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Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Student in Lebensgefahr

  • Sudan
UA-224/2012
Index:
AFR 54/034/2012
26. Juli 2012

Herr SIDDIG SALAH SIDDIG AL-BASHIR

Am 19. Juli nahmen Angehörige des sudanesischen Geheimdienstes den Studenten Siddig Salah Siddig al-Bashir in seiner Wohnung in der Hauptstadt Khartum fest. Seitdem hat seine Familie mehrfach Informationen über den Verbleib des jungen Mannes einzuholen versucht. Der Geheimdienst bestreitet allerdings, Siddig Salah Siddig al-Bashir in Haft zu halten. Das Leben des Studenten ist womöglich in Gefahr.

In den Nachtstunden des 19. Juli umstellten mehr 50 zivil gekleidete MitarbeiterInnen des sudanesischen Geheimdienstes (National Security Service - NSS) die Wohnung der Familie von Siddig Salah Siddig al-Bashir. Die NSS-AgentInnen durchsuchten zunächst die Wohnung, nahmen den Studenten anschließend im Beisein seiner Familie fest und verbanden ihm die Augen. Als sich die Mutter von Siddig Salah Siddig al-Bashir über die Art seiner Behandlung beschwerte und die NSS-MitarbeiterInnen daran zu hindern versuchte, ihn abzuführen, verdrehte ihr einer der Männer den Arm und hielt ihr eine Pistole an den Kopf. Auch der Bruder des Studenten versuchte einzugreifen und wurde daraufhin geschlagen und ebenfalls festgenommen. In der Haft wurde er gefoltert und am darauffolgenden Tag wieder frei gelassen. Über den Verbleib von Siddig Salah Siddig al-Bashir herrscht nach wie vor Ungewissheit.

Siddig Salah Siddig al-Bashir ist Doktorand an der Universität von Khartum. In der Vergangenheit hat er sich beim Demokratischen Studentenbund (Student Democratic Front) und bei der Sudanesischen Kommunistischen Partei engagiert. In dem Versuch, jüngst ausgebrochene Unruhen und Demonstrationen niederzuschlagen, haben die Behörden zahlreiche bekannte AktivistInnen ungeachtet ihrer Beteiligung oder Nichtbeteiligung an den Protesten festgenommen. Die Festnahme von Siddig Salah Siddig al-Bashir scheint vor diesem Hintergrund erfolgt zu sein.

Familienangehörige des Studenten sprachen drei Mal in der Dienststelle des NSS vor, um an Informationen über den Verbleib von Siddig Salah Siddig al-Bashir zu gelangen. Bei ihrer dritten Nachfrage am 24. Juli teilte ihnen ein NSS-Diensthabender mit, es befände sich dort kein Mann mit dem Namen Siddig Salah Siddig al-Bashir in Haft. Zu weiteren Auskünften war er nicht bereit. Auch lehnte er es ab, der Familie bei ihren Nachforschungen behilflich zu sein.

Die Tatsache, dass der NSS es abstreitet, Siddig Salah Siddig al-Bashir in Haft zu halten, obwohl der Student wenige Tage zuvor von MitarbeiterInnen des Geheimdienstes festgenommen worden war, könnte den Tatbestand des Verschwindenlassens erfüllen. Der Schutz durch das Gesetz ist dem Gefangenen auf diese Weise entzogen. Solange weder seine Familie noch ein Rechtsbeistand zu Siddig Salah Siddig al-Bashir vorgelassen werden, ist er stark von Folter und anderen Misshandlungen bedroht. Möglicherweise schwebt er sogar in Lebensgefahr.

EMPFOHLENE AKTIONEN

SCHREIBEN SIE BITTE LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Ich fordere Sie auf, die Familie von Siddig Saleh Siddig al-Bashir unverzüglich über seinen Aufenthaltsort und seinen rechtlichen Status in Kenntnis zu setzen. Ich bin in großer Sorge, dass er dem Verschwindenlassen zum Opfer gefallen sein könnte.
  • Bitte stellen Sie sicher, dass Siddig Saleh Siddig al-Bashir weder gefoltert noch in anderer Weise misshandelt wird.
  • Veranlassen Sie bitte, dass er umgehend zu seiner Familie und einem Rechtsbeistand seines Vertrauens Kontakt aufnehmen kann und bei Bedarf umgehend medizinisch versorgt wird.
  • Ich fordere Sie auf, Siddig Saleh Siddig al-Bashir entweder unverzüglich einer erkennbar strafbaren Handlung anzuklagen oder ihn umgehend aus der Haft zu entlassen.

APPELLE AN

INNENMINISTER
Ibrahim Mohamed Hamed
Ministry of Interior
PO Box 873
Khartoum
SUDAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

JUSTIZMINISTER
Mohammed Bushara Dousa
Ministry of Justice
PO Box 302
Al Nil Avenue
Khartoum
SUDAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)

KOPIEN AN
PRÄSIDENT
HE Omar Hassan Ahmed al-Bashir
Office of the President
People's Palace
PO Box 281
Khartoum
SUDAN
(korrekte Anrede: Your Excellency / Exzellenz)
E-Mail: info@sudan.gov.sd

BOTSCHAFT DER REPUBLIK SUDAN
S.E. Herrn Baha'aldin Hanafi Mansour Waheesh
Kurfürstendamm 151
10709 Berlin
Fax: 030-8940 9693
E-Mail: poststelle@botschaft-sudan.de oder sudaniberlin@hotmail.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Arabisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 6. September 2012 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Infolge der Proteste im Nahen Osten und Nordafrika sind seit Januar 2011 auch im Sudan häufig Menschen auf die Straße gegangen, um politischen Wandel und eine Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation zu fordern. Die sudanesischen Behörden haben gegen bekannte AktivistInnen und friedlich Demonstrierende vielfach mit Schikanen, Festnahmen und Misshandlungen reagiert.

Seit Beginn der jüngsten Welle von Demonstrationen am 16. Juni 2012 sind zahlreiche AktivistInnen, BloggerInnen und JournalistInnen ungeachtet ihrer Beteiligung oder Nichtbeteiligung an den Protesten festgenommen und inhaftiert worden. Mit diesem Vorgehen versuchen die Behörden, Kritik an der Politik der Regierung zu unterbinden.

Amnesty International hat bereits zahlreiche Fälle von Folter und anderen Misshandlungen dokumentiert, die Angehörige des Geheimdienstes an Demonstrierenden verüben, insbesondere seit Beginn der jüngsten Protestwelle Mitte Juni. Angehörige des NSS haben Gefangene mit Fausthieben, Schläuchen, Plastikrohren, Stöcken und Metallstäben geschlagen. Zudem erniedrigten sie Inhaftierte durch Schlafentzug oder zwangen sie dazu, bei Temperaturen von über 40°C stundenlang in der Sonne zu stehen oder sitzen.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling on the Sudanese authorities to immediately inform Siddig Salah Siddig al-Bashir's family of his whereabouts and legal status, expressing concern that he may have been subjected to en enforced disappearance.
  • Urging them to ensure that while in detention he is not subjected to torture or other ill-treatment.
  • Call on them to ensure that he is allowed contact with his family and a lawyer of his choice and able to obtain any medical reatment he may require without delay.
  • Calling on them to ensure the release of Siddig Salah Siddig al-Bashir if he is not promptly charged with a recognizably criminal offence.