Strafkolonie statt Studium

Porträt eines Jungen. Im Hintergrund sind Mauern.

Emil Ostrovko, ein minderjähriger Schüler aus Minsk, hatte schon einen Studienplatz, als er festgenommen wurde. Durch seinen Nebenjob als Kurier wurde er ohne sein Wissen in Drogengeschäfte verwickelt. Ein Gericht hat den damals 17-jährigen Emil trotzdem zu acht Jahren Haft verurteilt – eine unverhältnismäßig harte Strafe.

Nach dem Briefmarathon 2019 sind Tausende Briefe bei Emil eingetroffen. Sie geben ihm Hoffnung. Er schreibt:

In den letzten Monaten habe ich Solidaritätsbotschaften aus der ganzen Welt erhalten, die mir enorme Kraft und Inspiration geben. Diese Kampagne hat mir gezeigt, wie wichtig es ist, für meine Rechte zu kämpfen. Es hat mir gezeigt , dass mein Leben wichtig ist und dass ich nicht vergessen werde. Viele meiner Mitgefangenen sind junge Leute und leben unter ähnlichen Umständen wie ich. Sie bitten mich, die Solidaritätskarten mit ihnen zu teilen. Sie behalten sie als Symbole der Hoffnung und Ermutigung. Ich danke euch sehr!

 

Hintergrundinformationen

Emil hatte einen Schülerjob bei einem Online-Versand, für den er Pakete austrug.

Was er nicht wusste: In den Paketen befanden sich Drogen – keine legalen Tabakmischungen, wie sein Arbeitgeber behauptet hatte.

Emil hatte anfangs keinen Zugang zu einem Rechtsbeistand, stattdessen drängte man ihn zu einem Geständnis. Während gegen die wahren Verantwortlichen bis heute nicht einmal ermittelt wird, ist Emil in einem unfairen Prozess wegen "Mitgliedschaft in einem Drogenring" verurteilt worden. Statt wie geplant das Studium aufzunehmen, verbüßt Emil nun eine achtjährige Haftstrafe in einem Straflager. Die schwere körperliche Arbeit, die harten Haftbedingungen und Schikanen dort haben Emil sehr zugesetzt. Inzwischen ist er in eine andere Haftanstalt verlegt worden, in der die Bedingungen etwas besser sind.

In Belarus ergeht es vielen jungen Menschen ähnlich wie Emil. Bereits für kleinste Drogendelikte müssen Jugendliche ab 14 Jahren in Belarus mit harten Strafen rechnen. Laut Schätzungen verbüßen derzeit mehr als 15.000 Menschen wegen geringfügiger Drogendelikte jahrelange Haftstrafen in Gefängnissen und werden viel schlechter behandelt als andere Inhaftierte. Emil Ostrovko hat die Hoffnung trotzdem nicht aufgegeben, nach seiner Freilassung zu studieren.