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Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Drohende Hinrichtung

  • USA
UA-270/2012
Index:
AMR 51/078/2012
19. September 2012

Herr ANTHONY HAYNES, Afro-Amerikaner

Häftling im Todestrakt in Pontiac, Illinois: © APGraphicsBankHäftling im Todestrakt in Pontiac, Illinois: © APGraphicsBank

Anthony Haynes soll am 18. Oktober im US-Bundesstaat Texas hingerichtet werden. Er war für schuldig befunden worden, im Alter von 19 Jahren einen Polizisten, der nicht im Dienst war, ermordet zu haben. In dem Verfahren sind immer wieder Vorwürfe über Rassendiskriminierung, unzulängliche rechtliche Vertretung des Angeklagten und Fehlverhalten der Justizbehörden erhoben worden.

Anthony Haynes wurde 1999 für schuldig befunden, am 22. Mail 1998 in Houston den Polizisten Kent Kincaid erschossen zu haben. Um ein Todesurteil zu erwirken, musste die Anklagebehörde die Geschworenen überzeugen, dass Anthony Haynes weiterhin eine Bedrohung für die Gesellschaft darstellen würde, auch wenn er im Gefängnis wäre. Obwohl der Angeklagte keine Vorstrafen hatte, auf die die Staatsanwaltschaft hinweisen konnte, erhielt sie in ihrer Argumentation Unterstützung, weil die Verteidigung keine der vorliegenden strafmildernden Umstände vorbrachte. So erfuhren die Geschworenen nicht, dass Anthony Haynes zwei Tage vor den tödlichen Schüssen zum ersten Mal Methamphetamine (Crystal Meth) konsumiert hatte, wodurch seine Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt war. Auch war den Geschworenen nicht bekannt, dass Anthony Haynes am Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADHS) und weiteren psychischen Erkrankungen leidet. Zudem wurde keine Expertenmeinung eingeholt, die auf sein Alter zum Tatzeitpunkt als strafmildernden Faktor hätte hinweisen können. Zahlreiche Personen haben seit dem Gerichtsverfahren Erklärungen unterzeichnet, in denen sie aussagten, dass die Tat nicht die ihnen bekannte Persönlichkeit von Anthony Haynes widerspiegelt, den sie als gewaltablehnenden und respektvollen Menschen kennengelernt haben. Viele haben zudem angegeben, sie hätten im Prozess aussagen wollen, seien aber nie von der Verteidigung kontaktiert worden. Im Todestrakt zeigt sich Anthony Haynes vorliegenden Informationen zufolge als vorbildlicher Häftling und hat wiederholt zum Ausdruck gebracht, dass er die Tat zutiefst bereut.

Da der vom Gericht benannte Pflichtverteidiger in den Berufungsverfahren auf Bundesstaatenebene verschiedene Faktoren im Prozess nicht angesprochen hat - darunter die Vorwürfe über die mangelhafte Verteidigung des Angeklagten im Gerichtsverfahren - konnten diese Faktoren nicht mehr in den Berufungsverfahren auf Bundesebene zur Sprache gebracht werden.

Anthony Haynes ist schwarz. Kent Kincaid war weiß. Der Jury im Gerichtsverfahren von 1999 gehörte lediglich ein afro-amerikanischer Geschworener an, nachdem die Anklagebehörde während der Jury-Auswahl die Möglichkeit genutzt hatte, ohne Begründung Geschworene abzulehnen ("peremptory strikes") und vier der potentiellen sechs afro-amerikanischen Geschworenen abgelehnt hatte. Im Jahr 2009 hat das Bundesberufungsgericht für den fünften Bezirk (Court of Appeals for the Fifth Circuit) entschieden, dass Anthony Haynes ein neues Verfahren erhalten könnte. Das Oberste US-Gericht hob diese Entscheidung jedoch auf und verwies den Fall zurück an das Bundesberufungsgericht. Diesmal bestätigte das Gericht das Todesurteil, obwohl es erklärte, dass die "Indizienhinweise auf eine vorsätzliche rassistische Diskriminierung in diesem Fall" einen "gewissen Überzeugungswert" haben. Das Gericht befasste sich auch mit der Tatsache, dass der Richter bei der Befragung der potentiellen Geschworenen mit der Reinigung von zwei Waffen beschäftigt war. Das Gericht erklärte zwar, dass ein solches Verhalten "nicht löblich" sei, lehnte aber den Antrag ab, die Entscheidung des Richters aufgrund seines Verhaltens aufzuheben.

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN (erwähnen Sie bitte in Ihren Appellen die Häftlingsnummer von Anthony Haynes: #999330)

  • Ich möchte weder den Mord an Kent Kincaid entschuldigen noch das dadurch verursachte Leid verharmlosen.
  • Dennoch möchte ich darauf hinweisen, dass die Geschworenen bei der Entscheidung über das Strafmaß nicht in vollem Umfang über die möglichen strafmildernden Umstände bei Anthony Haynes informiert waren und der Pflichtverteidiger im Berufungsverfahren bestimmte Fragen nicht aufgeworfen hat, so dass diese im Berufungsverfahren auf Bundesebene nicht mehr behandelt werden konnten.
  • Zudem möchte ich meine Sorge darüber ausdrücken, dass bei der Auswahl der Geschworenen möglicherweise rassistische Entscheidungen getroffen wurden.
  • Ich möchte außerdem darauf hinweisen, dass Anthony Haynes zum Zeitpunkt der Tat erst 19 Jahre alt war und er im Todestrakt als vorbildlicher Häftling gilt.
  • Ich richte mich gegen die Hinrichtung von Anthony Haynes und bitte Sie, das Todesurteil umzuwandeln.

