Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

28 Menschen vermisst

  • Venezuela
UA-053/2016
Index:
AMR 53/3602/2016
11. März 2016

28 INFORMELLE GOLDGRÄBER_INNEN

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0210 haben sich bereits eingesetzt.

In Tumeremo im venezolanischen Bundesstaat Bolívar werden seit Anfang März 28 informelle Goldgräber_innen vermisst. Es besteht zudem Sorge um die Familienangehörigen der Goldgräber_innen und um weitere Anwohner_innen.

In Tumeremo im Bundesstaat Bolívar im Südosten Venezuelas wurden 28 informelle Goldgräber_innen von ihren Familien als vermisst gemeldet. Der Verbleib der Goldgräber_innen, die seit dem 4. März verschwunden sind, ist nach wie vor unbekannt. Ihre Familien haben gegenüber der Presse angegeben, dass sie davon ausgehen, dass ihre Angehörigen von einer Bande angegriffen wurden, die die Goldmine in Atenas unter ihre Kontrolle bringen wollte. Vor Kurzem wurde dort eine große Goldader entdeckt.

Einige Personen, die diesen Angriff miterlebt haben, teilten der Presse mit, dass die 28 vermissten Goldgräber_innen von den Angreifern erschossen worden seien. Die leblosen Körper seien daraufhin verstümmelt worden und man habe die Überlebenden gezwungen, sie auf einen Kleintransporter zu laden. Die Überlebenden gaben an, mit Morddrohungen zum Schweigen gezwungen worden zu sein. Sie berichteten außerdem, dass Angehörige des venezolanischen Geheimdienstes (Servicio Bolivariano de Inteligencia Nacional - SEBIN) und der Sonderermittlungseinheit Cuerpo de Investigaciones Científicas, Penales y Criminalísticas (CICPC) unter den Angreifern gewesen seien.

Die Familienangehörigen der Vermissten begannen gemeinsam mit anderen Gemeindemitgliedern am 5. März mit der Blockade einer Straße in Tumeremo, um auf diese Weise ihrer Forderung nach einer Untersuchung des Schicksals ihrer Verwandten Nachdruck zu verleihen. Am 10. März wurden Militärangehörige in Tumeremo stationiert und alle Proteste aufgelöst.

Der Gouverneur des Bundesstaates Bolívar stritt ein Massaker anfänglich ab. Mittlerweile wurde von der Nationalversammlung ein Ausschuss zur Untersuchung des Vorfalls eingerichtet. Die Generalstaatsanwaltschaft hat zwei Staatsanwält_innen mit der Untersuchung des Falls betraut und Schutzmaßnahmen für zwei der Familienangehörigen beantragt. Der Innenminister und der Ombudsmann besuchten Tumeremo und berichteten, dass eine Suchaktion zur Feststellung des Verbleibs der Vermissten unter der Leitung der Streitkräfte im Gange sei. Bisher liegen keine behördlichen Angaben bezüglich der Untersuchungsfortschritte vor.

SCHREIBEN SIE BITTE

E-MAILS, FAXE UND LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte ergreifen Sie dringend alle verfügbaren wirksamen Maßnahmen, um das Schicksal der 28 vermissten informellen Goldgräber_innen aufzuklären.
  • Sorgen Sie unbedingt in Absprache mit den Betroffenen für die Sicherheit der Familienangehörigen der Vermissten sowie der Überlebenden des Angriffs.
  • Führen Sie bitte umgehend eine umfassende und unparteiische Untersuchung der Vorfälle durch und stellen Sie die Verantwortlichen vor Gericht.

APPELLE AN

JUSTIZ- UND INNENMINISTER
Gustavo González López
Ministerio del Poder Popular para Relaciones Interiores, Justicia y Paz
Av. Urdaneta
Edificio Interior y Justicia
Caracas, VENEZUELA
(Anrede: Señor Ministro / Dear Minister / Sehr geehrter Herr Minister)
Fax: (00 58) 212 506 1558
E-Mail: mijcudecon@gmail.com

GENERALSTAATSANWÄLTIN
Dra. Luisa Ortega Díaz
Edificio Sede Principal del Ministerio Público Esquinas de Misericordia a Pele El Ojo
Avenida México
Caracas, VENEZUELA
(Anrede: Dra. Fiscal / Dear Attorney General / Sehr geehrte Frau Generalstaatsanwältin)
Fax: (00 58) 212 578 3239
E-Mail: ministeriopublico@mp.gob.ve

KOPIEN AN
OMBUDSMANN
Tarek William Saab
Defensor del Pueblo
Av. Urdaneta - Frente a El Universal
Centro Financiero Latino, Piso 27
Caracas
VENEZUELA
Fax: (00 58) 212 507 7025
E-Mail: contacto@defensoria.gob.ve

BOTSCHAFT DER BOLIVARISCHEN REPUBLIK VENEZUELA
S. E. Herrn Ramon Orlando Maniglia Ferreira
Schillstraße 10
10785 Berlin
Fax: 030-832 224 020
E-Mail: embavenez.berlin@botschaft-venezuela.de

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Spanisch, Englisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 21. April 2016 keine Appelle mehr zu verschicken.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN

Offiziellen Schätzungen zufolge kann der venezolanische Bundesstaat Bolívar die zweitgrößten Goldvorkommen der Welt vorweisen. Koltan, Bauxit und Aluminium sowie andere Mineralien sind dort ebenfalls reichlich vorhanden. Allerdings sind die meisten Bergbauaktivitäten nicht reguliert.

In den vergangenen zehn Jahren hat die venezolanische Regierung viele verschiedene Vorschläge zur Bekämpfung des illegalen Bergbaus vorgelegt. Im Jahr 2014 richtete die Regierung unter Präsident Nicolás Maduro eine Präsidialkommission für den Schutz, den Ausbau und die Förderung des zulässigen Bergbaus in der Region ein (Comisión Presidencial para la Protección, el Desarrollo y Promoción Integral de la Actividad Mineral Lícita en la Región) ein. Im Januar 2016 verkündete das Ministerium für Öl und Bergbau seine Pläne für eine entsprechende Ausrüstung der Streitkräfte zur Bekämpfung der illegalen Aktivitäten. Illegaler Bergbau, die zunehmende Zahl bewaffneter Banden sowie die mutmaßliche Komplizenschaft der Streitkräfte an unzulässigen Bergbauaktivitäten sowie an Erpressungen in der Region geben jedoch nach wie vor Anlass zur Sorge.

Im Jahr 2012 wurden zehn Angehörige der Streitkräfte wegen der Tötung von sechs Bergarbeiter_innen in La Paragua zu Haftstrafen von bis zu fünf Jahren verurteilt.
Laut Angaben des Bürgermeisters von El Callao, einem von elf Bezirken (Municipios) des Bundesstaates Bolívar, wurden dort im vergangenen Jahr 90 Morde verübt, die meisten davon in Verbindung mit Bergbauaktivitäten.

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Urging the authorities to take all effective measures available in order to establish the whereabouts of the 28 informal gold miners reported missing.
  • Calling on them to ensure the protection of those who survived the reported attack and the relatives of those reported missing, according to their wishes.
  • Urging the Attorney General to carry out a full, prompt and impartial investigation into the events and bring those responsible to justice.