Angehörige von Umweltschützern getötet

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Landkarte, Kolumbien / Norden

Landkarte Kolumbien

Am 22. September wurden zwei Angehörige von Mitgliedern der Umweltschutzbewegung Ríos Vivos (Lebende Flüsse) im Departamento Antioquia in Kolumbien getötet. Bereits zuvor wurden Menschenrechtsverteidiger_innen und Umweltaktivist_innen der Ríos Vivos-Bewegung ermordet, die gegen die Auswirkungen des Hidroituango-Staudammprojekts auf Umwelt und Menschen protestiert hatten.

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Dein Appell

Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

besorgt habe ich erfahren, dass zwei Angehörige von Mitgliedern der Umweltschutzbewegung Ríos Vivos im Departamento Antioquia getötet wurden. Diesen Tötungen gingen bereits mehrere weitere voraus. Die Mitglieder der Bewegung setzen sich gegen das Hidroituango-Staudammprojekt ein.

Leiten Sie bitte umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Tötungen ein, die die Mitgliedschaft der getöteten Personen bei der Ríos Vivos-Bewegung beziehungsweise ihre Verwandtschaft zu (ehemaligen) Mitgliedern berücksichtigt, und sorgen Sie dafür, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.

Bitte gewährleisten Sie die umfassende und unmittelbare Umsetzung der kollektiven Präventions- und Schutzmaßnahmen für Mitglieder der Ríos Vivos-Bewegung.

Ergreifen Sie bitte umgehend Schritte, um die strukturellen Ursachen hinter den Drohungen, Tötungen und Angriffen gegen Menschenrechtsverteidiger_innen im Rahmen des Hidroituango-Staudammprojekts zu bekämpfen.

Mit freundlichen Grüßen

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Bitte abschicken bis: 07.11.2018

Appell an:

Nestor Humberto Martinez

Fiscal General de Colombia

Diagonal 22B No. 52-01

Bogotá D.C.

KOLUMBIEN

Sende eine Kopie an:

Büro des Gouverneurs von Antioquia
Gobernación de Antioquia
Calle 42B Número 52- 106
Medelín
Antioquia
KOLUMBIEN

E-Mail: gobernaciondeantioquia@antioquia.gov.co

Botschaft der Republik Kolumbien
I. E. Frau María Elvira Pombo Holguin
Taubenstr. 23
10117 Berlin
Fax: 030-2639 6125
E-Mail: ealemania@cancilleria.gov.co

Amnesty fordert:

  • Leiten Sie bitte umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Tötungen ein, die die Mitgliedschaft der getöteten Personen bei der Ríos Vivos-Bewegung beziehungsweise ihre Verwandtschaft zu (ehemaligen) Mitgliedern berücksichtigt, und sorgen Sie dafür, dass alle Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden.
  • Bitte gewährleisten Sie die umfassende und unmittelbare Umsetzung der kollektiven Präventions- und Schutzmaßnahmen für Mitglieder der Ríos Vivos-Bewegung.
  • Ergreifen Sie bitte umgehend Schritte, um die strukturellen Ursachen hinter den Drohungen, Tötungen und Angriffen gegen Menschenrechtsverteidiger_innen im Rahmen des Hidroituango-Staudammprojekts zu bekämpfen.

Sachlage

Am 22. September erschossen unbekannte Männer den Neffen von Rubén Areiza, einem Mitglied der Ríos Vivos-Bewegung in Antioquia (Movimiento Ríos Vivos Antioquia, MRVA), als dieser von einer Sportveranstaltung in der Gemeinde Briceño im Departamento Antioquia zurückkehrte. Ein weiterer Mann wurde bei diesem Angriff verletzt. Am gleichen Tag wurde der Sohn eines ehemaligen Mitgliedes der Ríos Vivos-Bewegung in der Gemeinde Valdivia, ebenfalls im Departamento Antioquia, mit einem scharfen Gegenstand getötet.

