Drohende Amputation

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Diese Urgent Action ist beendet.

Am 16. April entschied der Oberste Gerichtshof Israels, dass der 20-jährige Journalist Yousef al-Kronz gestattet werden muss, für eine dringende medizinische Behandlung in Ramallah den Gazastreifen zu verlassen, um sein verbliebenes Bein zu retten. Er war am 30. März am „Tag des Bodens“ (Israel) bzw. „Tag der Rückkehr“ (Palästina) von israelischen Streitkräften schwer verletzt worden.

Eine ungepflasterte Straße entlang einer Mauer, im Hintergrund Häuser

Mauer in Abu Dis (Westjordanland) in der Nähe von Jerusalem

Dem Journalisten Yousef al-Kronz wird von den israelischen Behörden die Erlaubnis verweigert, zu einer dringend erforderlichen medizinischen Behandlung nach Ramallah im besetzten Westjordanland zu reisen. Yousef al-Kronz wurde am 30. März während der Proteste anlässlich des „Tags des Bodens“ in Gaza von den israelischen Streitkräften schwer verletzt. Ihm könnte jederzeit das zweite Bein amputiert werden müssen.

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Minister,

mit großer Sorge habe ich erfahren, dass dem Journalisten Yousef al-Kronz von den israelischen Behörden die Erlaubnis verweigert wird, zu einer dringend erforderlichen medizinischen Behandlung nach Ramallah im besetzten Westjordanland zu reisen. Yousef al-Kronz wurde am 30. März während der Proteste anlässlich des „Tags des Bodens“ in Gaza von den israelischen Streitkräften schwer verletzt. Ihm könnte jederzeit das zweite Bein amputiert werden müssen.

Gestatten Sie bitte umgehend den Transfer des schwer kranken Yousef al-Kronz und anderer Patient_innen in Krankenhäuser außerhalb des Gazastreifens, um dort lebenserhaltende Fachbehandlungen zu erhalten.

Heben Sie die rechtswidrige Blockade des Gazastreifens auf und kommen Sie Ihrer Verpflichtung als Besatzungsmacht nach, den Bewohner_innen des Gazastreifens den ungehinderten Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung zu garantieren.

Mit freundlichen Grüßen

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Bitte abschicken bis: 25.05.2018

Appell an:

Verteidigungsminister

Avigdor Liberman

Ministry of Defence

37 Kaplan Street, Hakirya Tel Aviv 61909

ISRAEL

Sende eine Kopie an:

Minister für Öffentliche Sicherheit
Gilad Erdan
Kiryat Hamemshala
PO Box 18182
Jerusalem 91181
ISRAEL

E-Mail: gerdan@knesset.gov.il
Fax: (00 972) 2 584 7872

Botschaft des Staates Israel
S. E. Herrn Jeremy Nissim Issacharoff
Auguste-Viktoria-Straße 74-76
14193 Berlin
Fax: 030 – 8904-5555
E-Mail: botschaft@israel.de

Amnesty fordert:

  • Gestatten Sie bitte umgehend den Transfer des schwer kranken Yousef al-Kronz und anderer Patient_innen in Krankenhäuser außerhalb des Gazastreifens, um dort lebenserhaltende Fachbehandlungen zu erhalten.
  • Heben Sie die rechtswidrige Blockade des Gazastreifens auf und kommen Sie Ihrer Verpflichtung als Besatzungsmacht nach, den Bewohner_innen des Gazastreifens den ungehinderten Zugang zu angemessener medizinischer Versorgung zu garantieren.

Sachlage

Yousef al-Kronz und der 17-jährige Mohammad al-‘Ajouri aus Gaza-Stadt befanden sich unter den Hunderten Menschen, die bei den Protesten zum „Tag des Bodens“ am Grenzzaun, der Israel und Gaza trennt, von den israelischen Streitkräften mit scharfer Munition verletzt wurden. Beide Männer wurden in das Al-Shifa-Krankenhaus nach Gaza-Stadt gebracht, um ihre schweren Verletzungen zu versorgen, die zur Amputation beider Beine führen könnten. Da das Al-Shifa-Krankenhaus nicht die erforderliche Ausstattung hat, um ihre Beine zu retten, überwiesen Ärzt_innen sie an das Al Istishari Arab Krankenhaus in Ramallah. Am 1. April beantragten die Menschenrechtsgruppen Adalah und das in Gaza ansässige Al-Mezan-Zentrum beim Koordinator für israelische Militäraktivitäten in den besetzten Gebieten (COGAT) für die beiden Männer die Erlaubnis, Gaza verlassen zu dürfen.

