Aktuell Côte d'Ivoire 25. Mai 2011

Sechs Monate Gewalt: Kriegsverbrechen in Côte d'Ivoire

Duékoué, ein paar Tage nach dem Massaker

Duékoué, ein paar Tage nach dem Massaker

Während der sechsmonatigen gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern des ehemaligen Präsidenten Laurent Gbagbo und des neu gewählten Präsidenten Alassane Quattara begingen beide Konfliktparteien Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Zu diesem Schluss kommt der heute am 25. Mai erschienene Bericht „They looked at his identity card and shot him dead: Six months of post-electoral violence“. U.a. dokumentiert der Bericht schockierende Aussagen von Zeugen eines Massakers in Duékoué, im Westen des Landes. Während des Massakers wurden nach Kenntnis von Amnesty mindestens 817 Menschen getötet, darunter auch Frauen, Kinder und Geistliche.

„Sie kamen in unser Viertel und jagten die Frauen. Dann befahlen sie den Männern, sich in einer Reihe aufzustellen und fragten sie nach ihren Vor- und Nachnamen und nach ihren Ausweisen... Drei junge Männer, einer war 15, wurden vor meinen Augen erschossen“, berichtet eine Zeugin.

Alle Zeugenaussagen deuten darauf hin, dass Einheiten der FRCI (Forces Républicaines de Côte d’Ivoire) gezielt und systematisch Menschen aus ethnischen Gründen getötet haben. Zuvor wurden die Opfer nach ihren Namen und Ausweisen gefragt. Einige Ausweise fanden sich später neben den Leichen. Die FRCI wurden am 08. März von Alassane Quattara als neue ivorische Armee gegründet.

Vor der Machtübernahme durch die FRCI in Duékoué töteten Anhänger Gbagbos bereits mehrere Menschen, die sie für Anhänger Quattaras bzw. für nicht ivorisch hielten. Die United Nations Operation in Côte d’Ivoire (UNOCI), die nur einen Kilometer entfernt von Duékoué einen Stützpunkt hat, tat nichts, um die Bewohner der Stadt vor den Angriffen zu schützen.

Die Gewalt brach nach den Präsidentschaftswahlen im November 2010 aus. Alassane Quattara wurde von der internationalen Gemeinschaft als Wahlsieger anerkannt. Der bisherige Präsident Gbagbo weigerte sich jedoch, die Amtsgeschäfte zu übergeben. Nachdem Gbagbo am 11.04. verhaftet wurde, wurde Alassane Quattara nun am vergangenen Samstag offiziell ins Amt eingeführt.

Amnesty International fordert die neue Regierung von Côte d’Ivoire auf, Übergriffe auf die Zivilbevölkerung zu beenden und den Rechtsstaat wieder herzustellen. Amnesty begrüßt die Ankündigung Quattaras eine Versöhnungskommission einzurichten. Gleichwohl kann diese nicht die rechtliche Strafverfolgung der für Menschenrechtsverletzungen Verantwortlichen ersetzen. Gleichzeitig appelliert Amnesty an die neue Regierung, auch die Rechte der inhaftierten Angehörigen und Anhänger Gbagbos zu wahren.

Weiterlesen:

[FLAGLINK Amnesty-Bericht „They looked as his identity card and shot him dead: Six months of post-electoral violence“ (englisch)
Artikel auf amnesty.org "Côte d'Ivoire: Both sides responsible for war crimes and crimes against humanity" (englisch)
Amnesty Report 2011: Côte d'Ivoire (deutsch)]

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