Aktuell Vereinigte Staaten von Amerika 21. Dezember 2011

Zahlen und Fakten

10 Jahre Guantánamo: Gefangene im Camp X-Ray

10 Jahre Guantánamo: Gefangene im Camp X-Ray

Am 11. Januar 2002 wurden die ersten Gefangenen nach Guantánamo gebracht. Seitdem sind dort insgesamt etwa 800 Männer und Jugendliche inhaftiert gewesen. Nur einer von ihnen wurde vor ein Bundesgericht in den USA gestellt. Erfahren Sie hier, was man über Guantánamo wissen sollte:

  • Am 11. Januar 2002 wurden die ersten Gefangenen auf den US-Marinestützpunkt Guantánamo Bay auf Kuba überführt.

  • Nach Auskunft der US-Behörden waren insgesamt 779 Gefangene in Guantánamo inhaftiert, die große Mehrzahl ohne Anklage oder Gerichtsverfahren. Im Jahre 2002 wurden 632 Gefangene nach Guantánamo gebracht. Die Zahlen in den folgenden Jahren lauteten: 2003 117, 2004 10, 2005 0, 2006 14, 2007 5, 2008 1.

  • Zurzeit sind 171 Männer aus mehr als 20 Ländern in Guantánamo inhaftiert.

  • Seit 2002 starben acht Gefangene in Guantánamo, Berichten zufolge sechs durch Selbstmord und zwei eines natürlichen Todes. Im Jahre 2011 starben zwei Gefangene, beide afghanischer Herkunft.

  • Nur vier der aktuell in Guantánamo inhaftierten Gefangenen verbüßen eine Haftstrafe. Seit 2002 wurden nur sechs Gefangene von Militärkommissionen verurteilt, vier von ihnen bekannten sich schuldig, zwei von ihnen wurden daraufhin in ihr Heimatland zurückgebracht.

  • Nur ein Gefangener wurde für ein Verfahren vor einem Bundesgericht in die USA gebracht. Er wurde im Januar 2011 zu lebenslänglicher Haft verurteilt.

  • 48 Gefangene können laut der US-Regierung weder freigelassen noch verurteilt werden. Sie sollen auf unbestimmte Zeit inhaftiert bleiben.

  • Kein Gefangener wurde in die USA entlassen.

  • Erst sechseinhalb Jahre, nachdem die ersten Gefangenen nach Guantánamo gebracht wurden, entschied der Oberste Gerichtshof der USA, dass den Gefangenen das Recht zusteht, die Rechtmäßigkeit ihrer Inhaftierung von einem US-Gericht überprüfen zu lassen (Boumediene v. Bush-Urteil, Juni 2008).

  • Zwischen Juni 2008 und November 2011 gab es 47 Urteile von US-Bezirksgerichten über die Rechtmäßigkeit von Inhaftierungen. In 22 Fällen, die 38 Gefangene betreffen (darunter 17 Uiguren), beurteilten Gerichte die Inhaftierungen als nicht rechtmäßig, in 25 Fällen als rechtmäßig im Rahmen des globalen „Krieges gegen den Terrorismus“.

  • Seit 2002 wurden mehr als 600 Gefangene aus Guantánamo in andere Länder gebracht, darunter Afghanistan, Ägypten, Albanien, Algerien, Australien, Bahrain, Bangladesch, Belgien, Bosnien-Herzegowina, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Irak, Iran, Jemen, Jordanien, Kasachstan, Katar, Kuwait, Libyen, Malediven, Marokko, Mauretanien, Pakistan, Russland, Saudi-Arabien, Schweden, Somalia, Spanien, Sudan, Tadschikistan, Tunesien, Türkei, Uganda, USA und Vereinigte Arabische Emirate.

  • Die USA wollen für sechs Gefangene, die vor Militärkommissionen angeklagt wurden, die Todesstrafe fordern. Alle sechs waren Opfer von "Verschwindenlassen“ durch die CIA, bevor sie nach Guantánamo gebracht wurden. Alle sechs waren Opfer von Folter und anderer grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung und wurden bis zu vier Jahre isoliert und in Einzelhaft gehalten. Zwei von ihnen wurden mit „Waterboarding“ misshandelt. Die Einzelheiten der Verhörmethoden und Haftbedingungen, denen sie in CIA-Haft ausgesetzt waren, unterliegen weiterhin der höchsten Geheimhaltungsstufe.

  • Alle bis auf einen der Guantánamo-Häftlinge waren ausländische Staatsangehörige. Bei einem wurde festgestellt, dass er neben der saudi-arabischen auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besaß. Daraufhin wurde er 2002 sofort in die USA gebracht und dort über zwei Jahre in Militärgewahrsam gehalten. Dann wurde er nach Saudi-Arabien überstellt, unter der Voraussetzung, dass er seine US-Staatsbürgerschaft widerrief.

  • 90 Gefangene stammen aus dem Jemen, darunter einer, der von einer Militärkommission zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt wurde. Im Januar 2010 verfügte US-Präsident Obama ein Moratorium für Gefangenentransporte in den Jemen. Seitdem wurde ein Gefangener aus dem Jemen freigelassen.

  • Mindestens zwölf Gefangene waren zum Zeitpunkt ihrer Inhaftierung unter 18 Jahre alt.

  • Ein kanadischer Staatsangehöriger, der 2002 im Alter von 15 Jahren festgenommen wurde, ist noch immer in Guantánamo inhaftiert. Hier hat er bereits mehr als ein Drittel seines Lebens verbracht.

  • Die Gefangenen wurden in mindestens zehn Ländern verhaftet, bevor sie schließlich nach Guantánamo gebracht wurden: Afghanistan, Aserbaidschan, Bosnien-Herzegowina, Dschibuti, Indonesien, Kenia, Pakistan, Sambia, Thailand und Vereinigte Arabische Emirate.

  • 2100 Personen sind zurzeit im Haftzentrum Parwan auf dem US-Luftstützpunkt Bagram in Afghanistan inhaftiert (Stand: September 2011).

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