Akademiker "verschwunden"

Tage
:
Std
:
Min
Tag des Verschwindenlassens: Aktion in Berlin

Aktion in Berlin gegen das Verschwindenlassen

Seit dem 7. November fehlt von dem bangladeschischen Akademiker Mubashar Hasan jede Spur. Amnesty International befürchtet, dass er dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen ist.

Setz dich jetzt für Mubashar Hasan ein!

Bereits Mein-Amnesty-Account-Inhaber? Dann bitte hier anmelden.
Name
Ich habe die Datenschutzhinweise zur Kenntnis genommen.

Meine Profildaten (Vorname, erster Buchstabe des Nachnamens) dürfen bei Aktionsteilnahme angezeigt werden.

Pflichtfelder

Dein Appell

Sehr geehrte Frau Premierministerin,

mit großer Sorge habe ich erfahren, dass von dem bangladeschischen Akademiker Mubashar Hasan seit dem 7. November jede Spur fehlt. Ich befürchte, dass er dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen ist.

Leiten Sie bitte unverzüglich eine Untersuchung des Schicksals und Verbleibs von Mubashar Hasan ein und geben Sie alle Informationen und Erkenntnisse umgehend an seine Familie weiter.

Zudem bitte ich Sie, umgehend eine unparteiische, unabhängige und zielführende Untersuchung aller Fälle des Verschwindenlassens einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und alle mutmaßlich Strafverdächtigen in fairen Verfahren und ohne Rückgriff auf die Todesstrafe vor Gericht zu stellen.

Schieben Sie der Praxis des Verschwindenlassens bitte einen Riegel vor und ratifizieren Sie das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen.

Bitte sorgen Sie dafür, dass Aktivist_innen, Menschenrechtler_innen, Journalist_innen, Akademiker_innen und Oppositionsmitglieder in der Lage sind, friedlich ihre Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit wahrzunehmen.

Mit freundlichen Grüßen

Du möchtest selbst aktiv werden und die Botschaft lieber per Brief, Fax oder mit deinem eigenen E-Mail-Programm versenden?

Hier kannst du deine Botschaft als PDF-Datei herunterladen oder direkt über dein eigenes E-Mail-Programm verschicken. Wähle einfach deine bevorzugte Versandmethode und die Sprache, in der du den Brief verschicken möchtest, aus.

Bitte abschicken bis: 25.12.2017

Appell an:

Premierministerin Sheikh Hasina

Prime Minister’s Office

Old Sangshad Bhaban

Teigaon, Dhaka 1215

BANGLADESCH

Sende eine Kopie an:

Außenminister
H.E Mr Abul Hassan Mahmood Ali, M.P.
Ministry of Foreign Affairs
Segunbagicha
Dhaka 1000
BANGLADESCH

Fax: (00 880) 2 956 2188

Botschaft der Volksrepublik Bangladesch
S. E. Herrn Imtiaz Ahmed
Kaiserin-Augusta-Allee 111
10553 Berlin
Fax: 030–39 89 75 10

Amnesty fordert:

  • Leiten Sie bitte unverzüglich eine Untersuchung des Schicksals und Verbleibs von Mubashar Hasan ein und geben Sie alle Informationen und Erkenntnisse umgehend an seine Familie weiter.
  • Zudem bitte ich Sie, umgehend eine unparteiische, unabhängige und zielführende Untersuchung aller Fälle des Verschwindenlassens einzuleiten, die Ergebnisse zu veröffentlichen und alle mutmaßlich Strafverdächtigen in fairen Verfahren und ohne Rückgriff auf die Todesstrafe vor Gericht zu stellen.
  • Schieben Sie der Praxis des Verschwindenlassens bitte einen Riegel vor und ratifizieren Sie das Internationale Übereinkommen zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen.
  • Bitte sorgen Sie dafür, dass Aktivist_innen, Menschenrechtler_innen, Journalist_innen, Akademiker_innen und Oppositionsmitglieder in der Lage sind, friedlich ihre Rechte auf Meinungs- und Vereinigungsfreiheit wahrzunehmen.

Sachlage

Mubashar Hasan wird seit dem 7. November vermisst. Man befürchtet, dass er dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen ist. Er ist Dozent an der North South University in Dhaka und ein angesehener Experte zu religiösen Gruppen in Bangladesch, der auf internationaler Ebene mit UN-Agenturen und Universitäten zusammenarbeitet.

