Aktuell Ägypten 04. Februar 2011

Ägypten: Menschenrechtler und Journalisten verhaftet

Die ägyptischen Behörden versuchen, Kameras und Mobiltelefone aus dem Verkehr zu ziehen

Die ägyptischen Behörden versuchen, Kameras und Mobiltelefone aus dem Verkehr zu ziehen

3. Februar 2011 - MenschenrechtsaktivistInnen, JournalistInnen und andere Personen sind von ägyptischen Sicherheitskräften festgenommen worden. Es scheint, dass damit gegen eine unabhängige Berichterstattung über die Unruhen in Ägypten vorgegangen wird. Zwei MitarbeiterInnen von Amnesty International und eine MitarbeiterIn von Human Rights Watch sind unter den Festgenommenen. Sie werden zur Zeit an einem unbekannten Ort festgehalten. Amnesty International befürchtet, dass allen Inhaftierten Folter und andere Misshandlungen drohen.

Amnesty International hat verlässliche Informationen, dass etwa 30 Personen auf dem Gelände des Hisham Mubarak Law Centres (HMLC) festgenommen wurden, nachdem die Militärpolizei die Kontrolle über das Gelände übernommen hatte. Unter den Festgenommenen sind auch MitarbeiterInnen des HMLC, Freiwillige der Front zur Verteidigung ägyptischer Protestierender.

"Bei ihren Versuchen die Welle öffentlicher Proteste zu unterdrücken zielen die ägyptischen Behörden auf diejenigen ab, die darüber berichten. Dazu gehören MenschenrechtsaktivistInnen, JournalistInnen und andere," sagte Claudio Cordone, Direktor der Regionalprogramme und ihrer Ermittlungsarbeit bei Amnesty International.
"MitarbeiterInnen von Amnesty International muss es möglich sein, in Ägypten ihrer Arbeit nachzugehen, ohne dabei Schikanen oder gar eine unrechtmäßige Gefangennahme fürchten zu müssen. Wir fordern ihre sofortige und unversehrte Freilassung."

AnwältInnen des HMLC vertreten Demonstrierende, die bei den Protesten verhaftet worden sind. Das ECESR hat darüber hinaus eine improvisierte Krankenstation in einer Moschee nahe des Tahrir-Platzes unterstützt, in der Verletzte der Proteste behandelt werden.

Die Festnahmen fanden im Anschluss an ein großangelegtes Vorgehen gegen JournalistInnen und MenschenrechtsaktivistInnen durch ägyptische Behörden statt, offensichtlich mit dem Ziel, eine unabhängige Berichterstattung über die fortgesetzten Proteste zu behindern. Einige JournalistInnen berichteten, dass sie von UnterstützerInnen der Regierung angegriffen wurden. Andere wurden dem Vernehmen nach von Sicherheitskräften inhaftiert. Wie berichtet wird, wurde Rajesh Bhardwaj, ein Journalist von CNN-IBN festgenommen und einige Stunden später wieder freigelassen. MitarbeiterInnen von Amnesty International erklärten darüber hinaus, dass der Aufenthaltsort von Malak Adly, einem 29-jährigen Menschenrechtsanwalt des Hisham Mubarak Law Centre seit seiner Festnahme durch das ägyptische Militär am 1. Februar unbekannt ist.

"Wir sind sehr besorgt über das Schicksal der Festgenommenen", sagte Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International. "Die ägyptischen Behörden sind verantwortlich für die Sicherheit aller Protestierenden und aller Inhaftierten. Diese und andere Inhaftierungen zeigen, dass es sich um ein breit angelegtes Vorgehen gegen Menschenrechtsaktivisten handelt. Die Behörden sind verpflichtet, eine unabhängige Beobachtung der Ereignisse in Ägypten zuzulassen".

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