Strafkolonie statt Studium

Collage mit: Porträt eines Jungen. Im Hintergrund sind Foto-Ausschnitte von einem Gefängnis.

Emil Ostrovko, ein minderjähriger Schüler aus Minsk, hatte schon einen Studienplatz, als er festgenommen wurde. Durch seinen Nebenjob als Kurier wurde er ohne sein Wissen in Drogengeschäfte verwickelt. Ein Gericht hat den damals 17-jährigen Emil trotzdem zu acht Jahren Haft verurteilt – eine unverhältnismäßig harte Strafe.

Lies hier den vollständigen Petitionstext

Sehr geehrter Herr Generalstaatsanwalt,

Emil Ostrovko war erst 17 Jahre alt, als er wegen eines vermeintlichen Drogenvergehens verurteilt wurde. Jetzt verbüßt er eine achtjährige Haftstrafe. Emil Ostrovko lieferte für einen Online-Handel Pakete aus, ohne zu wissen, dass die Pakete illegale Drogen enthielten.
Sein Arbeitgeber hatte ihm erklärt, es handle sich um legale Tabakmischungen. Gegen den Arbeitgeber wurde nicht ermittelt. Nur Emil musste sich vor Gericht verantworten. Ich bin besorgt darüber, dass in Belarus viele Minderjährige wegen geringfügiger Drogendelikte jahrelang unter harschen Bedingungen inhaftiert werden und schwere körperliche Arbeit leisten müssen.

Daher fordere ich Sie auf:

  • Emil Ostrovko umgehend freizulassen und jeglichen Eintrag in seinem Strafregister zu löschen.
  • Stellen Sie sicher, dass in Belarus keine Minderjährigen wegen geringfügiger, gewaltloser Drogendelikte inhaftiert werden.

Hochachtungsvoll,

Hintergrundinformationen

Emil hatte einen Schülerjob bei einem Online-Versand, für den er Pakete austrug.

Was er nicht wusste: In den Paketen befanden sich Drogen – keine legalen Tabakmischungen, wie sein Arbeitgeber behauptet hatte.

Emil hatte zuerst keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand, stattdessen drängte man ihn zu einem Geständnis. Während gegen die wahren Verantwortlichen bis heute nicht einmal ermittelt wird, ist Emil in einem unfairen Prozess wegen „Mitgliedschaft in einem Drogenring” verurteilt worden. Statt wie geplant das Studium aufzunehmen, verbüßt Emil nun eine achtjährige Haftstrafe in einem Straflager. Die schwere körperliche Arbeit, die harten Haftbedingungen und Schikanen dort haben Emil sehr zugesetzt. Inzwischen ist er in eine andere Haftanstalt verlegt worden, in der die Bedingungen etwas besser sind.

In Belarus ergeht es vielen jungen Menschen ähnlich wie Emil. Bereits für kleinste Drogendelikte müssen Jugendliche ab 14 Jahren in Belarus mit harten Strafen rechnen. Laut Schätzungen verbüßen derzeit mehr als 15.000 Menschen wegen geringfügiger Drogendelikte jahrelange Haftstrafen in Gefängnissen und werden viel schlechter behandelt als andere Inhaftierte. Emil Ostrovko hat die Hoffnung trotzdem nicht aufgegeben, nach seiner Freilassung zu studieren.