Im Bekanntenkreis von Mubashar Hasan wird befürchtet, dass er aufgrund seiner wissenschaftlichen Arbeit dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sein könnte. Mubashar Hasan wurde zuletzt auf einem Treffen des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen (UNDP) in Dhaka gesehen, das im Rahmen eines Projekts unter der Schirmherrschaft des Büros der Premierministerin stattgefunden hatte. Mubashar Hasan verließ das Treffen um ca. 18.30 Uhr. Laut Angaben eines Journalisten, der Mubashar Hasans Mobilfunkdaten einsehen konnte, funktionierte sein Mobiltelefon kurz darauf nicht mehr.

Um 19.00 Uhr begann sich die Familie von Mubashar Hasan Sorgen zu machen, weil er nicht nach Hause gekommen war, obwohl er seinem Vater zuvor gesagt hatte, dass er direkt nach der Veranstaltung nach Hause gehen würde. Um 22.00 Uhr gab seine Familie auf der Polizeiwache des Stadtbezirks (Thana) Khilgaon eine Vermisstenanzeige auf. Die Familienangehörigen wandten sich zudem mit einer Anzeige an das Rapid Action Batallion 3, eine Eliteeinheit der bangladeschischen Polizei.

In den vergangenen drei Jahren sind in Bangladesch Hunderte Menschen – hauptsächlich Oppositionsanhänger_innen – auf rechtswidrige Weise festgenommen und in geheimer Haft gehalten worden. Doch in den vergangenen 14 Tagen gab es vermehrt Berichte über das „Verschwinden“ noch weiterer Aktivist_innen, was ein gezieltes Vorgehen der Behörden befürchten lässt. Opfer des Verschwindenlassens in Bangladesch sind in großer Gefahr, gefoltert und anderweitig misshandelt zu werden.

Hintergrundinformation

Hintergrund

Die Anzahl der Fälle des Verschwindenlassens in Bangladesch ist weiterhin alarmierend hoch. Opfer werden häufig Unterstützer_innen der Oppositionsparteien Bangladesh Nationalist Party und Jamaat-e-Islami. Laut Human Rights Watch sind Hunderte Menschen von den bangladeschischen Behörden rechtswidrig festgenommen und in geheimer Haft gehalten worden. Angaben der Menschenrechtsorganisation Odhikar zufolge nahmen die Sicherheitskräfte im Jahr 2016 mindestens 90 Personen fest, von denen anschließend jede Spur fehlte. Die Behörden weisen jegliche Beteiligung am „Verschwinden“ dieser Personen von sich, und die Familien der Opfer haben bisher keine Informationen über deren Verbleib erhalten.

Oft sind Angehörige der Polizeisondereinheit Rapid Action Battalion oder der Kriminalpolizei für diese Fälle von Verschwindenlassen verantwortlich. Gelegentlich liegt die Verantwortung auch bei anderen, nicht näher bestimmten Sicherheitskräften. Das Rapid Action Batallion ist eine polizeiliche Eliteeinheit, die insbesondere mit dem „Kampf gegen den Terrorismus“ betraut ist. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International haben seit Gründung dieser Einheit im Jahr 2004 eine ganze Reihe von Menschenrechtsverletzungen dokumentiert, wie z. B. Verschwindenlassen, rechtswidrige Inhaftierung, außergerichtliche Hinrichtungen und Folter. Das Rapid Action Batallion weist alle Vorwürfe über Menschenrechtsverletzungen von sich und die Regierung weigert sich größtenteils, entsprechende Vorwürfe zu untersuchen, selbst wenn offiziell Anzeige bei der Polizei erstattet wurde. Daher agiert das Rapid Action Batallion in einem annährend straffreien Raum.

Im Februar 2017 drückte die UN-Arbeitsgruppe zur Frage des Verschwindenlassens von Personen ihre Sorge über die zunehmende Anzahl an Fällen des Verschwindenlassens in Bangladesch aus.

Die amtierende Regierungspartei Awami-Liga kam 2009 an die Macht und versprach damals eine „Nulltoleranzpolitik“ gegenüber Menschenrechtsverletzungen. Allerdings sind seither zahlreiche Menschen dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen, darunter Personen, denen kriminelle Aktivitäten, Verbindungen zu bewaffneten Gruppen oder Mitgliedschaft in politischen Oppositionsparteien vorgeworfen wird.

Artikel 2 des Internationalen Übereinkommens zum Schutz aller Personen vor dem Verschwindenlassen definiert Verschwindenlassen als „die Festnahme, den Entzug der Freiheit, die Entführung oder jede andere Form der Freiheitsberaubung durch Bedienstete des Staates oder durch Personen oder Personengruppen, die mit Ermächtigung, Unterstützung oder Duldung des Staates handeln, gefolgt von der Weigerung, diese Freiheitsberaubung anzuerkennen, oder der Verschleierung des Schicksals oder des Verbleibs der verschwundenen Person, wodurch sie dem Schutz des Gesetzes entzogen wird“.