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Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Journalistin in Lebensgefahr

  • Mexiko
UA-228/2012
Index:
AMR 41/055/2012
01. August 2012

LYDIA CACHO (LYDIA CACHO RIBEIRO), Journalistin und Menschenrechtlerin

Lydia Cacho Ribeiro 2007: © Amnesty InternationalLydia Cacho Ribeiro 2007: © Amnesty International

Die Journalistin und Menschenrechtsverteidigerin Lydia Cacho aus Cancún im Südosten Mexikos ist mit dem Tod bedroht worden.

Am 29. Juli war Lydia Cacho gerade zu Hause und arbeitete, als ihr Handfunkgerät, welches nur für Notfälle gedacht ist, sich einschaltete. Sie nahm an, dass es ein Arbeitskollege sei, der sie sprechen wollte, doch stattdessen hörte sie eine unbekannte männliche Stimme, die sie mit Namen anredete und sagte: "Wir haben dich bereits gewarnt, du Schlampe, leg' dich nicht mit uns an. Ganz offensichtlich hast du ja durch die kleine Rundfahrt, die wir mit dir gemacht haben, nichts gelernt. Mach' dich auf was gefasst, wir machen kleine Stücke aus dir und schicken dich so nach Hause, du dumme Nuss." (Ya te lo dijmos pinche puta no te metas con nosotros se ve que no aprendiste con la vueltecita que te dieron la que te va a tocar va ser en pedacitos así te vamos a mandar a casa en pedacitos pendeja). Lydia Cacho hat diese Drohung bei der Generalstaatsanwältin angezeigt.

Nachdem sie im Jahr 2005 ein Buch veröffentlicht hatte, in dem sie über einen Kinderpornografiering berichtete, der mutmaßlich mit Wissen und unter dem Schutz von PolitikerInnen und Geschäftsleuten in den Bundesstaaten Quintana Roo und Puebla operierte, wurde Lydia Cacho mehrfach bedroht und schikaniert. Aufgrund von Verleumdungsklagen und unrechtmäßigen Verfahren wurde sie im Dezember 2006 vorübergehend inhaftiert, bedroht und drangsaliert. Nach diesem Vorfall veröffentlichten die Medien Mitschnitte von Telefongesprächen, die ehemalige hohe Regierungsangehörige des Bundesstaates Puebla mit der Inhaftierung und Drangsalierung von Lydia Cacho in Verbindung brachten. In den folgenden Jahren erhielt sie weitere Drohungen. Manche davon sollten Vergeltungsmaßnahmen für ihre Arbeit als Journalistin und Menschenrechtsverteidigerin in einem Frauenhaus in Cancún sein.

Im Jahr 2009 forderte die Interamerikanische Menschenrechtskommission die mexikanische Regierung auf, Schutzmaßnahmen (medidas cautelares) für Lydia Cacho zu ergreifen. 2010 veröffentlichte die Journalistin ein weiteres Buch, in dem sie erneut einen Frauen- und Mädchenhandelsring aufdeckte und Namen von mutmaßlich an diesen kriminellen Netzen beteiligten Personen nannte.

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Es bereitet mir große Sorge, dass Lydia Cacho am 29. Juli mit dem Tod bedroht wurde. Ich bitte Sie eindringlich, ihre Sicherheit zu gewährleisten.
  • Bitte stellen Sie umgehend und in Absprache mit Lydia Cacho wirksame Schutzmaßnahmen für sie bereit, so wie es die Interamerikanische Menschenrechtskommission angeordnet hat.
  • Des Weiteren fordere ich Sie auf, umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Drohungen gegen Lydia Cacho einzuleiten und die dafür Verantwortlichen vor Gericht zu stellen.

APPELLE AN

INNENMINISTER
Dr. Alejandro Poiré Romero
Secretaría de Gobernación
Bucareli 99, 1er. Piso
Col. Juárez
Delegación Cuauhtémoc
México D.F., C.P.06600
MEXIKO
(korrekte Anrede: Estimado Señor Ministro /
Dear Minister / Sehr geehrter Herr Innenminister)
Fax: (00 52) 55 5093 3414
E-Mail: secretario@segob.gob.mx

GENERALSTAATSANWÄLTIN
Marisela Morales Ibáñez
Paseo de la reforma 211-213
Col. Cuauhtémoc
México D.F., C.P. 06500
MEXIKO
(korrete Anrede: Estimada Señora Procuradora General /
Dear Attorney General / Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin)
Fax: (00 52) 55 5346 0908 (Sagen Sie: "Fax, por favor")
E-Mail: ofproc@pgr.gob.mx

KOPIEN AN
STIFTUNG LYDIA CACHO
Fundación Lydia Cacho
E-Mail: info@fundacionlydiacacho.org
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN MEXIKANISCHEN STAATEN
S.E. Herrn Francisco N. González Díaz
Klingelhöferstraße 3
10785 Berlin
Fax: 030-26 93 23 700
E-Mail: mail@mexale.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 12. September 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

In Mexiko drohen JournalistInnen aufgrund ihrer Arbeit tätliche Angriffe und Mordversuche. Laut Angaben der staatlichen Menschenrechtskommission sind seit dem Jahr 2000 mindestens 70 JournalistInnen getötet worden, das Schicksal von 13 weiteren verschleppten JournalistInnen ist bis heute ungeklärt. Insbesondere JournalistInnen, die über Verbrechen und Korruption berichten, sind tätlichen Angriffen und Einschüchterungsversuchen ausgesetzt. In der überwiegenden Zahl der Fälle werden die dafür Verantwortlichen nicht vor Gericht gestellt, wodurch ein Klima der Straflosigkeit entsteht.

Für Lydia Cacho wurde bereits am 4. Juli 2011 eine Eilaktion ins Leben gerufen (UA-207/2011, Index: AMR 41/045/2011).

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Express concern that Lydia Cacho was threatened with death on 29 July, and urging the authorities to guarantee her safety.
  • Urge them to provide Lydia Cacho with effective protection measures, in accordance with her wishes, and as ordered by the Inter-American Commission of Human Rights.
  • Call on them to order a swift, full and impartial investigation into the death threats, and bring those responsible to justice.