Drohende Hinrichtung

Diese Urgent Action ist beendet.

Das Oberste Gericht des US-Bundesstaates Arkansas hat am 7. November im Fall von Jack Greene einen Hinrichtungsaufschub gewährt. Der 62-Jährige hätte am 9. November hingerichtet werden sollen. Der Bundesstaat Arkansas wird die Entscheidung offenbar nicht anfechten.

Hinrichtungskammer in der texanischen Stadt Huntsville

Hinrichtungskammer in der texanischen Stadt Huntsville

Jack Greene soll am 9. November in Arkansas hingerichtet werden. Seine Rechtsbeistände halten die Hinrichtung jedoch für verfassungswidrig, da Jack Greene aufgrund seiner psychotischen Störung nicht in der Lage sei, seine Bestrafung rational erfassen zu können.

Verhindert die Hinrichtung von Jack Greene!

Appell an:

Governor of the State of Arkansas

The Honorable Asa Hutchinson

State Capitol, Suite 250

500 Woodlane St

Little Rock, AR 72201

USA

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon (Gesandter-Botschaftsrat)
Clayallee 170

14191 Berlin

Fax: 030 830 510 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Amnesty fordert:

  • Bitte stoppen Sie die Hinrichtung von Jack Greene und wandeln Sie sein Todesurteil um.
  • Berücksichtigen Sie bitte die Expertengutachten, die belegen, dass Jack Greene aufgrund seiner psychischen Beeinträchtigung nicht in der Lage ist, seine Bestrafung rational erfassen zu können. Damit wäre eine Hinrichtung verfassungswidrig.

Sachlage

Jack Greene wurde 1992 wegen des 1991 begangenen Mordes an Sidney Burnett für schuldig befunden. Ihm wurde eine psychotische Störung attestiert, zu der auch die wahnhafte Überzeugung gehört, dass sich seine Rechtsbeistände mit dem Staat gegen ihn verschworen hätten. Laut seinen Rechtsbeiständen hat sich seine psychische Beeinträchtigung seit 2004 verschlechtert. 2003 war er von den Gefängnisbehörden in das Hochsicherheitsgefängnis Varner Supermax Unit verlegt worden, wo er in einer 3,6 x 2,3 Meter großen Zelle hinter einer massiven Stahltür festgehalten wird. Seine Rechtsbeistände berichten weiter, dass Jack Greene die vergangenen 14 Jahre „in fast ununterbrochener Isolation“ verbracht und  seine Zelle „kaum verlassen habe, nicht einmal für Anwaltsbesuche.“

Jack Greene schrieb im Laufe der Jahre mehrere Gerichte an und beschwerte sich über eine Verschwörung zwischen seinen Rechtsbeiständen und staatlichen Stellen. Diese würden ihn körperlich verletzen, um so seine Rückverlegung in seinen Heimatstaat North Carolina zu verhindern. So schrieb er 2008 beispielsweise: „Der US-Präsidentschaftskandidat und ehemalige Gouverneur von Arkansas, Mike Huckerbee, sowie der frühere Generalstaatsanwalt und Gouverneur von Arkansas, Mike Beebe, beide mit politischen Kontakten zu bestellten und beauftragten Anwälten, beeinflussen rechtswidrig, früher oder noch aktuell, hochrangige Vertreter der Gefängnisbehörde von Arkansas, die wiederum das schwarze Personal des Todestrakts dazu drängen, mir unablässig mein Gehirn durch Erschütterungen zu verletzen, die alle einunddreißig (31) gekoppelten neurologischen Spinalnerven zerstörten ...“ Die von Jack Greene angegebenen Verletzungen konnten in medizinischen Untersuchungen nicht bestätigt werden.

Seine Rechtsbeistände erklären, dass die geistige Beeinträchtigung von Jack Greene durch „groteske körperliche Bewegungen“ deutlich werde, die sie folgendermaßen beschreiben: „Greene verdreht seinen Körper, legt sich auf den Boden oder macht einen Kopfstand, um sich so vor den vermeintlichen körperlichen Schmerzen zu schützen. Meistens steckt er sich seine Finger oder Papier in Nase und Ohren. Deswegen hat er oft Nasenbluten und sein Gesicht ist blutüberströmt. Zu seinen Rechtsbeiständen und anderen sagte Greene, dass er seine Toilette als Schreibtisch nutzen müsse ... Greene isst seine Mahlzeiten aus dem Waschbecken.“ Auch das Anstaltspersonal stellte wahnhaftes und bizarres Verhalten fest.

Ein Psychiater, der von Jack Greenes Rechtsbeiständen beauftragt worden war, stellte im September 2017 fest, dass dieser an einer „psychotischen Störung“ leide, die sich vor allem in „körperlichen Wahnvorstellungen und Verfolgungswahn“ manifestiere. „Herr Greene versteht seine Hinrichtung als eine weitere Stufe in einem umfassenden Plan, ihm körperlich zu schaden.“ In Jack Greenes Geschichte fänden sich „zahlreiche wichtige Schlüsselfaktoren, die zur Ausbildung einer psychotischen Störung führen können.“ Dazu zählten „ein häufiges Auftreten schwerer psychischer Erkrankungen innerhalb der Familie“, „extreme Armut“, eine „Dauerbelastung durch schwerwiegende Traumata in der Kindheit“, eine „traumatische Hirnverletzung“, eine „Geschichte der Selbstverletzung“ sowie die „anhaltende Einzelhaft“. Im Oktober wurde diese Einschätzung durch einen weiteren Psychiater bestätigt, der von Jack Greenes Rechtsbeiständen beauftragt worden war. Auch er diagnostizierte bei Jack Greene eine wahnhafte Störung und schrieb in seinem Bericht: „Da Herr Greene seine Hinrichtung in seinen Verfolgungswahn und seine körperlichen Wahnvorstellungen integriert hat, kann er sie rational nicht erfassen.“

