Amnesty Journal Deutschland 22. November 2018

"Mein Testament stärkt die Menschenrechte"

Ältere Frau lächelnd vor Amnesty-Hintergrund

Amnesty verbunden. Sabine Steel.

Seit den 1980er Jahren engagiert sich Sabine Steel bei ­Amnesty. Die 74-jährige Berlinerin, die lange als Gymnasial­lehrerin für Deutsch und Psychologie in England lebte, ließ die Organisation 1990 in ihr Testament eintragen.

Interview: Nina Heitele

Warum ist es für Sie wichtig, für Menschenrechte einzustehen?

Im Moment entwickelt sich nicht nur in Deutschland alles in eine Richtung – nach rechts. Für die Zukunft wünsche ich mir eine Welt, in der sich die Menschen endlich mehr Respekt und Liebe entgegenbringen. Liebe lässt sich nicht erzwingen, aber Respekt kann man fordern. Jede andersdenkende Person sollte in ihrem Leben das Recht haben, sich frei zu äußern.

Welche Rolle spielen persönliche Erfahrungen für Ihr Engagement?

Wir lebten etwa 100 Meter neben dem KZ Oranienburg-Sachsenhausen. In den 1950er Jahren konnte man sich die Krematorien problemlos ansehen. Auf meine Frage, was ein Krematorium ist (damals war ich sieben), sagte meine Mutter, ich sei zu klein, um das zu wissen. Als meine Eltern im Kino waren, las ich es in einer Enzyklopädie nach. Schon früh hat mich die Heuchelei angewidert, wenn sich Männer von ihren Heldentaten im Krieg erzählten. Wir selber waren Flüchtlinge aus Pommern. Warum so viele nur das eigene Leid beklagt haben, habe ich nie verstanden. Für die Juden und "Kriegsfeinde" (Soldaten und Zivilisten), die im Krieg verfolgt und ermordet wurden, schien es gar kein oder nur wenig Mitleid zu geben.

Sie haben Amnesty International in Ihrem Testament bedacht. Gab es für Ihren Entschluss einen zeitgeschichtlichen Auslöser?

Zum einen hat mich natürlich die deutsche Geschichte geprägt. Darüber hinaus habe ich im Laufe meines Lebens viele Kriege verfolgt, die mir nahegingen, darunter auch der Falklandkrieg in den 1980er Jahren. Amnesty ist eine Organisation, die international erfolgreich agiert – und in meinen Augen muss weltweit etwas passieren. Ich hoffe, dass meine Stimme durch das Vermächtnis langfristig Gewicht hat. Menschenrechte sind immer relevant.

Viele denken, allein könnten sie nichts bewirken. Inwieweit kann man in Ihren Augen schon mit einem kleineren Vermächtnis ein Zeichen setzen?

Ich glaube fest daran, dass ich als Einzelperson etwas tun kann, wenn ich große Organisationen unterstütze. Meine Freunde und Verwandten wissen von meinem Engagement. Zu Geburtstagen und Weihnachten verzichten wir schon seit Längerem auf Geschenke – stattdessen spenden wir alle.

War es leicht für Sie, ein entsprechendes Testament aufzusetzen?

Die Idee dafür hatte ich schon ewig im Kopf – die bürokratische Umsetzung 1990 war dann tatsächlich ganz unkompliziert. Aufmerksam wurde ich auf diese Möglichkeit durch eine Broschüre der Organisation. Wunderbar ist natürlich auch, dass Amnesty International als NGO von der Erbschaftssteuer befreit ist. Aber auch sonst hätte ich mein Testament genau so aufgesetzt.

Auch Sie können der Stimme von Amnesty International mehr Gewicht verleihen, indem sie die Organisation als Alleinerbin, Miterbin oder mit ­einem Vermächtnis in Ihrem Testament oder Ihrem Erbvertrag bedenken. Mehr Informationen unter: www.amnesty.de/testament

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