Aktuell Türkei 28. Februar 2017

Deniz Yücel: 367 Tage in der Türkei inhaftiert

Dieser Block ist defekt oder fehlt. Eventuell fehlt Inhalt oder das ursprüngliche Modul muss aktiviert werden.
Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent für die Tageszeitung "Die Welt"

Deniz Yücel, Türkei-Korrespondent für die Tageszeitung "Die Welt"

Präsident Erdogan nennt ihn einen "deutschen Agenten": Fast ein Jahr war Deniz Yücel in der Türkei in Untersuchungshaft. Yücel ist der erste deutsche Journalist, der nach der Verhängung des Ausnahmezustands im Gefängnis landete. Am 16. Februar 2018 wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen.

Sein Fall schlug hohe diplomatische Wellen: Der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel befand sich knapp ein Jahr in türkischer Untersuchungshaft. Dem 44-Jährigen Korrespondenten der Tageszeitung "Die Welt“ werden "Propaganda für eine terroristische Organisation" und "Anstiftung der Öffentlichkeit zu Hass" vorgeworfen. Am 16. Februar 2018 wurde Deniz Yücel aus der Haft entlassen

Deniz Yücel wurde offenbar zunächst im Zusammenhang mit den Enthüllungen des Hackerteams RedHack inhaftiert. Er war einer der Journalisten, denen die Hackergruppe Emails des türkischen Energieministers weitergegeben hatte. Nach seiner Festnahme wurde Deniz Yücel jedoch vom Staatsanwalt zu einer Reihe seiner Artikel befragt, die in keinerlei Zusammenhang mit den gehackten Emails stehen.

Yücel wurde im Silivri-Gefängnis westlich von Istanbul festgehalten. Ein Haftrichter hatte am 27. Februar 2017 die Untersuchungshaft angeordnet. Zuvor befand sich Yücel bereits 13 Tage in Polizeigewahrsam.

"Ich werde gut behandelt. Aber in Einzelhaft zu sitzen, kommt Folter gleich", sagte Deniz Yücel der türkischen Abgeordneten Şafak Pavey, die ihn am 5. März 2017 in der Haft besuchte. "Wenn ich aus dem Fenster blicke, sehe ich nichts außer einer sechs Meter hohen Mauer. Aber ich bin gesundheitlich und psychisch wohlauf – trotz alledem."

Mehr als 290 Tage hatten die Behörden Yücel jedweden Kontakt zu Mitgefangenen unterbunden. Danach  hatte  er tagsüber Zugang zu einem Gefängnishof, mit dem auch zwei weitere Zellen verbunden sind – eine der Zellen ist die des ebenfalls inhaftierten türkischen Journalisten Oguz Usluer, wie Yücels Anwalt Anfang Dezember gegenüber Medien mitteilte. Weiterhin saß Yücel in einer Einzelzelle.

Yücels Anwälte hatten am 6. März 2017 Beschwerde gegen die Untersuchungshaft eingelegt. Doch die türkische Justiz hat den Einspruch zurückgewiesen. In seiner Begründung erklärte das Gericht, dass Deniz Yücel in seinen Artikeln vorsätzlich die Wahrheit verdreht habe, um die Ziele terroristischer Gruppen zu unterstützen. Dieser Richterspruch nährt Zweifel, dass die türkische Justiz die Unschuldsvermutung gegen Yücel wahrt.

Trotz Deniz Yücels Freilassung bleibt die Meinungs- und Pressefreiheit in der Türkei nach wie vor massiv eingeschränkt. Noch immer sitzen über 100 Journalistinnen und Journalisten in Haft. Am Tag von Deniz Yücels Freilassung wurden zudem sechs Angeklagte in der Türkei zu lebenslanger Haft unter verschärften Bedingungen verurteilt – darunter die Journalistin Nazlı Ilıcak und die beiden Journalisten und Brüder Ahmet und Mehmet Altan. Das zeigt, dass kritische Stimmen weiter der Willkür der türkischen Behörden ausgesetzt sind.

Weitere Informationen zur Menschenrechtslage in der Türkei findest du auf www.amnesty.de/tuerkei

Werde aktiv! Beteilige dich hier an unserer Online-Aktion und fordere die Freilassung der Medienschaffenden, die nach wie vor in der Türkei inhaftiert sind!

Mehr dazu