Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Erfolgreicher Einsatz für Folteropfer

Briefe der Solidarität: Yecenia Armenta vor ihrer Freilassung, als eine Amnesty-Delegation sie im Januar 2016 im Gefängnis besuchte: © Amnesty InternationalBriefe der Solidarität: Yecenia Armenta vor ihrer Freilassung, als eine Amnesty-Delegation sie im Januar 2016 im Gefängnis besuchte: © Amnesty InternationalAuf der ganzen Welt haben sich Menschen gemeinsam mit Amnesty für Folteropfer stark gemacht - mit Erfolg, wie diese Beispiele zeigen.

Nigeria: Aus Todeszelle gerettet

Moses Akatugba: © PrivateMoses Akatugba: © Private"Ich glaubte nicht, dass ich überleben werde", sagt Moses Akatugba heute. Der Nigerianer war 16 Jahre alt, als sein Leben eine dramatische Wendung nahm. Soldaten nahmen ihn 2005 in seiner Heimatstadt Ekpan fest. Der Vorwurf: Er habe Handys und ein Headset gestohlen. Moses Akatugba bestritt die Tat. Dann folterten sie ihn. Auf der Polizeistation rissen ihm Beamte mit einer Zange Finger- und Fußnägel raus, schossen ihm in die Hand. Die Qualen waren so groß, dass Moses Akatugba ein "Geständnis" ablegte. Ein Gericht verurteilte ihn deswegen 2013 zum Tod durch den Strang.

Allein in Deutschland sammelte Amnesty mehr als 141.000 Unterschriften für Moses Akatugba. Der weltweite öffentliche Druck zeigte Wirkung: Im Mai 2015 wurde Moses Akatugba begnadigt. "Die Mitglieder von Amnesty International sind in meinen Augen Helden und Heldinnen", sagt er. "Ich verspreche, dass ich mich auch für die Menschenrechte einsetzen und anderen helfen werde."

Mexiko: Gerechtigkeit für Folteropfer

Yecenia Armenta: © BRITOYecenia Armenta: © BRITO "Manchmal braucht die Gerechtigkeit länger", sagt Yecenia Armenta. "Aber irgendwann siegt sie doch." Die junge Mexikanerin wollte im Juli 2012 Verwandte zum Flughafen bringen. Doch Polizisten stoppten ihr Auto und brachten sie auf die Wache. Dort prügelten die Beamten auf sie ein, vergewaltigten sie mehrfach und erdrosselten sie fast. Sie sollte gestehen, ihren Mann ermordert zu haben. "Sie sagten, sie würden auch meine Kinder holen, um sie zu vergewaltigen und in Stücke zu schneiden. Ich habe nicht gelesen, was ich unterschrieb. Ich dachte, hier komme ich nicht mehr raus, nicht lebendig."

Amnesty International kämpfte für ihre Freilassung: Hunderttausende Briefe gingen bei den mexikanischen Behörden ein, in denen Menschen weltweit ihre Freilassung forderten. Mit Erfolg: Am 7. Juni 2015 durfte Yecenia Armenta nach vier Jahren das Gefängnis verlassen, sie wurde in allen Punkten freigesprochen.

Claudia Medina: © Amnesty InternationalClaudia Medina: © Amnesty InternationalDie Mexikanerin Claudia Medina Tamariz ist in ihrer Heimat inzwischen selbst eine politische Aktivistin im Kampf gegen Folter. Im Jahr 2012 wurde sie von Marinesoldaten misshandelt. Es war drei Uhr nachts, als Soldaten in ihr Schlafzimmer stürmten und sie aus dem Bett zerrten. Der Vorwurf: Sie sei Mitglied einer kriminellen Bande. Sie folterten die junge Mexikanerin mit Elektroschocks, schlugen und traten sie, fesselten sie an einen Stuhl und stellten sie stundenlang in die sengende Nachmittagssonne. Vor Gericht zog sie ihr "Geständnis" zurück und sagte über die Folter aus. Amnesty rief im Rahmen des Briefmarathons weltweit dazu auf, sich mit Prostestnoten bei den mexikanischen Behörden für Claudia Medina einzusetzen. "Ich möchte mich bei allen Mitgliedern von Amnesty bedanken", sagt sie. "Besonders bei den 300.000 Menschen, die sich mich mit ihren Briefen unterstützt oder eine Petition für meine Freilassung unterzeichnet haben."

