Aktuell Chile 11. September 2013

40. Jahrestag des Pinochet-Putsches: Zeit für ein Ende der Straflosigkeit!

General Augusto Pinochet wenige Tage nach dem Putsch in Chile vom 11. September 1973

General Augusto Pinochet wenige Tage nach dem Putsch in Chile vom 11. September 1973

10. September 2013 - 40 Jahre nach dem Militärputsch vom 11. September 1973 warten in Chile Tausende von Überlebenden des Pinochet-Regimes noch immer auf Wahrheit, Gerechtigkeit und Wiedergutmachung. Amnesty International fordert die chilenischen Behörden auf, endlich alle Verantwortlichen für die damaligen Menschenrechtsverletzungen vor Gericht zu bringen. Bisher stehen viele von ihnen unter dem Schutz eines Amnestiegesetzes.

Zehntausende wurden in Chile während des Pinochet-Regimes zwischen 1973 und 1990 Opfer von Folter, Verschwindenlassen und politischer Gefangenschaft.

Rund 40.000 von ihnen überlebten, über 3000 gelten als vermisst oder ermordet. Die Täter jedoch stehen unter dem Schutz eines Amnestiegesetzes, das 1978 erlassen wurde: Es befreit all jene, die zwischen dem 11. September 1973 und dem 10. März 1978 Menschenrechtsverletzungen begangen haben, von ihrer strafrechtlichen Verantwortung.

"Das Amnestiegesetz ist ein Schlag ins Gesicht der Tausenden von Opfern des Pinochet-Regimes und ihrer Angehörigen", sagt Ana Piquer, Generalsekretärin von Amnesty International in Chile. "Die Behörden müssen endlich dafür sorgen, dass die Verantwortlichen in ordentlichen Gerichtsverfahren zur Verantwortung gezogen werden."

Zwar haben Gerichte in jüngerer Zeit das Gesetz nicht mehr angewendet, und dank des unermüdlichen Engagements von überlebenden Folteropfern und Angehörigen "Verschwundener" sowie des mutigen Einsatzes einzelner Staatsanwältinnen und Staatsanwälten und Richter sind inzwischen immerhin 262 Personen verurteilt worden.

Doch das Amnestiegesetz besteht weiterhin, und weiterhin werden auch viele Fälle von Menschenrechtsverletzungen vor militärischen statt zivilen Gerichten verhandelt.

Die chilenische Amnesty-Sektion hat zum 40. Jahrestags der Machtübernahme durch General Augusto Pinochet eine Petition gestartet, die bereits von über 25.000 Personen unterzeichnet worden ist und noch bis Ende September läuft.

Werden Sie aktiv!

Beteiligen Sie sich an der Online-Petition und fordern Sie ein Ende der Straflosigkeit in Chile!

Hier geht es zur Petition - jetzt mitmachen!

Das Pinochet-Regime: Zahlen und Fakten

  • Am 11. September 1973 führte General Augusto Pinochet einen Militärputsch in Chile an.
  • Am gleichen Tag beging der amtierende Präsident Salvador Allende während der Bombardierung des Präsidentenpalastes Selbstmord.
  • Zehntausende Männer und Frauen wurden in der Folge festgenommen und gefoltert. Viele von ihnen werden noch immer vermisst. Tausende Menschen gingen ins Exil.
  • 3.216 wurden offiziell als vermisst oder ermordet anerkannt, weitere 38.254 Menschen wurden als ehemalige politische Gefangene und/oder als Opfer von Folter anerkannt.
  • Amnesty International besuchte Chile im November 1973, um die Menschenrechtsverletzungen vor Ort zu dokumentieren, und veröffentlichte einige Monate später einen Bericht.
  • Eine Volksabstimmung, die im Oktober 1988 durchgeführt wurde, beschloss das Ende der Militärherrschaft. 1989 fanden zum ersten Mal wieder freie Wahlen statt.
  • Augusto Pinochet starb am 10. Dezember 2006 in Santiago de Chile.

Hier finden Sie weitere Informationen über Menschenrechtsverletzungen während des Pinochet-Regimes (auf Englisch).

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