Aktuell Irak 08. August 2014

Massenflucht im Irak

Amnesty Krisenexpertin Donatella Rovera twittert aus dem Irak

Amnesty Krisenexpertin Donatella Rovera twittert aus dem Irak

7. August 2014 - Im Nordwesten des Irak fliehen zehntausende Menschen panisch aus Gebieten, die von Kämpfern der bewaffneten Gruppierung Islamischer Staat (IS – ehemals ISIS) eingenommen werden.

„Die Lage der irakischen Bevölkerung im Nordwesten des Landes verschlimmert sich zusehends. Besonders betroffen sind die Minderheitengruppen der Jesiden und Christen. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Städte fliehen aus ihren Häusern, die bereits Vertriebenen aus ihren provisorischen Zufluchtsorten“, so Donatella Rovera, Krisenbeauftragte von Amnesty International, die sich derzeit in der türkisch-irakischen Grenzregion aufhält.

Tausende BewohnerInnen der christlichen Stadt Qaraqosh sind geflohen, nachdem IS über Nacht dort eingefallen war. Amnesty International hat jedoch auch Berichte von Personen erhalten, die in der Stadt festsitzen und nicht fliehen können.

Donatella Rovera erzählte: „Gestern habe ich in der christlichen Stadt Alqosch einen Mann kennengelernt. Er setzt sich seit Wochen dafür ein, den Vertriebenen Unterkünfte zu stellen und Unterstützung anzubieten – Christen, Jesiden und anderen Minderheiten, die in den vergangenen Tagen und Wochen vor IS-Kämpfern geflohen sind.
Heute sind er und seine Familie selbst zu Vertriebenen geworden. Unter Tränen erzählte er mir, dass er letzte Nacht mit seiner Familie fliehen musste. Sie hatten keine Zeit, irgendetwas mitzunehmen – noch nicht einmal ihre Ausweispapiere. Die Stadt ist nun in der Gewalt von IS.“

In Bashiqa, einer mehrheitlich von Jesiden bewohnten Stadt nördlich von Mossul, bewahrheitete sich über Nacht, was die BewohnerInnen seit Langem gefürchtet hatten: ein Angriff durch IS. Die Bevölkerung ist nun auf der Flucht.

Im Zuge des nächtlichen Vormarsches von IS tiefer in die östlich und nördlich von Mossul gelegenen Landesteile flohen tausende Menschen nach Erbil und Dohuk, Städte in der Autonomen Region Kurdistan.

„Viele Angehörige von Minderheitengruppen fliehen sogar aus Gebieten, in denen gar keine unmittelbare Gefahr durch einen IS-Angriff zu bestehen scheint. So traumatisiert sind sie durch ihre Vertreibung, so in Panik und so voller Furcht“, berichtet Donatella Rovera.

Einige der Jesiden aus dem Gebiet um Sindschar sind daher wieder auf der Flucht, nachdem sie am vergangenen Wochenende durch IS-Kämpfer vertrieben worden waren und nahe Dohuk Zuflucht gesucht hatten. Ihr Ziel ist nun die türkische Grenze.

Donatella Rovera, Krisenbeauftragte von Amnesty, ist im Moment in der türkisch-irakischen Grenzregion und berichtet von dort. Folgen Sie @DRovera auf Twitter.

Lesen Sie auch unseren Artikel "Vertriebene irakische Bevölkerung in Sindschar benötigt dringend Hilfe" vom 5.8.2014.

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