MOHAMMAD ALI SHIRZADI, 39-jähriger Filmregisseur
JA'FAR PANAHI, 49-jähriger Filmregisseur
Die Filmemacher Mohammad Ali Shirzadi und Ja'far Panahi werden seit Januar beziehungsweise März 2010 im Evin-Gefängnis in Teheran ohne Anklage oder Gerichtsverfahren festgehalten. Amnesty International betrachtet sie als gewaltlose politische Gefangene, die lediglich wegen der friedlichen Ausübung ihres Rechts auf Meinungsfreiheit inhaftiert sind, und fordert ihre sofortige und bedingungslose Freilassung.
Mohammad Ali Shirzadi wurde am 4. Januar 2010 vor seinem Haus in Teheran von fünf unbekannten Männern festgenommen. Sie zwangen ihn, in sein Haus zu gehen, durchsuchten dieses ohne richterlichen Durchsuchungsbefehl und beschlagnahmten unter anderem seinen Computer und seinen persönlichen Laptop. Seine Familie wusste 40 Tage lang nichts über seinen Verbleib, bis er sie anrief und ihnen mitteilte, dass es ihm gut ginge. Er nannte ihnen jedoch nicht seinen Aufenthaltsort. Sie erfuhren erst später, dass er im Evin-Gefängnis festgehalten wird. Seine Familie durfte ihn bisher zwei Mal besuchen, immer unter Aufsicht eines Sicherheitsbeamten. So war es ihm nicht möglich, ihnen die Gründe für seine Festnahme zu nennen. Seine Familie glaubt jedoch, dass seine Festnahme mit einem Interview zwischen dem Menschenrechtler Emadeddin Baghi und Großayatollah Hosseinali Montazeri zusammenhängt, das er vor etwa zwei Jahren filmte. Der Film wurde nach dem Tod des Großayatollah Hosseinali Montazeri im Dezember 2009 gezeigt. Emadeddin Baghi wurde kurz darauf festgenommen und befindet sich seitdem in Haft (siehe UA-05/2010).
Der preisgekrönte Filmemacher Ja'far Panahi wurde am 1. März 2010 in seinem Haus in Teheran zusammen mit mehreren anderen Personen verhaftet, darunter seine Frau und Tochter. Bis auf Ja'far Panahi, der sich weiterhin in Haft befindet, sind alle wieder auf freiem Fuß. Seine Frau durfte ihn zum ersten Mal am 30. März besuchen. Am 14. April gab der Minister für Kultur und islamische Führung als Grund für die Inhaftierung von Ja'far Panahi seine Arbeit an einem regierungskritischen Film über die umstrittenen Präsidentschaftswahlen von 2009 an.
Ja'far Panahi ist ein renommierter Filmregisseur, der so weltweit gefeierte Filme gedreht hat wie "Der weiße Ballon" und "Der Kreis". Er ist außerdem ein Friedensaktivist und Mitglied des Nationalen Friedensrates (National Peace Council) in Iran, der im Jahre 2008 auf Initiative des von der Nobelpreisträgerin Shirin Ebadi und anderen MenschenrechtlerInnen gegründeten Zentrums für Menschenrechte (Centre for Human Rights Defenders - CHRD) entstand. Dem Nationalen Friedensrat gehören 85 Persönlichkeiten verschiedener gesellschaftlicher und ethnischer Gruppen und unterschiedlicher Berufe an. Er verfolgt das Ziel, "eine Grundlage für Frieden zu schaffen und zu stärken, einen Militärangriff zu verhindern, die verhängten Sanktionen abzuschaffen und zusätzliche Sanktionen zu verhindern und den Zustand ‚weder Krieg noch Frieden' zu beenden".
Ja'far Panahi befand sich im Juli 2009 bereits für kurze Zeit in Haft. Er war während einer Trauerfeier für Neda Agha Soltan festgenommen worden, einer jungen Frau, die von einem Angehörigen der Basij-Miliz bei den Demonstrationen nach den Präsidentschaftswahlen von 2009 getötet worden sein soll. Nach seiner Freilassung wurde ein Ausreiseverbot gegen ihn verhängt. So konnte er nicht wie geplant an der Berlinale im vergangenen Jahr teilnehmen. Er ist als Jurymitglied zu den Internationalen Filmfestspielen von Cannes eingeladen, die vom 12. bis 23. Mai 2010 stattfinden werden.
Mohammad Ali Shirzadi ist Mitglied der von Emadeddin Baghi gegründeten und nun verbotenen Vereinigung zur Verteidigung der Rechte von Gefangenen (Association for the Defence of Prisoners' Rights - ADPR).
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