Aktuell Mali 12. Februar 2013

Waffenhandel und Kinder im Krieg

Ein ehemaliger Kindersoldat in einem Zentrum für ehemalige Kindersoldaten, in Kivu (Demokratische Republik Kongo), März 2011

Ein ehemaliger Kindersoldat in einem Zentrum für ehemalige Kindersoldaten, in Kivu (Demokratische Republik Kongo), März 2011

11. Februar 2013 - Wer die Rekrutierung von Kindern stoppen will, muss sich für ein robustes Abkommen zur Kontrolle des internationalen Waffenhandels einsetzen – so Amnesty International zum Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar.

 

Den Einsatz von Kindersoldaten zu stoppen ist nur einer von vielen zwingenden Gründen für einen starken UNO-Vertrag zur Kontrolle des Waffenhandels („Arms Trade Treaty“, ATT). Dies erklärte Amnesty International anlässlich des Internationalen Tages gegen den Einsatz von Kindersoldaten am 12. Februar.

„Jüngste Recherchen von Amnesty vor Ort in Mali haben einmal mehr die Gräuel offengelegt, von denen Kindersoldaten betroffen sind, die in zahlreichen Konflikten in der ganzen Welt eingesetzt werden, manchmal sogar an vorderster Front,“ sagte Brian Wood, der Leiter des Programms „Waffenkontrolle und Menschenrechte“ von Amnesty International.

Mitarbeiter von Amnesty haben in den vergangenen Wochen Augenzeugen des Konflikts und Kinder befragt, die von den islamistischen Gruppierungen, die zurzeit gegen malische und französische Kräfte im Norden des Landes kämpfen, rekrutiert wurden.

In der Stadt Diabali - circa 400 Kilometer nord-östlich der malischen Hauptstadt Bamako - haben zahlreiche Menschen, darunter der stellvertretende Bürgermeister, berichtet, dass sie 10- bis 17-jährige Kinder in den Reihen der bewaffneten islamistischen Gruppierungen gesehen haben. „Diese Kinder trugen Gewehre. Eines der Kinder war noch so klein, dass sein Gewehr auf dem Boden schleifte“, sagte ein Augenzeuge.

Weiter südlich in Ségou traf Amnesty zwei gefangen genommene Kindersoldaten, von denen einer Anzeichen psychischer Erkrankung aufwies. Der andere, ein 16-jähriger Junge, berichtete, dass sie verhaftet und an die malischen Behörden ausgeliefert worden waren, nachdem die französischen und malischen Truppen Diabali Ende Januar zurückerobert hatten. Er erzählte Amnesty von seiner gewaltsamen Rekrutierung und der Ausbildung der bewaffneten islamistischen Gruppen:

„Ich studierte zusammen mit 23 anderen Schülern unter der Anleitung eines Koranlehrers. Vor zwei Monaten verkaufte uns der Enkelsohn meines Lehrers an die Islamisten. Wir traten einer Gruppe von 14 anderen Jugendlichen bei, die Schusswaffen trugen. Am Anfang musste ich in der Küche arbeiten. Wir kochten in einer christlichen Kirche, die von den Islamisten besetzt worden war. Oft schlugen uns die Rebellen während der Koranstunden mit Gürteln, weil sie wollten, dass wir Arabisch genauso gut sprechen können wie sie."

"Sie brachten uns bei zu schießen und dabei auf das Herz oder die Füße zu zielen. Vor den Kämpfen mussten wir Reis gemischt mit weißem Pulver und einer Soße mit rotem Pulver essen. Wir bekamen auch Spritzen. Ich bekam drei. Nach diesen Injektionen und dem mit Pulver vermischten Reis funktionierte ich wie eine Maschine. Ich war in der Lage, alles für meine ‚Herren‘ zu tun. Unsere Feinde waren für mich nur noch Hunde, und alles, was ich im Kopf hatte, war, sie zu erschießen.“

Der Junge berichtete Amnesty, dass vier Kindersoldaten während der Kämpfe um die Rückeroberung von Diabali getötet wurden. Amnesty liegen Beweise vor, dass auch Milizen, die von der malischen Regierung unterstützt werden, Kindersoldaten rekrutiert haben. Allerdings gibt es bisher keinen Fall, der belegt, dass diese Milizen Kindersoldaten auch an der Front eingesetzt haben.

Der Einsatz von Kindersoldaten weltweit

Seit Januar 2011 wurden in mindestens 19 Ländern Kindersoldaten eingesetzt - nach Angaben des weltweiten NGO-Bündnisses „Child Soldiers International“, in dem auch Amnesty International Mitglied ist. In den vergangenen Jahren hat Amnesty auch den Einsatz von Kindersoldaten in einigen anderen Ländern dokumentiert, darunter in der Zentralafrikanischen Republik, im Tschad, der Elfenbeinküste, der Demokratischen Republik Kongo, in Sri Lanka, Somalia und Jemen.

Rund 150 Staaten, darunter Mali, haben bereits zugestimmt, den Einsatz von unter 18-Jährigen in bewaffneten Konflikten zu verbieten, indem sie dem Zusatzprotokoll der Konvention über die Rechte des Kindes beigetreten sind.

Kindern wird durch die Teilnahme an Kampfhandlungen die Kindheit geraubt. Sie sind schrecklichen Gefahren sowie körperlichen und seelischen Leiden ausgesetzt, werden selbst zu Täterinnen und Tätern und begehen schwere Menschenrechtsverletzungen. Viele Kindersoldaten werden getötet, zu Krüppeln gemacht oder werden Opfer von Vergewaltigung und anderen Formen sexueller Gewalt.

Wie der Waffenhandelskontrollvertrag helfen kann

„Der ATT muss die Regierungen verpflichten, Waffenexporte und Rüstungslieferungen zu verhindern, wenn abzusehen ist, dass dies Gewalt gegen Kinder zur Folge hätte. Darüberhinaus sollte er Regeln enthalten, um den Zustrom von Waffen in die Hände von Regierungskräften und bewaffneten Gruppierungen einzudämmen, die für Kriegsverbrechen oder schwerwiegende Menschenrechtsverletzungen verantwortlich sind. Aber die Regeln des aktuellen Vertragsentwurfs sind noch nicht strikt genug, um daran etwas zu ändern.“, so Brian Wood von Amnesty International.

Amnesty drängt darauf, dass diese Schlupflöcher bei den UNO-Verhandlungen im März 2013 geschlossen werden. Der ATT muss die Vertragsstaaten verpflichten, keine Rüstungslieferungen durchzuführen, die Gewalt gegen Kinder zur Folge hätten, einschließlich der Rekrutierung und des Einsatzes von Kindersoldaten.

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