APPELLE AN

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON TEXAS
Clemency Section, Texas Board of Pardons and Paroles
8610 Shoal Creek Blvd.
Austin
Texas 78757-6814
USA
(Anrede: Dear Board members / Sehr geehrte Damen und Herren)
Fax: (00 1) 512 467 0945
E-Mail: bpp-clemency@tdcj.state.tx.us

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES TEXAS
Governor Rick Perry, Office of the Governor
PO Box 12428
Austin
Texas 78711-2428
USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
Fax: (00 1) 512 463 1849

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S.E. Herrn Philip Dunton Murphy
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 18. Oktober 2012 eintreffen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN AUF ENGLISCH

Under the 1986 US Supreme Court decision Batson v Kentucky, prospective jurors can only be removed for "race neutral" reasons. If the defence makes a prima facie case of discrimination by the prosecution during jury selection, the burden shifts to the state to provide race neutral explanations for its dismissal of black jurors. After the prosecutor in Anthony Haynes' 1999 trial peremptorily dismissed four of the six prospective black jurors, the defence raised a Batson claim. The prosecutor gave his reasons for the dismissals, focussing on what he said was the "demeanour" of the prospective jurors. The judge accepted, without comment, the reasons as "race-neutral". However, this judge was not the one who had actually overseen the questioning of the jurors (the one who had overseen that part was the judge who in 2000 was reprimanded by the Texas State Commission on Judicial Conduct after finding that he had "disassembled and reassembled two revolvers" during jury selection). The question arose, then, as to how the judge adjudicating the Batson claim could assess the state's reasons when he had not been there to observe the demeanour, body language and attitudes that the prosecutor claimed were the reason the four African Americans had been dismissed. In 2009, the Fifth Circuit decided that no court, including the Fifth Circuit, could "now engage in a proper adjudication of the defendant's demeanor-based Batson challenge" because it would have to rely "solely on a paper record". It decided that Anthony Haynes should get a new trial or be released. The Supreme Court overturned this decision, saying that if it were allowed to stand, it would have "important implications".

Anthony Haynes is one of more than 100 inmates now on death row in Texas who were tried in Harris County. Of the 484 people put to death in Texas since the USA resumed executions in 1977, 116 were convicted in Harris County. If Harris County were a state, it would lie second only to the rest of Texas in the number of executions. Texas accounts for some 37 per cent of the national judicial death toll, which currently stands at 1,304 since 1977. There have been 27 executions in the USA in 2012, seven of them in Texas. Amnesty International opposes the death penalty in all cases, unconditionally.

Since resuming executions in 1982, Texas has killed at least 70 people in its execution chamber who were aged 17, 18 or 19 at the time of the crimes. Over half of these teenagers were African American, of whom 70 per cent were convicted of crimes involving white victims. Anthony Haynes is one of about 40 prisoners now on death row in Texas for crimes committed when they were 18 or 19. More than half of them, like Anthony Haynes, are black. In its 2005 ruling prohibiting the death penalty against anyone who was under 18 at the time of the crime, the US Supreme Court recognized the immaturity, impulsiveness, and poor judgment associated with youth, as well as the susceptibility of young people to "outside pressures, including peer pressure". The Court also acknowledged that "the qualities that distinguish juveniles from adults do not disappear when an individual turns 18". Indeed, scientific research shows that brain development continues into a person's 20s. In 1993, in the case of a Texas death row prisoner who was 19 at the time of the crime, the Supreme Court said that there was "no dispute that a defendant's youth is a relevant mitigating circumstance" that a capital sentencing jury must be able to consider. The Court emphasised that: "youth is more than a chronological fact. It is a time and condition of life when a person may be most susceptible to influence and to psychological damage. A lack of maturity and an underdeveloped sense of responsibility are found in youth more often than in adults... These qualities often result in impetuous and ill-considered actions and decisions… [T]he signature qualities of youth are transient; as individuals mature, the impetuousness and recklessness that may dominate in younger years can subside." Among those appealing for clemency for Anthony Haynes is his father, a retired Assistant Chief Investigator with the Houston Fire Department: "The execution of my son, Anthony C. Haynes by the State of Texas will have a devastating effect on my whole life… Since Anthony is my only child, one of my main purposes for living will be taken away from me by his execution… I am asking you to spare my son's life, because I know the decisions he made as a teenager are not the decisions he has made as a man. My son is a changed person who has a heart of remorse for taking Sgt. Kincaid's life".

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Explaining that you do not seek to downplay the seriousness of the crime or the suffering caused.
  • Expressing concern that the jury was not given a full picture of the defendant when deciding on the sentence and that the state habeas lawyer failed to raise issues on appeal, causing them to be defaulted.
  • Expressing concern at the appearance of racial discrimination during jury selection.
  • Noting that Anthony Haynes was only 19 at the time of the crime, and his model conduct on death row.
  • Opposing this execution and calling for Anthony Haynes to be granted clemency.

Weitere Dokumente

Urgent Action: Hinrichtung ausgesetztUA-270/2012-1