Aufruf zu Hinrichtungsmoratorium

Protestgruppe mit Schildern mit Kreuz

Demonstration gegen die Todesstrafe in Deutschland, 2011

Im US-Bundesstaat Nevada soll die erste Hinrichtung seit elf Jahren vollstreckt werden. Ein Häftling, der seine eingelegten Rechtsmittel zurückgezogen hatte, soll am 14. November um 20 Uhr Ortszeit hingerichtet werden. Amnesty International fordert ein Hinrichtungsmoratorium als ersten Schritt zur Abschaffung der Todesstrafe.

Setz dich jetzt dafür ein, dass die Todesstrafe abgeschafft wird!

Appell an:

Justizminister
Attorney General Adam Paul Laxalt
Office of the Attorney General
100 North Carson Street
Carson City, NV 89701, USA

Sende eine Kopie an:

Begnadigungskommission von Nevada
Nevada Board of Pardons Commissioners
1677 Old Hot Springs Road, Suite A
Carson City, NV 89706, USA
E-Mail: info@parole.nv.gov

Kopien an Botschaft der Vereinigten Staaten von Amerika
Herrn Kent Doyle Logsdon (Gesandter-Botschaftsrat)
Clayallee 170
14191 Berlin
Fax: 030 830 510 50

 

Amnesty fordert:

  • Ich wende mich in allen Fällen, weltweit und ausnahmslos gegen die Todesstrafe und fordere Sie höflich auf, in Nevada ein Hinrichtungsmoratorium zu erlassen. Bitte arbeiten Sie mit den gesetzgebenden Kräften zusammen, um die Todesstrafe abzuschaffen.
  • Ich weise Sie darauf hin, dass seit der letzten Vollstreckung einer Hinrichtung in Nevada sechs US-Bundesstaaten die Todesstrafe abgeschafft haben, andere haben ein Hinrichtungsmoratorium verabschiedet und weitere 21 Länder haben die Todesstrafe entweder insgesamt oder für gewöhnliche Verbrechen abgeschafft. 141 Länder haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.
  • Außerdem möchte ich Sie auf mehrere Resolutionen aufmerksam machen, die in den letzten zehn Jahren von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurden und die – in Erwartung der Abschaffung der Todesstrafe – ein Hinrichtungsmoratorium fordern.

Sachlage

In Nevada wurde am 26. April 2006 zum letzten Mal ein Todesurteil vollstreckt. Die jetzt angesetzte Hinrichtung wäre die erste, die in der neuen Hinrichtungskammer im Staatsgefängnis von Ely vollzogen werden würde. Außerdem würde zum ersten Mal in den USA ein neuer Giftcocktail aus drei Arzneimitteln zum Einsatz kommen, für den sich die Behörden in Nevada als Hinrichtungsmethode entschieden haben. Anfang 2017 wurde ein Gesetzentwurf zur Abschaffung der Todesstrafe in Nevada vom zuständigen Ausschuss nicht verabschiedet.
Seit der Bestätigung neuer Gesetze zur Wiederaufnahme von Hinrichtungen durch den Obersten Gerichtshof der USA 1976 wurden in Nevada zwölf Todesurteile vollstreckt. Die aktuelle Todesstrafengesetzgebung von Nevada wurde 1977 verabschiedet. In elf von diesen zwölf Fällen wurden sogenannte „Freiwillige“ hingerichtet – Häftlinge, die auf die Einlegung von Rechtsmitteln verzichtet hatten. Auch jetzt erhält der Bundesstaat Nevada „Unterstützung“ durch den betroffenen Häftling. Dieser sitzt wegen eines 2002 begangenen Mordes seit 2007 im Todestrakt. 2016 entschloss er sich, auf die Einlegung von Rechtsmitteln zu verzichten. Nachdem eine Richterin im Juli 2017 bestätigt hatte, dass er hierzu auch in der Lage sei, unterzeichnete sie noch im gleichen Monat den Hinrichtungsbefehl.
Seit der letzten Vollstreckung eines Todesurteils in Nevada sind die Bedenken bezüglich der Kosten, Risiken, Unstimmigkeiten und Ungerechtigkeiten innerhalb des Justizsystems der USA gestiegen. Der damals ranghöchste Richter am Obersten Gerichtshof der USA sagte 2008, dass die Zeit „für einen sachlichen, unparteiischen Vergleich der enormen, gesamtgesellschaftlich zu tragenden Verfahrenskosten im Zusammenhang mit der Todesstrafe einerseits mit deren Nutzen andererseits“ gekommen sei. Er erklärte, dass er nach 30 Jahren am Gerichtshof zu dem Schluss gekommen sei, dass „die Verhängung der Todesstrafe eine sinnlose und unnötige Auslöschung des Lebens“ bedeute. Zwei weitere Richter am Gerichtshof stellten 2015 fest, dass es an der Zeit sei, die Verfassungsmäßigkeit der Todesstrafe zu überprüfen. Sie begründeten dies mit nachgewiesenen Fehlern, der willkürlichen Anwendung der Todesstrafe sowie den rückläufigen Zahlen von Hinrichtungen inner- und außerhalb der USA.
Seit der letzten Vollstreckung einer Hinrichtung in Nevada haben 21 Länder die Todesstrafe entweder insgesamt oder für gewöhnliche Verbrechen abgeschafft. Auch sechs US-Bundesstaaten haben die Todesstrafe seitdem abgeschafft (New Jersey, New Mexico, Illinois, Connecticut, Maryland und Delaware). Bis heute haben 141 Länder die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft. Die Gouverneure der US-Bundesstaaten Oregon, Pennsylvania und Washington verabschiedeten Hinrichtungsmoratorien. Als ersten Schritt auf dem Weg zur gesetzlichen Abschaffung der Todesstrafe sollte auch Nevada umgehend ein Hinrichtungsmoratorium verabschieden. Dies würde sowohl mit internationalen Menschenrechtsprinzipien als auch mit mehreren Resolutionen im Einklang stehen, die in den vergangenen zehn Jahren von der UN-Generalversammlung verabschiedet wurden und die – in Erwartung der Abschaffung der Todesstrafe – ein Hinrichtungsmoratorium fordern.