Philippinen: Polizisten vor Gericht

"Der Polizist stellte mir eine Schnapsflasche auf den Kopf und zielte mit seiner Waffe darauf", erinnert sich Alfreda Disbarro. Die junge Filipina war 2013 von Polizisten in einem Internetcafé festgenommen worden. Die Beamten warfen der alleinerziehenden Mutter vor, Drogen verkauft zu haben. Beweise hatten sie keine. Auf dem Polizeirevier wurde sie schwer misshandelt. "Ein Polizist schlug mich so fest, dass ich gegen die Wand fiel." Danach stopfte er ihr einen dreckigen Wischmopp in den Mund. Im August 2015 wurden zwei von Alfreda Disbarro identifizierte Polizisten für schuldig befunden und um einen Dienstgrad degradiert. Das Ermittlungsverfahren gegen Alfreda Disbarro wurde jedoch nicht eingestellt, sie sitzt nach wie vor im Gefängnis. Amnesty International setzt sich weiter für sie ein.

Jerryme Corre: © Amnesty InternationalJerryme Corre: © Amnesty InternationalAuch im Fall von Jerryme Corre musste sich inzwischen ein Sicherheitsbeamter vor Gericht verantworten. Der Busfahrer Corre wurde 2012 von philippinischen Polizisten festgenommen und unter Folter zu einem falschen Geständnis gezwungen. Amnesty organisierte internationalen Widerstand: Mehr als 70.000 Appelle gingen im März 2015 bei den philippinischen Behörden ein, in denen Menschen Gerechtigkeit für Jerryme Corre forderten. Kurz danach begannen die Behörden zu ermitteln. Ein Sprecher der Polizei bestätigt, dass die Briefe und Appelle die Ermittlungen ausgelöst haben.

Ägypten: Anti-Folter-Aktivist in Freiheit

Sein T-Shirt wurde ihm zum Verhängnis: Der Ägypter Mahmoud Hussein war 18 Jahre alt, als ihn Sicherheitskräfte im Januar 2014 in Kairo festnahmen. Der Grund: Auf seinem T-Shirt war die Aufschrift: "Nation ohne Folter" zu lesen. Die bittere Ironie: Mahmoud Hussein, der in seiner Heimat gegen Folter kämpft, wurde deswegen selbst zu ihrem Opfer. Beamte quälten ihn mit Stromkabeln so lange, bis er unterschrieb, Mitglied einer verbotenen Gruppierung zu sein.

Mahmoud Hussein: © PrivatMahmoud Hussein: © PrivatIm November 2015 übergab Amnesty der ägyptischen Staatsanwaltschaft rund 145.000 Unterschriften, die seine Freilassung forderten. Vier Monate später durfte der Student das Gefängnis gegen Kaution verlassen. Die Anklage gegen Ihn besteht jedoch noch immer.

Mahmouds Bruder Tarek Tito dankte den Aktivistinnen und Aktivisten für ihre Solidarität: "Eure Unterstützung stärkt Mahmoud und durch eure Unterstützung können wir weiter von einer Nation ohne Folter träumen."

Usbekistan: Nach 17 Jahren Haft in Freiheit

Er war einer der am längsten inhaftierten Journalisten der Welt: Seit dem 22. Februar ist der Usbeke Muhammad Bekzhanov endlich wieder in Freiheit. 17 Jahre harrte der Journalist in einem usbekischen Gefängnis aus. Amnesty International hatte jahrelang für seine Freilassung gekämpft.

Muhammad Bekzhanov: © PrivatMuhammad Bekzhanov: © Privat Sicherheitskräfte hatten Bekzhanov im Jahr 1999 festgenommen. Der Vorwurf: Er habe staatsfeindliche Straftaten begangen. Im Gefängnis wurde ein "Geständnis" von ihm erpresst - unter anderem mit Knüppelschlägen, Elektroschocks und Sauerstoffentzug. "Ich lag in meinem eigenen Blut, tagelang. Ohne Wasser, ohne Essen", erinnerte sich der heute 62-Jährige. "Ich versuchte, mich an all die schönen Dinge in meinem Leben zu erinnern - an meine Kinder, meine Frau - und bereitete mich mental auf meinen Tod vor."

Amnesty geht davon aus, dass Bekhzanov ins Visier der Behörden geriet, weil er die verbotene regierungskritische Zeitung "Erk" herausgab. In einem unfairen Verfahren wurde er schließlich zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt. Amnesty hatte mit der globalen "Stop Folter"-Kampagne und dem Briefmarathon 2015 auf Bekhzanovs Schicksal aufmerksam gemacht und weltweit Tausende Unterschriften für seine Freilassung gesammelt.

Trotz dieser großen Erfolge gibt es weiter viel zu tun. Amnesty wird das Schicksal von Folteropfern weiterhin dokumentieren und sich mit Aktionen und Appellschreiben für sie einsetzen.