Angriffe auf Indigenenorganisation

Press Conference of COPINH and Otros Mundos Chiapas about Berta Caceres'case, Mexico 13/05/2016

Berta Zuniga Cáceres spricht über den Fall ihrer Mutter bei einer Pressekonferenz in den mexikanischen Räumlichkeiten von Amnesty International.

Am 30. Juni wurden die Koordinator_innen der Indigenenorganisation COPINH – Berta Zuniga Cáceres, Sotero Chavarría Fúnez und José Asunción Martínez – auf ihrem Weg in die Stadt La Esperanza von Unbekannten angegriffen. Dieser Angriff macht deutlich, dass COPINH-Mitglieder nach wie vor in Gefahr sind.

Setzt euch für Indigene in Honduras ein!

Amnesty fordert:

  • Bitte ergreifen Sie alle gebührenden Maßnahmen, um die Sicherheit der COPINH-Mitglieder und der Familienangehörigen von Berta Cáceres in Absprache mit ihnen zu gewährleisten. Da die Interamerikanische Menschenrechtskommission bereits Schutzmaßnahmen erlassen hat, haben die honduranischen Behörden die Pflicht, für den Schutz der Betroffenen zu sorgen.
  • Ich fordere Sie auf, umgehend eine gründliche und unparteiische Untersuchung der Angriffe, von denen COPINH-Mitglieder berichten, einzuleiten.
  • Erkennen Sie bitte die legitime und rechtmäßige Menschenrechtsarbeit von COPINH öffentlich an.

Sachlage

Am 30. Juni wurden die Koordinator_innen der Indigenenorganisation COPINH – Berta Zuniga Cáceres, Sotero Chavarría Fúnez und José Asunción Martínez – auf ihrem Weg zur Stadt La Esperanza von Unbekannten angegriffen. Dieser Angriff macht deutlich, dass COPINH-Mitglieder nach wie vor in Gefahr sind.

Am 30. Juni waren Berta Zuniga Cáceres, Generalkoordinatorin der Indigenenorganisation Consejo Cívico de Organizaciones Populares e Indígenas de Honduras (COPINH) und die Nationalkoordinatoren von COPINH Sotero Chavarría Fúnez und José Asunción Martínez auf ihrem Weg zurück nach La Esperanza. Sie kamen aus Cancire in der Kommune Santiago Puringla, wo sie mit dem Indigenenrat Strategien zum Schutz von Indigenengebieten und der Umwelt in Cancire erarbeitet hatten. Mitglieder von COPINH teilten Amnesty International mit, dass sie gegen 14.36 Uhr auf einer Landstraße von einem Fahrzeug mit hoher Geschwindigkeit überholt wurden. Ein Stück weiter hielt der Wagen in der Mitte der Straße an. Drei Personen mit Macheten sowie der Fahrer stiegen aus, bauten sich drohend neben ihrem Fahrzeug auf und versuchten mit den Macheten auf den Wagen der COPINH-Mitglieder einzuschlagen. Die COPINH-Mitglieder versuchten, an ihnen vorbeizufahren. Zwar konnte der Fahrer die Angreifer umrunden, doch einer der bewaffneten Männer warf einen Stein nach dem Auto, der die Windschutzscheibe traf. Einige Minuten später überholte dasselbe Fahrzeug erneut den Wagen von COPINH; einziger Insasse des angreifenden Wagens war diesmal nur der Fahrer. Dieser versuchte, das Auto von COPINH von der Straße zu drängen. Das Auto des Angreifers fuhr auch bei langsamerem Tempo durchgehend vor dem Wagen her. Als sie eine bewohnte Gegend erreichten, schafften es die COPINH-Mitglieder, ihren Angreifer abzuschütteln.

Sotero Chavarría Fúnez hat Amnesty International gegenüber geäußert, dass sich vor einigen Tagen zwei unbekannte Männer in seinem Heimatort nach seinem derzeitigen Aufenthaltsort erkundigt haben. Im Juni haben unbekannte Männer versucht, die Mutter seiner Kinder in einem Fahrzeug zu entführen. Am 21. Juni bedrohte COPINH zufolge ein Unbekannter Francisco Javier Sánchez, einen weiteren Koordinator von COPINH, bei der Feldarbeit mit vorgehaltener Waffe und sagte, er werde seine Kinder töten.

Appell an:

General de División Julián Pacheco Tinoco
Secretaría de Estado en el Despacho de Seguridad
Aldea el Ocotal
Antiguo Local de la Academia Nacional de Policía ANAPO
Tegucigalpa
HONDURAS

Sende eine Kopie an:

Botschaft der Republik Honduras
S. E. Herrn Ramón Custodio Espinoza
Cuxhavener Straße 14
10555 Berlin

Hintergrundinformation

Hintergrund

Berta Cáceres, Umweltschützerin und Gründerin der Indigenenorganisation COPINH, war am frühen Morgen des 3. März 2016 in ihrem Haus in der Stadt La Esperanza im Departamento Intibucá im Westen Honduras erschossen worden. Seitdem sind COPINH-Mitglieder und die Familienangehörigen von Berta Cáceres, darunter ihre Tochter Berta Zuniga Cáceres, Drangsalierungen und Angriffen ausgesetzt.

