Aktuell Türkei 10. September 2018

Amnesty protestiert vor türkischer Botschaft für eine freie Presse

Mehrere Personen halten vier meterhohe Buchstaben, die das Wort "Free" bilden, davor hocken zwei Personen mit Boxen voller Petitionen

Amnesty-Protestaktion vor der türkischen Botschaft in Berlin am 10. September 2018

Die freie Presse in der Türkei steht unter enormem Druck. In keinem anderen Land der Welt sitzen so viele Medienschaffende im Gefängnis: Mehr als 150 Menschen sind in der Türkei in Haft, nur weil sie ihre journalistische Arbeit gemacht haben. Mehr als 170 Medienhäuser wurden in den vergangenen zwei Jahren geschlossen. Dagegen setzte Amnesty International am Montag vor der türkischen Botschaft in Berlin ein Zeichen.

Menschen, die Amnesty unterstützen, protestierten gegen die andauernde Unterdrückung der freien Presse in der Türkei mit Schildern und Bannern und mit etwa drei Meter großen Buchstaben, die das Wort "FREE" bildeten. Mehr als 24.000 Menschen hatten im Vorfeld eine Petition unterzeichnet und die Freilassung der inhaftierten Medienschaffenden in der Türkei gefordert.

Einer der Inhaftierten ist der Journalist Ahmet Altan. Er sitzt seit zwei Jahren im Gefängins. Am Montag, dem 10. September, jährt sich die Inhaftierung des früheren Chefredakteurs der inzwischen geschlossenen Zeitung "Taraf" zum zweiten Mal. Die türkischen Behörden werfen dem heute 68-Jährigen vor, er habe während einer TV-Diskussion am Vorabend des Putschversuchs im Juli 2016 "unterschwellige Botschaften" an die Putschisten ausgesandt.

Im Februar 2018 verurteilte ein türkisches Gericht Ahmet Altan in einem politisch motivierten Verfahren wegen "versuchten Umsturzes der verfassungsgemäßen Ordnung" zu lebenslanger Haft – ausgerechnet an dem Tag, an dem der deutsche Journalist Deniz Yücel endlich aus der Haft entlassen wurde.

Amnesty fordert die sofortige Freilassung von Ahmet Altan und allen anderen inhaftierten Medienschaffenden in der Türkei.

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