Herr SURAB DATCHUEWITSCH ILAJEW
Herr ALWI ILAJEW
Herr ASCHDAN ILAJEW
Der Leichnam von Surab Datchujewitsch Ilajew [englische Transkription: Zurab Datkhuevich Ilaev] wurde am 10. Dezember gefunden und zum Leichenschauhaus in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny gebracht. Er war erwürgt worden und sein Körper wies Spuren auf, die von Folter und anderen Formen der Misshandlung herrühren könnten.
Surab Datchujewitsch Ilajew ist nicht mehr gesehen worden, seit er am 1. Dezember 2008 das Haus verließ, um zur Arbeit zu gehen. Um 10 Uhr an diesem Morgen rief ihn seine Schwester auf seinem Mobiltelefon an. Obwohl er nicht viel sagen konnte, gelang es ihm, ihr mitzuteilen, dass er am selben Ort wie seine Brüder festgehalten wurde.
Am Tag davor hatten über 100 bewaffnete und maskierte Männer das Haus der Familie Ilajew im Stadtteil Perwomaiskii [Pervomaiskii] von Grosny umstellt. Die Brüder Alwi [Alvi] und Aschdan [Azhdan] Ilajew, ihre Schwester Salina [Zalina] Ilajewa und die Ehefrau von Aschdan, Chadischat [Khadizhat] Ilajewa, die zu der Zeit im neunten Monat schwanger war, wurden auf den Stützpunkt der Sicherheitskräfte unweit des Dorfes Dolinski gebracht. Gegen Mitternacht brachte man auch den 17-jährigen Bruder Imam zu dem Stützpunkt. Er und die Frauen wurden am Morgen des 1. Dezember 2008 wieder freigelassen.
In einer Meldung des Lokalfernsehens hieß es am 2. Dezember 2008, zwei bewaffnete Kämpfer seien bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei getötet worden. In der Sendung wurden die Leichen von Alwi und Aschdan Ilajew in Kampfanzügen gezeigt, obwohl sie nach Amnesty International vorliegenden Informationen bei ihrer Festnahme Zivilkleidung getragen hatten. Am nächsten Tag wurde ihre Mutter aufgefordert, die Leichen im Leichenschauhaus zu identifizieren. Lokalen Quellen zufolge sagten ihr die Gerichtsmediziner, dass die Leichen Verletzungen aufwiesen, die von Schlägen verursacht worden waren.
Die Zahl der Fälle von "Verschwindenlassen" in der Tschetschenischen Republik ist zwar in den vergangenen zwei Jahren zurückgegangen, aber nach wie vor werden Menschenrechtsverletzungen dieser Art gemeldet. Amnesty International kritisiert, dass die Behörden den zahlreichen Berichten über staatliche Morde, willkürliche Inhaftierungen, Misshandlungen und Folter nicht nachgehen und keine Untersuchungen einleiten, so dass die Verantwortlichen für diese Verbrechen oft straffrei ausgehen.
Amnesty International wird mit anderen Aktionsformen weiter für eine vollständige, unabhängige und unparteiische Untersuchung des "Verschwindens" von Surab Datchujewitsch Ilajew und seinem Tod, sowie dem Tod seiner Brüder Alwi und Aschdan Ilajew eintreten.
Weitere Aktionen des Eilaktionsnetzwerkes sind nicht erforderlich. Vielen Dank allen, die sich für die drei eingesetzt haben.
| Urgent Action: "Verschwindenlassen" | UA-335/2008 | |
| Urgent Action: Tot aufgefunden | UA-335/2008-1 |