Am 8. März parkten vier bewaffnete Männer in Zivil in Fahrzeugen ohne Nummernschilder in San Francisco de Lempira vor einem Radiosender der Gemeinschaft und machten Bilder von den Personen, die das Gebäude betraten und verließen. Ein Mitarbeiter des Radiosenders wurde von einem der Männer mit vorgehaltener Waffe bedroht. Er hatte Bilder von dem Vorfall gemacht, woraufhin einer der Unbekannten ihm sein Handy wegnahm und die Fotos löschte. In derselben Woche wurden andere Männer in Fahrzeugen ohne Nummernschilder gesehen, die das Haus von Aureliano Molina umstellten und erfolglos versuchten, in sein Haus einzubrechen. Am 11. März beobachteten unbekannte Männer laut Angaben von COPINH-Mitgliedern eine Schutzunterkunft für Frauen von COPINH (Casa de Sanación y Justicia) und das Gemeinschaftszentrum Utopia in La Esperanza. Spät in der Nacht parkte ein Fahrzeug mehrere Minuten lang vor dem Eingang des Gemeinschaftszentrums. Am gleichen Tag wurde beobachtet, wie Polizist_innen Fotos von Teilnehmer_innen bei Demonstrationen in vielen Städten Honduras machten, die Gerechtigkeit im Fall der Ermordung von Berta Cáceres forderten. Ein bewaffneter Mann in Zivil verfolgte in derselben Woche eine der Töchter von Berta Cáceres in einem Einkaufszentrum in der Hauptstadt Tegucigalpa.

Am 13. Juli 2016 gab es einen Einbruch in den Büroräumen der honduranischen Organisation „Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ MADJ (Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia). Dabei wurde ein Computer mit sensiblen Daten über prominente Fälle der Organisation gestohlen. Darunter befanden sich auch Informationen zu der Tötung von Berta Cáceres (weitere Informationen: https://www.amnesty.org/en/documents/amr37/4453/2016/en/).

Am 31. Januar 2017 veröffentlichte die internationale Organisation Global Witness einen neuen Bericht zur Situation von Personen, die sich in Honduras im Bereich der Menschenrechte, der Umwelt und natürlicher Ressourcen einsetzen. Am Wochenende zuvor war in den sozialen Medien ein Beitrag verbreitet worden, der die Mitglieder verschiedener honduranischer Organisationen beschuldigte, dem Ansehen des Landes zu schaden, mit radikalen Gruppen verbündet zu sein und Hetzkampagnen gegen Honduras zu unterstützen. Die Vorwürfe richteten sich gegen die Organisationen „Unabhängige indigene Bewegung der Lenca von La Paz“ (Movimiento Indígena Lenca Independiente de La Paz, MILPAH), das Honduranische Zentrum zur Unterstützung der Gesellschaftsentwicklung (Centro Hondureño de Promoción para el Desarrollo Comunitario, CEHPRODEC), COPINH und Global Witness (weitere Informationen unter: https://www.amnesty.org/en/documents/amr37/5613/2017/en/).

COPINH kämpft seit mehr als 20 Jahren für die Rechte der Angehörigen der indigenen Gemeinschaften der Lenca. Seit 2011 setzen sich die Mitglieder von COPINH für ihr Recht ein, nach ihrer freien und vorherigen Zustimmung zum Bau des Agua-Zarca-Staudamms gefragt und über die Folgen informiert zu werden. Der Staudamm würde sie möglicherweise dazu zwingen, das Land ihrer Vorfahren zu verlassen. Seit Jahren sind die Mitglieder von COPINH wegen ihres Einsatzes Drohungen und Drangsalierungen ausgesetzt. Auch Berta Cáceres wurde über viele Jahre wegen ihrer Menschenrechtsarbeit bedroht und drangsaliert, weshalb die Interamerikanische Menschenrechtskommission Schutzmaßnahmen für sie erlassen hatte. Bisher haben die Untersuchungen zu ihrem Tod kaum Fortschritte gemacht. Amnesty International hat die Behörden dazu aufgefordert, die bisherigen Ergebnisse und Beweise zugänglich zu machen, sodass die von dem Fall betroffenen Parteien ihre Rechte in Anspruch nehmen können und eine gründliche und unparteiische Untersuchung der Tötung von Berta Cáceres stattfinden kann (siehe hierzu auch den englischsprachigen Bericht „Justice still in jeopardy in Berta Cáceres murder case“, https://www.amnesty.org/en/documents/amr37/6335/2017/en/).