Aktuell Südafrika 05. März 2009

Im Teufelskreis von Gewalt und HIV

Anti-Aids-Demo in Kapstadt, Südafrika

Anti-Aids-Demo in Kapstadt, Südafrika

55% der HIV-Infizierten in Südafrika sind Frauen. Und sie kämpfen nicht nur gegen ihre Krankheit: Häusliche Gewalt, Armut und eine mangelhafte Umsetzung des Gesetzes zum Schutz vor häuslicher Gewalt („Domestic Violence Act“) durch PolizeibeamtInnen hindern sie daran, ihr Recht auf Gesundheit wahrzunehmen.

"Jeder wusste es, und sie lachten darüber"

Jamala* ist 23 Jahre alt. Mit 15 ist sie in ihrem Dorf von acht Jugendlichen vergewaltigt worden. Sie ging weder zur Polizei noch in eine Klinik. Nicht einmal ihre Großmutter, bei der sie damals aufwuchs, erfuhr etwas von ihrer Vergewaltigung. Später sah sie die Jungen regelmäßig wieder. „Sie lachten über mich. Jeder wusste es, und sie lachten darüber.“ Die Geschichte von Jamala ist nicht ungewöhnlich. Südafrika hat eine der höchsten Vergewaltigungsraten der Welt. Von April 2006 bis September 2007 hat die Polizei 75.000 Vergewaltigungsfälle dokumentiert. Viele Frauen schämen sich, über sexuelle Misshandlungen zu sprechen. Lokale Organisationen glauben daher, dass die tatsächliche Zahl von Vergewaltigungen wesentlich höher ist.

In Südafrika sind rund 10% der Bevölkerung HIV-positiv. Die Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren, ist für Frauen unter 25 Jahrendrei bis vier Mal so hoch wie für Männer gleichen Alters.

Armut, Ungleichheit, Gewalt

Aber die Frauen fürchten sich nicht nur vor Vergewaltigungen. Jede vierte lebt in einer gewalttätigen Beziehung. Unterdrückung, Schläge, sexueller Missbrauch – die Geschichten ähneln sich. Finanzielle Abhängigkeit, die Angst, von der Familie verstoßen zu werden oder die Kinder zu verlieren, hindern viele daran, ihre Männer anzuzeigen. In Südafrika bieten Verfassung und Gesetzgebung eigentlich gute Voraussetzungen, ist doch die Gleichstellung der Geschlechter in der Verfassung verankert. Die Umsetzung gestaltet sich jedoch schwierig.

Zwar sind Polizeibeamte per Gesetz dazu verpflichtet , den Opfern häuslicher Gewalt zu helfen, eine Schutzeinrichtung oder medizinische Versorgung zu finden und sie über ihr Recht aufzuklären, Strafanzeige zu erstatten. . Aber in der Realität weist die Polizei Frauen mit der Begründung ab, es handele sich dabei um ein familiäres Problem.

Keine Schutzeinrichtungen, keine gesundheitliche Versorgung

Medizinische Behandlung und AIDS-Prophylaxe sind in Südafrika grundsätzlich kostenlos. Diese Dienstleistungen gibt es allerdings hauptsächlich in Krankenhäusern und Gesundheitszentren. Daher sind Frauen aus ländlichen Gebieten praktisch von der Gesundheitsversorgung ausgeschlossen. Denn Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen sind wegen der großen Entfernungen und der damit verbundenen Transportkosten für Frauen auf dem Land oft unerreichbar.
Nach UNO-Angaben flossen Investitionen in Höhe von 927 Millionen US-Dollar ins nationale HIV-/AIDS-Programm. Über gemeinsame Präventionskampagnen verstärkten die Behörden die Zusammenarbeit mit nichtstaatlichen Organisationen, förderten den Zugang zu HIV-Tests, verstärkten die Prävention von Mutter-zu-Kind-Übertragungen und dehnten die Behandlung mit antiretroviralen Medikamenten aus. Aber diese Maßnahmen reichen nicht aus.

Amnesty fordert die südafrikanischen Behörden auf,

  • Gesundheitsdienstleistungen für Frauen auf dem Land verfügbar zu machen
  • eine Erstberatung für Frauen, die von Gewalt betroffen sind, zu gewährleisten
  • Polizisten und Polizistinnen im Umgang mit Gewaltopfern zu schulen
  • sicherzustellen, dass gewaltbetroffene Frauen, in Frauenhäusern Schutz finden und Hilfszentren erreichen können.

Was Sie gegen die Gewalt gegen Frauen in Südafrika tun können

Machen Sie mit! Unterstreichen Sie unsere Forderungen: Schreiben auch Sie an den Südafrikanischen Botschafter Sonwabo Eddie Funde. Es geht ganz schnell und einfach: Brief ausdrucken, unterschreiben und ab in den Briefkasten. Vielen Dank.

(* Name geändert. Alle vollständigen Namen sind Amnesty International bekannt.)

Schlagworte

Südafrika Aktuell Frauen

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