Hintergrundinformation

Hintergrund

In an increasingly abolitionist world, Nevada and other US states have had difficulties sourcing drugs for their lethal injection regimes. In September 2016 Nevada issued an “Invitation to Bid for Pharmaceutical Drugs Used for Lethal Injections” in an attempt to procure hydromorphone and midazolam for the state’s two-drug protocol. However, the state received no bids. On 17 August 2017, the Nevada Department of Corrections (NDOC) announced it would be using a combination of diazepam (a sedative), fentanyl (an opioid) and cisatracurium (a muscle relaxant) for the execution that is now scheduled for 14 November. None of these three drugs has previously been used in an execution in the USA; as such Nevada can be said to be engaging in what four US Supreme Court Justices described in 2015 as “in effect human experimentation” in the ongoing efforts of death penalty states to overcome their challenges in acquiring lethal injection drugs. The three-drug combination was chosen by the NDOC Director, after consultation with the Chief Medical Officer. On 30 October 2017, the Chief Medical Officer resigned with immediate effect after little more than a year in the job.
Twenty-two people were sentenced to death in Nevada between 2002 and 2016. From 1986 to 2000, there were exactly four times this many death sentences passed in Nevada – 88. This reflects a broader pattern of declining use of the death penalty in the USA in the past decade or so, a decline in use that all officials should seize upon to lead the USA away from this punishment altogether.

This would be the first execution under the governorship of Brian Sandoval. From 2002 to 2005, he was Nevada’s Attorney General. In March 2005, President George W. Bush nominated Brian Sandoval to become a judge on the US District Court for the District of Nevada and he was confirmed by the Senate in October 2009. He resigned this lifetime appointment in 2009, ran for governor, and became Nevada’s 30th governor in 2010. He was re-elected to this position in 2014.
The death penalty is the ultimate cruel, inhuman and degrading punishment. It has not been shown to have a special deterrent effect. It tends to be applied discriminatorily on grounds of race and class. It denies the possibility of rehabilitation. It can prolong the suffering of the murder victim’s family, and extend that suffering to the loved ones of the condemned prisoner. It diverts resources that could be better used to work against violent crime and assist those affected by it.
Almost three quarters of the 42 prisoners put to death in Nevada and 10 other US states since 1976 had given up their appeals – all seven in Connecticut, New Mexico, Oregon and Pennsylvania, and 24 of the 35 prisoners executed in Washington State, South Dakota, Utah, Montana, Idaho, Kentucky and Nevada. All in all, one in 10 of the prisoners put to death in the USA since 1976 had waived their appeals. Outside of eight of the main executing states – Texas, Virginia, Oklahoma, Florida, Missouri, Georgia, Alabama and Ohio (responsible for 78 per cent of the USA’s post-1976 executions) – the ratio rises to one in five for the remaining 27 jurisdictions that have executed since 1976.
Nevada and 14 other US states, and the federal government, resumed executions after 1976 with the execution of a prisoner who had waived his appeals. Two of the states that have executed only “volunteers” – Connecticut and New Mexico – have abolished the death penalty in the past decade. Oregon, Pennsylvania and Washington State – with nine executions between them, eight of which were of “volunteers” – currently have moratoriums on executions in place because of concerns about the capital justice system. For further background on Nevada’s death penalty and the phenomenon of “volunteers”, see USA: Intent to kill, intent to die, November 2017, at https://www.amnesty.org/en/documents/amr51/7392/2017/en/
Amnesty International opposes the death penalty unconditionally. There have been 1,463 executions in the USA since the US Supreme Court upheld new capital statutes in 1976. There have been 21 executions in the USA this year.