Aktuell 21. März 2019

Neuer Rekord: 5,9 Millionen Briefmarathon-Briefe

Drei Jugendliche halten Briefe in der Hand und vor ihnen liegen Porträtfotos verschiedener Frauen auf einem Tisch

Der Amnesty-Briefmarathon 2018 am Städtischen Gymnasium Erwitte

Mit 5,9 Millionen Briefen haben sich Menschen auf allen Erdteilen für neun entschlossene Frauen eingesetzt, die in Gefahr sind, weil sie die Menschenrechte verteidigen. Damit hat der Amnesty-Briefmarathon 2018 einen neuen Rekord aufgestellt. Allein in Deutschland waren es 265.000 Briefe, fast die Hälfte davon schrieben Schüler_innen.

Jedes Jahr im Dezember beweisen Hunderttausende Menschen, was Briefe bewirken können: Menschen kommen frei, Folter wird beendet, Haftbedingungen verbessert.

Beim gemeinsamen Schreiben zeigt sich die Kraft der Amnesty-Bewegung: An wenigen Tagen konzentrieren sich Menschen überall auf der Welt auf das Schicksal Einzelner. Sie schreiben Briefe und setzen damit Regierungen unter Druck, Unrecht zu beenden. Einen einzelnen Brief können Behörden ungelesen wegwerfen, Tausende Briefe nicht. Briefe signalisieren den Betroffenen und ihren Familien, dass sie in ihrem Kampf für Gerechtigkeit nicht allein sind.

Dass der Briefmarathon wirkt, zeigen viele Beispiele wie das des Bloggers Mahadine: Ihm drohte im Tschad eine lebenslängliche Gefängnisstrafe, weil er die Regierung seines Landes kritisiert hatte. Nachdem Amnesty beim Briefmarathon 2017 auf seinen Fall aufmerksam gemacht hatte, ließen ihn die Behörden im April 2018 frei.

Porträtfoto von Fred Bauma

Die Sicherheitskräfte im ersten Gefängnis haben sich irgendwann gewundert und mich gefragt: Wer bist du? Wieso reden so viele Menschen über dich? Ich glaube auch, dass diese Öffentlichkeit sie von bestimmten Schikanen abgehalten hat.

Fred
Bauma

Oder Fred Bauma: Er kam 2016 frei, nachdem 170.000 Briefe aus dem Briefmarathon bei den Behörden der Demokratischen Republik Kongo eingetroffen waren: "Die Sicherheitskräfte im ersten Gefängnis haben sich irgendwann gewundert und mich gefragt: Wer bist du? Wieso reden so viele Menschen über dich? Ich glaube auch, dass diese Öffentlichkeit sie von bestimmten Schikanen abgehalten hat. Irgendwann habe ich die Briefe von Amnesty-Mitgliedern und anderen NGOs erhalten - eine schöne Erfahrung, die mir Hoffnung machte. Denn ich wusste, ich bin nicht allein."  

2018 galt die Solidaritätsaktion neun Frauen, die in Gefahr sind, weil sie in ihren Heimatländern die Menschenrechte verteidigen. 

Atena Daemi ist eine von ihnen. Die Aktivistin verteilte im Iran Flugblätter, auf denen sie die Abschaffung der Todesstrafe forderte. Ein iranisches Gericht verurteilte sie deshalb zu sieben Jahren Haft. 

"Grausame und ungerechte Handlungen können meine Stimme nicht zum Schweigen bringen", schrieb sie aus dem Gefängnis. Auch ihre Schwester ist mittlerweile inhaftiert. Atena Daemi ist in den Hungerstreik getreten, um gegen die Sippenhaft zu protestieren.

Wir hoffen, dass die vielen Briefe Atena Daemi Hoffnung geben und bei ihrer Regierung Wirkung zeigen. Ebenso wie der Einsatz für Geraldine Chacón, Gulzar Duishenova, Marielle Franco, Nawal Benaissa, Nonhle Mbuthuma, Pavitri Manjhi und die Sengwer.

Für diese neun Menschenrechtsverteidigerinnen wurden 5,9 Millionen Briefe verschickt

Porträtfoto von Marielle Franco in einer Gasse

Marielle Franco, Brasilien

Porträtfoto von Vitalina Koval in einer städtischen Gasse

Vitalina Koval, Ukraine

Eine Gruppe von Sengwer Frauen in ihrer traditionellen Kleidung

Indigene Gruppe der Sengwer, Kenia

Porträtfoto von Pavitri Manjhi

Pavitri Manjhi, Indien

Porträtfoto von Nonhle Mbuthuma auf einem schwarzen Sofa

Nonhle Mbuthuma, Südafrika

Porträtfoto von Geraldine Chacón auf einem belebtem Platz mit Bäumen und Häusern

Geraldine Chacon, Venezuela

Porträtfoto von Gulzar Diushenova auf einem betonierten Weg zwischen Bäumen

Gulzar Diushenova, Kirgisistan

Porträtfoto von Nawal Benaissa zwischen blau-weiß gestrichenen Häusern

Nawal Benaissa, Marokko

Porträtfoto von Atena Daemi vor einem Laubbaum

Atena Daemi, Iran

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