not going to present any form of mitigation during the penalty phase, even a continuing claim of not guilty. The trial judge actually directed him to reconsider this irrational strategy; thereafter, Hannons counsel presented the evidence relating to the my client is too nice to have done thisstrategy.The dissent said that the lawyer, a former prosecutor, testified at the 2002 evidentiary hearing that he had not investigated his clients background because he expected this case to go back to trial, perhaps after someonecame forward or there was a confession in jail just like you read about all the time. The dissent said that such naiveté would be surprising anywhere, but it is shocking and inexcusable on the part of a lawyer charged with defending a capital offense.

Under state law, the Florida Governor can grant reprieve from execution of up to 60 days, but can commute a death sentence only with the approval of two members of the Board of Executive Clemency. The Board is comprised of the Governor and members of the Cabinet. The Governor can deny clemency for any reason, regardless of the Boards vote on the matter. Executive clemency has not been granted in a Florida capital case since 1983. In 2006, the American Bar Association concluded that the lack of transparency surrounding Floridas clemency process meant that it was impossible to determine the extent to which inappropriate political considerationsimpacted that process. As is usual in Florida, Patrick Hannons death warrant signed by Governor Scott in October 2017 stated that it has been determined that executive clemency is not warranted. Patrick Hannons lawyers are challenging the unknownand arbitraryprocess by which the Governor exercised his absolute discretionto choose Patrick Hannon over any other condemned inmate for a death warrant.

On 12 January 2016, in Hurst v. Florida, the US Supreme Court ruled Floridas capital sentencing scheme unconstitutional because it gave juries only an advisory role in sentencing. This, it said, was incompatible with its 2002 Ring v. Arizona decision that the US Constitution requires juries, rather than judges, to make the factual findings necessary to sentence a defendant to death. In December 2016, the Florida Supreme Court ruled that Hurst applied retroactively to just over half of the nearly 400 prisoners then on death row, who would be entitled to resentencing if the state failed to prove that the Hurst errorwas harmless. Justice James Perry dissented, arguing that the majority had decided to arbitrarily draw a line between June 23 and June 24, 2002 the day before and the day after Ring was decided, but does not offer a convincing rationale as to why 173 death sentenced persons should be treated differently than those whose sentences became final post-RingThe majoritys application of Hurst v. Florida makes constitutional protection depend on little more than a roll of the dice.Justice Barbara Pariente also argued that Hurst should apply retroactively to all death sentences, pointing out that we must be extraordinarily vigilant in ensuring that the death penalty is not arbitrarily imposed.

Amnesty International opposes the death penalty unconditionally. Today 141 countries are abolitionist in law or practice. In 1972, Florida became the first state in the USA to legislate for the death penalty after the US Supreme Court had overturned the countrys capital laws earlier that year because of the arbitrary manner in which death sentences were being handed down. The Court upheld new statutes, including Floridas, in July 1976. In 1979, Florida carried out the USAs first non-consensualexecution under these laws, three-and-a-half years before any other state did the same thing. It carried out its first post-Hurst execution on 24 August 2017, and the second on 5 October. There have been 1,463 executions in the USA since 1976, 21 of them this year. Florida is the US state which accounts for most wrongful convictions discovered in capital cases. For more information on Floridas death penalty, see Death in Florida (https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/6736/2017/en/).