Anklage wegen lesbischer Beziehung

Diese Urgent Action ist beendet!

Domoina Ranabosoa wird wegen ihrer Beziehung zu ihrer 19-jährigen Freundin „verderbliche Beeinflussung von Minderjährigen unter 21 Jahren“ vorgeworfen. Die Gesetze, auf denen die Anklage beruht, stellen gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe und diskriminieren somit LGBTI. Amnesty International stellt diese Urgent Action gemäß den Wünschen der Familie von Domoina Ranabosoa ein.

Handfahne in Regenbogenfarben mit Aufschrift Stop Homophobia

Homophobie beenden!

Obwohl Domoina Ranabosoa am 7. April vorübergehend aus der Untersuchungshaft entlassen wurde, steht sie weiter unter Anklage. Die Grundlage dafür sind Gesetze, die Lesben, Schwule, Bisexuelle, Trans- und Intergeschlechtliche (LGBTI) diskriminieren – und abgeschafft werden müssen!

Appell an:

Präsident der Republik Madagaskar
Andry Rajoelina
Monsieur le Président de la République de Madagascar

Palais d’État Iavoloha
102 Iavoloha
Antananarivo, MADAGASKAR

Sende eine Kopie an:

BOTSCHAFT DER REPUBLIK MADAGASKAR
Frau Florence Isabelle Rafaramalala
Botschaftsrätin
Seepromenade 92

14601 Falkensee
Fax: (03322) 231 429
E-Mail: info@botschaft-madagaskar.de

Amnesty fordert:

  • Bitte sorgen Sie dafür, dass die Anklage gegen Domoina Ranabosoa umgehend fallengelassen wird.
  • Darüber hinaus fordere ich Sie auf, den diskriminierenden Paragrafen 331 des Strafgesetzbuches zu streichen, in dem einvernehmliche gleichgeschlechtliche sexuelle Handlungen von Personen, die jünger als 21 Jahre alt sind, als „sexuelle Nötigung von Minderjährigen“ bezeichnet und hart bestraft werden.
  • Stellen Sie bitte außerdem sicher, dass im Kampf gegen COVID-19 die Gesundheit und Sicherheit von Häftlingen Priorität hat. Ermöglichen Sie bitte die bedingte Freilassung von Untersuchungshäftlingen und anderen Gefangenen, die keine Gefahr für die öffentliche Sicherheit darstellen. Ziehen Sie bitte wohlwollend in Betracht, ältere und vorerkrankte Gefangene, die in besonderem Maße durch Covid-19 bedroht sind, freizulassen. Wenn aufgrund von Präventionsmaßnahmen gegen COVID-19 keine Besuche mehr erlaubt sind, müssen den Gefangenen andere Kontaktmöglichkeiten (Telefonate, E-Mails oder Videoanrufe) bereitgestellt werden.

Sachlage

Am 7. April wurde die 33-jährige Domoina Ranabosoa vorübergehend aus der Untersuchungshaft entlassen. Sie war unter unmenschlichen Bedingungen im Gefängnis von Antanimora inhaftiert, und ihr wird auch weiterhin vorgeworfen, mit ihrer 19-jährigen Freundin eine gleichgeschlechtliche Beziehung zu haben. In Madagaskar können einvernehmliche gleichgeschlechtliche Beziehungen mit unter 21-Jährigen mit bis zu fünf Jahren Haft bestraft werden. Das Alter der sexuellen Mündigkeit liegt für Heterosexuelle dagegen bei 14 Jahren. Diese unterschiedliche Festlegung des Alters, ab dem jemand als „sexuell mündig“ gilt, ist eine klare Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung.

Amnesty International ist der Ansicht, dass die Gesetze, auf deren Grundlage Domoina Ranabosoa angeklagt ist, abgeschafft werden müssen, da sie gleichgeschlechtliche Beziehungen unter Strafe stellen und somit LGBTI diskriminieren.

Hintergrundinformation

Hintergrund

On 10 March, 33-year old Domoina was sent to pre-trial detention in Madagascar’s capital city’s prison, Antanimora. As exposed in Amnesty International’s 2018 report ‘Punished for Being Poor: Excessive, Unjustified and Prolonged Pre-trial Detention in Madagascar’, conditions of detention in Madagascar are inhumane, because of an excessive and prolonged use of pre-trial detention, which has in turn resulted in severe overcrowding across the country. On 7 April, Domoina’s request for temporary release was approved and she was finally able to unite with her family. However, the charges against her still stand.

The charges brought against Domoina are that of ‘corruption of minors under 21 years old’, as she is accused of having a (consensual) relationship with her 19-year old girlfriend, Fyh. In Madagascar, the criminal code in its Article 331 punishes with up to five years imprisonment ‘anyone who has committed an indecent or unnatural act with a minor of their own sex, less than 21 years old’. Fyh and Domoina had decided to move in together, a decision which did not go well with Fyh’s mother, leading her to sue Domoina under this provision.

Because of the threat of covid-19, Domoina had been told that she could no longer receive visits from her lawyer, or relatives, and that her trial, initially scheduled for 10 April, has been postponed to an undetermined date. As exposed by Amnesty International’s previous research, the government of Madagascar abusively uses pre-trial detention, constraining detainees to live in unhygienic and overcrowded conditions, and with the new threat of covid-19, pre-trial detainees will have to wait for their trials for even longer periods, while risking falling sick.