Aktuell Somalia 13. Februar 2020

"Wir leben in ständiger Angst": Die gefährliche Arbeit von Journalist_innen in Somalia

Ein Mann schaut in die Kamera. Er ist mit Schutzkleidung ausgerüstet und umgeben von Kameras, Journalisten und Sicherheitsbeamten. Im Hintergrund für Somalia üblich hohe Bäume zu sehen und in der Luft ist leichte Verschmutzung zu erkennen.

Der Journalist Abdulaziz Billow wurde im Juli 2019 von einem Regierungsbeamten im Amtssitz des somalischen Premierministers körperlich angegriffen. 

Angriffe, Drohungen, Schikane und Einschüchterungen machen Somalia zu einem der gefährlichsten Orte der Welt für Journalist_innen. Zu diesem Schluss kommt Amnesty International in dem heute veröffentlichten Bericht "Somalia: We live in perpetual fear". Der Bericht dokumentiert die dramatische Verschlechterung der Meinungs- und Pressefreiheit durch Angriffe der terroristischen Gruppierung al-Shabaab und der staatlichen Sicherheitskräfte. Willkürliche Verhaftungen und Zensur haben weiter zugenommen.

"Somalias Journalist_innen befinden sich im permanenten Ausnahmezustand. Von der al-Shabaab werden sie mit dem Tode bedroht und von der Regierung zermürbt. Explosiv-verkabelte Autos, Schussattacken, Schläge und willkürliche Verhaftungen gehören zum Arbeitsalltag somalischer Journaliste_innen", so Franziska Ulm-Düsterhöft, Afrikareferentin bei Amnesty International Deutschland.

Seit dem Amtsantritt Farmajos wurden acht Journalist_innen zur Flucht gezwungen und mindestens acht weitere getötet. Davon starben fünf bei Angriffen der al-Shabaab, zwei durch nicht identifizierte Angreifer_innen und einer durch die Polizei.

Die Journalist_innen Mohamed Sahal Omar und Hodan Nalayeh, der Berichterstatter Awil Dahir Salad, der Kameramann Ali Nur Siyad und Abdullahi Osman Moalim starben zwischen 2017 und 2019 bei Anschlägen der Al-Shabaab. Der Journalist Ismail Sheikh Khalifa überlebte nur knapp die Explosion seines mit Sprengstoff verkabelten Autos. Der siebzehnjährige Kameramann Abdirirzak Qassim Iman wurde am 26. Juli 2018 durch einen Kopfschuss von der Polizei getötet. Ein Polizist wurde zwar für die Tat verurteilt, entzieht sich aber bislang der Justiz.

Somalische Behörden versuchen Medienschaffende zu bestechen und zu zensieren, damit keine regierungskritischen Berichte veröffentlicht werden. Ein ehemaliger Mediendirektor berichtete von Bestechungspraktiken, die zu restriktiven Arbeitsanweisungen für Journalist_innen führen. Zuwiderhandlungen führen häufig zur Entlassung.

Die grassierende Zensur zwingt viele Journalist_innen zur Nutzung sozialer Medien. Diese werden jedoch ebenfalls überwacht. So wurde Amnesty von Drohanrufen und Entlassungen aufgrund von Äußerungen in den sozialen Medien berichtet. Zwischen 2018 und 2019 wurden 13 Facebook-Konten von Journalist_innen dauerhaft deaktiviert.

"Insbesondere im Vorfeld der Wahlen muss die somalische Regierung dafür Sorge tragen, dass Journalist_innen ohne Gefahr für Leib und Leben ihrer Arbeit nachgehen können. Facebook darf sich in diesem Zusammenhang nicht zum Komplizen für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit machen lassen", so Ulm-Düsterhöft.

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