Wie in vielen anderen Fällen, reagierte COGAT nicht auf den Antrag, woraufhin die beiden Organisationen COGAT am 4. April einen Expressbrief mit dem Antrag auf umgehenden Transfer von Yousef al-Kronz und Mohammad al-‘Ajouri von Gaza nach Ramallah schickten. Am 5. April erhielt Adalah die Information, dass COGAT den Antrag der beiden Männer abgelehnt hatte, allem Anschein nach wegen ihrer Beteiligung an den Massenprotesten am 30. März. Am 8. April reichten die beiden Organisationen eine Petition beim Obersten Gerichtshof von Israel ein, mit der sie forderten, dass Israel den beiden schwer verletzten jungen Männern gestatten solle, den Gazastreifen nach Ramallah zu verlassen, wo ihre Beine möglicherweise gerettet werden können. Trotz der Dringlichkeit entschied das Gericht, nicht umgehend eine Sitzung einzuberufen, sondern gab der Regierung drei Tage Zeit, um zu antworten.

Aufgrund der Verzögerung und der Weigerung der israelischen Behörden, die Ausreisegenehmigung auszustellen, musste Yousef al-Kronz und Mohammad al-‘Ajouri jeweils ein Bein amputiert werden. Yousef al-Kronz muss vielleicht auch das zweite Bein abgenommen werden, wenn er nicht umgehend die angemessene medizinische Behandlung in Ramallah erhält. Am 12. April fand im Hohen Gericht von Israel eine Anhörung statt, bei der das Gericht die israelische Regierung anwies zu erklären, warum sie es Yousef al-Kronz nicht gestattet, den Gazastreifen für die dringende medizinische Behandlung im Westjordanland zu verlassen. Adalahs Antrag für eine Eilanhörung am 13. April wurde abgelehnt. Eine zweite Anhörung soll am 15. April stattfinden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Yousef al-Kronz studiert Medien und Journalismus an der Universität Al-Azhar in Gaza-Stadt und arbeitet bei der Palästinensischen Medienvereinigung. Er berichtete Amnesty International, dass er am 30. März über die „Tag-des-Bodens-Proteste“ östlich des Flüchtlingslagers Al-Borej berichtete, als er nahe des Grenzzauns zwischen Israel und Gaza in beide Beine geschossen wurde. In der Folge musste Yousef al-Kronz' linkes Bein amputiert werden und nun droht ihm die Amputation des rechten Beins, wenn er nicht schnellstens die richtige Behandlung in Ramallah erhält.

Mehrere Gruppen in Gaza haben beginnend am 30. März eine Reihe von Protestveranstaltungen und Demonstrationen organisiert, die mit dem „Tag des Bodens“ zusammenfallen sollen, um das Recht auf Rückkehr für Millionen von Geflüchteten in die Dörfer und Städte im heutigen Israel einzufordern. Die Proteste werden voraussichtlich bis zum 15. Mai dauern. An diesem Tag gedenken die Palästinenser_innen der Nakba, auch „große Katastrophe“ genannt. Der Tag erinnert an die Vertreibung und Enteignung von Hunderttausenden Palästinenser_innen 1948-49 während des Konflikts nach der Gründung Israels.

