Aktuell El Salvador 25. November 2016

Regierungen müssen sexualisierte Gewalt gegen Flüchtlinge verhindern!

Frauen sitzen in einem Flüchtlingscamp

Jesidinnen, die vor dem "Islamischen Staat" aus dem Irak geflohen sind, im Nea-Kavala-Flüchtlingscamp in Griechenland, Juli 2016

25. November 2016 - Frauen und Mädchen sowie lesbische, schwule, bisexuelle, transgeschlechtliche und intersexuelle (LGBTI) Flüchtlinge sind während ihrer Flucht in erschreckendem Maße mit sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt konfrontiert. Regierungen weltweit müssen sie endlich besser schützen! Dies fordert Amnesty International anlässlich des International Tags zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen am 25. November.

 

"Stellen Sie sich vor, Sie leben in einem Flüchtlingslager und haben zu viel Angst, um auf die Toilette zu gehen, oder Sie werden in Ihrer Aufnahmegemeinschaft wegen Ihres Geschlechts oder Ihrer Identität täglich sexuell belästigt. So sieht die erschreckende Realität für Hunderttausende Frauen, Mädchen und LGBTI-Flüchtlinge weltweit aus - und die beschämende Untätigkeit von Regierungen sorgt dafür, dass dies auch so bleibt“, so Catherine Murphy, amtierende Direktorin für den Themenbereich Geschlecht, Sexualität und Identität bei Amnesty International.

"Wir fordern Regierungen weltweit nachdrücklich auf, ihren rechtlichen Verpflichtungen zur Beseitigung geschlechtsspezifischer Gewalt nachzukommen. Dazu gehört die Umsetzung gezielter Maßnahmen. Es muss beispielsweise sichergestellt werden, dass die Polizei Flüchtlingen ein sicheres, vertrauenswürdigen Umfeld bietet, um Fälle geschlechtsspezifischer Gewalt zu melden.“

"Ebenso wichtig ist es, dass Regierungen in der ganzen Welt mehr tun, um gemeinsam ihrer Verantwortung zum Schutz von Flüchtlingen nachzukommen, indem sie die Anzahl der Plätze in Resettlement-Programmen für die schutzbedürftigsten Flüchtlinge maßgeblich erhöhen. Die Armut und die Unsicherheit, in der zahlreiche Flüchtlinge in Ländern wie dem Libanon und Libyen leben, erhöhen das Risiko sexueller Ausbeutung und geschlechtsspezifischer Gewalt.“

Gefährliche Flucht

Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten sind auf der Flucht in großer Gefahr, Opfer von Gewalt und Menschenhandel zu werden. Frauen, Mädchen und LGBTI-Personen unterliegen besonderen Gefahren wie sexuellen Übergriffen, Vergewaltigung und anderen Formen geschlechtsspezifischer Gewalt – diese Tatsache verdeutlicht die dringende Notwendigkeit sicherer und legaler Fluchtrouten.

2016 berichteten weibliche Flüchtlinge und Migrantinnen aus Staaten südlich der Sahara Amnesty International, dass Vergewaltigungen entlang der Schleuserrouten so allgegenwärtig seien, dass sie auf der Reise Verhütungsmittel zu sich nehmen würden, um nicht schwanger zu werden.

Geschlechtsspezifische Gewalt wird zudem für Frauen und LGBTI-Personen immer mehr zu einem Faktor, der sie zwingt, ihre Herkunftsländer zu verlassen und in anderen Ländern Schutz zu suchen.

Patricia [Name geändert], eine 32-jährige Transfrau, erzählte Amnesty International von den Drangsalierungen und der Verfolgung, die sie in El Salvador erleben musste: "Polizisten sind mir überallhin gefolgt, sie haben Geld von mir erpresst, mich schikaniert und geschlagen. Sie sagten, sie würden mich nicht mögen, weil ich so bin, 'wie ich bin‘. Ich bin auch von Banden bedroht worden. Jeden Monat musste ich ihnen 'Miete‘ zahlen, aber ich konnte nicht alles zahlen. Ich denke, man hat mich aus Diskriminierungsgründen oder Homofeindlichkeit bedroht, weil ich so bin, wie ich bin. Ich habe darüber nachgedacht, mich an die Behörden zu wenden, aber mir wurde klar, dass das die gleichen Leute sind wie die, die mich schikaniert haben.“

Fehlender rechtlicher Schutz

Weltweit sehen sich geflüchtete Frauen und Mädchen ohne gültige Papiere vor der schweren Entscheidung, die an ihnen begangenen Verbrechen entweder nicht zu melden oder aber zu riskieren, wegen fehlender Aufenthaltserlaubnis inhaftiert, abgeschoben und bestraft zu werden.

Maryam [Name geändert], eine Syrerin aus Homs, kam 2013 in den Libanon. Zusammen mit weiblichen Verwandten mietete sie ein Haus an. Sie berichtete Amnesty International, dass Polizisten an dem Haus vorbeigekommen seien, um ihnen mit Gefängnis zu drohen, wenn sie nicht mit den Polizisten "ausgehen“ würden.

Solidarität mit den jesidischen Frauen in Griechenland

In diesem Jahr ruft Amnesty International dazu auf, Solidaritätsbotschaften an eine Gruppe jesidischer Frauen aus dem Nordirak zu senden. Sie mussten im August 2014 fliehen, weil die bewaffnete Gruppe Islamischer Staat (IS) in der ganzen Region eine systematische ethnische Säuberung durchführte.

Die Gruppe strandete in Griechenland und muss dort unter entsetzlichen Bedingungen leben. Über fünf Monate blieben die Frauen im Lager Nea Kavala, wo fürchterliche Bedingungen herrschten: unzureichende Beleuchtung, keine sicheren oder getrennten Duschen und Toiletten, und keine Möglichkeit, sexuelle Übergriffe zu melden. Sie fühlten sich dort unsicher und bildeten einen "Schutzkreis“, um angesichts des fehlenden staatlichen Schutzes im Lager gegenseitig aufeinander aufzupassen. Mittlerweile sind die Frauen in ein anderes Lager gezogen.

"Griechenland und andere Länder, die Flüchtlinge aufgenommen haben, müssen dringend handeln, um die Aufnahmebedingungen für die in diesen Ländern gestrandeten Flüchtlinge zu verbessern. Dazu gehören auch angemessene Maßnahmen, um die Sicherheit geflüchteter Frauen und Mädchen zu gewährleisten“, sagt Catherine Murphy.

Beteiligen Sie sich an der internationalen Aktion von Amnesty und schicken Sie eine Botschaft der Solidarität an die jesidischen Frauen! Lassen Sie sie wissen, dass sie nicht allein sind.

Jetzt mitmachen auf amnesty.org (auf Englisch) - hier klicken

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