Hintergrundinformation

Hintergrund

Nur wenige Tage, nachdem der Bruder von Jack Greene in seinem Heimatstaat North Carolina erschossen worden war, wurde Sidney Burnett in Arkansas ermordet. Jack Greene wurde des Mordes an seinem Bruder in North Carolina schuldig gesprochen und erhielt eine lebenslange Haftstrafe. Im Rechtsmittelverfahren wurde dieser Schuldspruch aufgehoben. In der Zwischenzeit war Jack Greene in den US-Bundesstaat Arkansas ausgeliefert worden. Die entsprechende Vereinbarung besagt, dass er wieder nach North Carolina zurückgeführt werden würde, falls das Strafverfahren in Arkansas „auf andere Weise als mit einer Verurteilung und der Verhängung der Todesstrafe“ beendet werden würde. Jack Greenes Todesurteil von 1992 wurde 1994 im Rechtsmittelverfahren wieder gekippt. 1996 wurde er erneut zum Tode verurteilt. Er versuchte mehrere Male, seine eingelegten Rechtsmittel zurückzuziehen, was das Oberste Gericht von Arkansas jedoch nicht zuließ. Das gleiche Gericht hob das Todesurteil 1998 ein zweites Mal auf. 1999 wurde er erneut zum Tode verurteilt. Er versuchte wieder, auf die Einlegung von Rechtsmitteln zu verzichten, diesmal wurde der Verzicht akzeptiert. Das Oberste Gericht von Arkansas setzte seine für den 14. Dezember 1999 angesetzte Hinrichtung jedoch aus. Diese Entscheidung stützte sich auf ein anderes Urteil, nach dem bei sämtlichen Fällen, in denen ein Todesurteil ergangen war, automatisch Rechtsmittel eingelegt werden müssten. 2001 bestätigte das Gericht das Todesurteil gegen Jack Greene.

Nach US-amerikanischem Verfassungsrecht ist die Hinrichtung von Personen verboten, die die Gründe für ihre Strafe oder deren tatsächliche Gegebenheit nicht rational erfassen können. Das Völkerrecht und internationale Standards legen fest, dass die Todesstrafe bei Personen mit psychischen oder intellektuellen Beeinträchtigungen nicht verhängt oder vollstreckt werden darf. Dafür ist es unerheblich, ob die Beeinträchtigung bereits zum Tatzeitpunkt bestand oder erst nach der Verurteilung entwickelt wurde. Amnesty International wendet sich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe. Seit 1976 gab es in den USA 1.463 Hinrichtungen, davon 31 in Arkansas. Dieses Jahr wurden 21 Todesurteile vollstreckt, vier davon in Arkansas –die ersten seit 2005.

Hintergrundinformationen – Fortsetzung (auf Englisch)

In October 2004, Jack Greene’s lawyers filed a claim that he had intellectual disability and that his execution would therefore be unconstitutional. At a hearing in federal court in 2010, Jack Greene testified, over the objection of his lawyers, that he wished to withdraw the claim. The judge noted that “Greene was transported to the courtroom in a wheelchair. Greene’s body appeared contorted, and he had enormous difficulty standing and controlling his body movements. Greene has written affidavits and other writings, some dated as early as 2005, complaining that prison employees torture him by constantly slamming the trap door to his cell. According to Greene’s writings, the constant slamming causes him to suffer intense ear pain and has damaged his nervous system and spinal cord.” Jack Greene told the judge: “between the Department of Corrections and this Federal Public Defender's Office, they have wasted hundreds of thousands of dollars to try to cover up these crimes against humanity here.” The judge asked: “What crimes against humanity?” to which Jack Greene replied: “To inflict a person with such injuries that force a person to live with such injuries, and then spend untold thousands and thousands of dollars to try to validate making me out to be a retard just to try to cover it up. I live like this every moment of the day, 24/7. It's all I can do to keep from dying from these injuries to my brain that has destroyed my central nervous system.” At a competency hearing in 2011, the defence presented a neuropsychologist and a neuropsychiatrist who testified that Jack Greene was incompetent to waive his intellectual disability claim as a result of his mental disability, including a psychotic disorder involving delusional beliefs. For the state, a psychologist testified that in her opinion Jack Greene was competent, while acknowledging as atypical his “behaviour of twisting and contorting his body, standing on his head, and plugging his ear.”

In September 2017, Jack Greene wrote to the Governor’s chief counsel, asking that the Governor order his return to North Carolina: “when ever I wouldn’t stop forcing the legal issues of my return to N. Carolina, as drafted within the ‘Executive Agreement’ between the State of Arkansas and North Carolina, of my ‘Extradition’, the Ark. Dept. of Corrections, then criminally inflicted me, and endlessly since July 5th 2004 with pre-cussion concussion brain troma [sic] injuries with the total destruction of my entire neurological nerve system that has forced me to live for the past 13-yr’s, all crippled maimed and tortured and endure and suffer 24/7 so inhumanly, unable to even walk etc., described within pages 40-41-42 of such pro-long symptoms of such inhumane maim and torture since July 5th 2004.”