Diesen Morden gingen mehrere weitere voraus. Am 8. Mai töteten unbekannte Angreifer den Umweltschützer Luis Alberto Torres Montoya und dessen Bruder Duvián Andrés Correa Sánchez. Luis Torres war Mitglied der Vereinigung von Arbeiter_innen im nichtindustriellen Bergbau und Fischfang in Puerto Valdivia und gehörte außerdem der Ríos Vivos-Bewegung an. Nur wenige Tage zuvor hatten Unbekannte in Puerto Valdivia den Umweltschützer Hugo Albeiro George Pérez und seinen Neffen Domar Egidio Zapata George ermordet. Auch dieser gehörte zur Ríos Vivos-Bewegung. Die Vorfälle ereigneten sich am selben Tag, an dem die Ríos Vivos-Bewegung eine Demonstration gegen das Hidroituango-Staudammprojekt organisiert hatte. Rund 160 Personen waren zusammengekommen, um ihre Sorgen hinsichtlich des Risikos von Überschwemmungen und Erdrutschen in ihren Gemeinden zu äußern. Der heftige Regen in der Region hatte zu dem Zeitpunkt bereits einen Tunnel des Hidroituango-Staudammprojekts blockiert. Diese Blockierung führte zu einem Anstieg des Wasserpegels, von dem der Ríos Vivos-Bewegung zufolge mindestens 45 Familien betroffen waren.

Schon seit 2008 setzt sich die Bewegung gegen das Hidroituango-Staudammprojekt ein und prangert die Schäden an, die der Damm in der Region verursacht hat; zuerst unter dem Namen Proceso de Comunidades Afectadas por Hidroituango und seit 2011 als Ríos Vivos-Bewegung.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Der Bau des Hidroituango-Staudamms am Cauca-Fluss in Antioquia begann im Jahr 2010. Das Projekt sieht unter anderem die „vorübergehende Umleitung des Cauca-Flusses“ vor. Laut der Ríos Vivos-Bewegung wurden im Zuge des Projekts bisher mehr als 500 Familien vertrieben. Einer Sozial- und Umweltverträglichkeitsstudie des Hidroituango-Projekts zufolge werden die Gemeinden Orobajo und Barbacoas in dem Gebiet „vollständig überflutet“ werden.

Der Staudamm wird von EPM Ituango, einem Konsortium des Energieunternehmens Empresas Públicas de Medellín (EPM), und der Regierung des Departamento Antioquia gebaut. Zudem wird das Projekt von der Interamerikanischen Entwicklungsbank mitfinanziert.

Ríos Vivos berichtet im Zusammenhang mit Protesten gegen das Hidroituango-Staudammprojekt von mehr als 150 Angriffen auf seine Mitglieder, bei denen mehrere Mitglieder getötet wurden. Außerdem soll es zwei weitere Versuche gegeben haben, Mitglieder zu töten, und es sind mehr als 60 Morddrohungen eingegangen.

Am 20. April 2018 brachten 25 Abgeordnete des Europäischen Parlaments in einem Schreiben an die kolumbianischen Behörden ihre Sorge angesichts der Lage der Bewohner_innen dieser Gegend vor der unmittelbar bevorstehenden Flutung des Damms zum Ausdruck. Ihre besondere Sorge galt der Tatsache, dass der Damm sich in einem Gebiet mit Massengräbern und Einzelgräbern befindet. Bisher wurden 159 Leichname exhumiert, und die Wahrscheinlichkeit weiterer Leichenfunde in dieser Gegend ist groß.

Im Jahr 2013 wurde den Mitgliedern der Ríos Vivos-Bewegung ein kollektiver Präventions- und Schutzplan gewährt, dessen Implementierung Berichten zufolge von den Behörden bisher allerdings noch nicht eingeleitet wurde. In diesem Zusammenhang forderte eine Abgeordnetengruppe aus Schweden in einem Schreiben die Implementierung des Präventions- und Schutzplans für die MRVA.