An zwei aufeinanderfolgenden Freitagen haben sich Zehntausende Palästinenser_innen – Frauen, Männer und Kinder – in fünf Lagern etwa 700 Meter vom Grenzzaun zwischen Gaza und Israel versammelt, um ihr Recht auf Rückkehr zu unterstreichen und das Ende der fast elf Jahre dauernden israelischen Blockade des Gazastreifens zu fordern. Die Proteste waren überwiegend friedlich, doch eine Minderheit von Protestierenden warf Steine und nach Angaben der israelischen Armee Molotow-Cocktails in Richtung des Zauns. Die israelischen Streitkräfte behaupten, dass die Getöteten entweder versucht hatten, den Zaun zwischen Gaza und Israel zu überqueren, oder „Hauptaufwiegler_innen“ seien und daher der Einsatz von Schusswaffen ihrer Streitkräfte gerechtfertigt gewesen sei. Auf israelischer Seite gab es keine Verletzten oder Toten.

Bis 11. April forderten die Proteste 26 palästinensische Todesopfer, darunter drei Kinder und der Fotojournalist Yasser Murtaja. Darüberhinaus wurden mehr als 3.000 Palästinenser_innen verletzt, darunter etwa 445 Kinder, mindestens 21 Angehörige des Notfallteams des palästinensischen Roten Halbmonds und 15 Journalist_innen. Das Gesundheitsministerium in Gaza gab am 11. April bekannt, dass seit dem Beginn der Proteste 1.236 Personen Schussverletzungen erlitten haben. Andere wurden durch Gummigeschosse verletzt oder mussten wegen des Einatmens des von Drohnen abgeworfenen Tränengases behandelt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab ihrer Besorgnis Ausdruck, dass fast 350 der Verletzten vorübergehende oder dauerhafte Behinderungen infolge der Verletzungen davontrugen.

Bislang mussten mindestens vier Personen Beine amputiert werden. Berichte von Augenzeug_innen sowie Videos und Fotos, die während der Proteste aufgenommen wurden, weisen darauf hin, dass in manchen Fällen, unbewaffnete palästinensische Protestierende von israelischen Scharfschützen beschossen wurden, als sie die palästinensische Fahne schwangen oder vom Zaun wegliefen.

Die israelischen Behörden verweigern oder verzögern regelmäßig Ausreisegenehmigungen für Patient_innen, die eine möglicherweise lebensrettende Behandlung außerhalb von Gaza in Anspruch nehmen möchten. 2017 beschieden die israelischen Behörden nur 54 Prozent der Anträge auf Arzttermine positiv, das ist die niedrigste Rate seit die WHO seit 2008 Zahlen dazu erhebt. Die WHO berichtete, dass 54 Palästinenser_innen, 46 davon mit Krebserkrankungen, 2017 infolge verweigerter oder verspätet erteilter Reisegenehmigungen starben. Seit zwei Jahrzehnten und insbesondere seit 2007, als Israel die Land-, Luft- und Seeblockade gegen Gaza verhängte, riegelt Israel den Gazastreifen vollständig ab und verweigert der Bevölkerung damit Grundrechte. Unter anderem die Vereinten Nationen und das Internationale Komitee vom Roten Kreuz bezeichnen diese Politik als „Kollektivstrafe“ und riefen Israel auf, die Schließung von Gaza zu beenden. Israel kontrolliert den Zugang zu Gaza – mit Ausnahme des Übergangs Rafah in Ägypten – sowie alle Übertritte Gaza-Westjordanland und auch die Grenze zwischen dem Westjordanland und Jordanien. Die israelischen Behörden gestatten es Palästinenser_innen in Gaza nicht, ihren Flughafen wieder zu eröffnen oder einen Seehafen zu bauen, dadurch hängen die Palästinenser_innen von ausländischen Flug- und Seehäfen ab, um ins Ausland reisen zu können.

Todesfälle und vielfaches Leid von Kranken, die Reisegenehmigungen gestellt haben, stehen in direktem Zusammenhang mit den Einschränkungen der Bewegungsfreiheit durch die israelische Regierung. Diese Praktiken sind Teil der Schließung und des Genehmigungsverfahrens, das Patient_innen ein Leben in Würde verweigert und gegen das Recht auf Leben verstößt. Die Schließung muss aufgehoben werden, so dass Patient_innen sicheren Zugang zur Gesundheitsversorgung in palästinensischen Krankenhäusern in den besetzten Gebieten und anderswo erhalten.