Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Urgent Action

Drohende Hinrichtung

  • USA
UA-031/2015-1
Index:
AMR 51/3192/2016
13. Januar 2016

Herr CARY MICHAEL LAMBRIX, 55 Jahre

Regierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, betrügen sich selbst: © Amnesty InternationalRegierungen, die mit der Todesstrafe Verbrechen bekämpfen wollen, betrügen sich selbst: © Amnesty International

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0198 haben sich bereits eingesetzt.

Das Gnadengesuch von Cary Michael Lambrix ist abgelehnt worden. Er soll am 11. Februar hingerichtet werden. Der heute fast 56-jährige Mann war 1984, im Alter von 23 Jahren, im US-Bundesstaat Florida zum Tode verurteilt worden. Er beteuert weiterhin, dass er bei der ihm vorgeworfenen Tat in Notwehr gehandelt hatte.

Am 6. Februar 1983 wurden Clarence Moore und Aleisha Bryant getötet und in der Nähe des Wohnwagens verscharrt, in dem Cary Michael Lambrix mit Frances Smith lebte. Cary Michael Lambrix wurde des Mordes angeklagt. Sein Prozess im Jahr 1983 war letztlich ungültig, da sich die Geschworenen nicht auf ein Urteil einigen konnten. Bei der Neuverhandlung 1984 stimmten die Geschworenen für eine Verurteilung wegen Mordes in zwei Fällen. Sie sprachen sich mit zehn Stimmen zu zwei für seine Verurteilung zum Tode wegen des einen Mordes, und mit acht zu vier Stimmen für ein Todesurteil wegen des zweiten Mordes aus. Cary Michael Lambrix hat stets seine Unschuld beteuert und gibt an, in Notwehr gehandelt zu haben. Seinen Angaben zufolge soll Clarence Moore Aleisha Bryant getötet und dann Cary Michael Lambrix angegriffen haben, als dieser versuchte, den Mord an Aleisha Bryant zu verhindern.

Die wichtigste Zeugin der Staatsanwaltschaft gegen Cary Michael Lambrix war Frances Smith, die aussagte, dass Cary Michael Lambrix Clarence Moore und Aleisha Bryant getötet habe. Der Richter gestattete der Verteidigung nicht, widersprüchliche Aussagen zu thematisieren, die sie zu Beginn bei der Polizei gemacht hatte. Deborah Hanzel, die zum Tatzeitpunkt bei einem Cousin von Frances Smith wohnte, sagte aus, Cary Michael Lambrix habe zu ihr gesagt, dass er die beiden Opfer getötet hätte. 2003 zog sie diese Aussage jedoch zurück und sagte, dass er "zu keinem Zeitpunkt auch nur irgendwelche Andeutungen gemacht hat, dass er die beiden umgebracht hat". Ihren Angaben zufolge hatte Frances Smith ihr gesagt, dass "sie nicht wirklich wusste, was draußen passiert ist, aber Herr Lambrix ihr gesagt hat, dass der Typ [Clarence Moore] ausgeflippt ist und er ihm eins überziehen musste". Deborah Hanzel sagte, sie habe die Falschaussage gemacht, um die Geschichte von Frances Smith zu bestätigen, und weil "Frances Smith und staatliche Beamte" ihr "Angst" vor Cary Michael Lambrix gemacht hätten. Sie räume ihre Falschaussage nun ein, weil sie "sich nicht vor der Wahrheit verstecken" könne und sich nicht mehr länger schuldig fühlen wolle.

Ende November 2015 wurde der Anwalt von Cary Michael Lambrix darüber informiert, dass man das Gnadengesuch seines Mandanten abgelehnt habe. Details zu dieser Entscheidung teilte man ihm nicht mit. Im Dezember beantragte er beim zuständigen Begnadigungsausschuss einen Hinrichtungsaufschub und die Durchführung einer umfassenden Überprüfung der Möglichkeit einer Begnadigung im Fall seines Mandanten, im Rahmen derer auch ein Gespräch mit Cary Michael Lambrix stattfinden soll. Zudem forderte er eine Anhörung des Gnadengesuchs. Am 12. Januar 2016 kam der Oberste Gerichtshof der USA im Fall Hurst gegen Florida zu dem Schluss, dass die Urteilsfindung bei Kapitalverbrechen in Florida verfassungswidrig ist. Grund dafür ist, dass die Geschworenen nur ein Urteil vorschlagen, der Richter jedoch die endgültige Entscheidung trifft. Inwiefern sich diese Gerichtsentscheidung auf den Fall von Cary Michael Lambrix auswirken wird, ist derzeit noch nicht absehbar.

Amnesty International wendet sich ausnahmslos gegen die Todesstrafe, ungeachtet der Schwere und der Umstände einer Tat, der Schuld, Unschuld oder besonderen Eigenschaften des Verurteilten, oder der vom Staat gewählten Hinrichtungsmethode, da sie das in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte festgeschriebene Recht auf Leben verletzt und die grausamste, unmenschlichste und erniedrigendste aller Strafen darstellt.

SCHREIBEN SIE BITTE

FAXE, E-MAILS ODER LUFTPOSTBRIEFE MIT FOLGENDEN FORDERUNGEN

  • Bitte stoppen Sie die Hinrichtung von Cary Michael Lambrix, überprüfen Sie sein Gnadengesuch erneut und wandeln Sie sein Todesurteil um.
  • Ich möchte meine Sorge hinsichtlich der fehlenden Transparenz bei der Überprüfung von Gnadengesuchen in Florida zum Ausdruck bringen. Zudem finde ich es besorgniserregend, dass keine offiziellen Informationen zu der Begründung für die Ablehnung des Gnadengesuchs von Cary Michael Lambrix oder zu den Untersuchungen, die im Rahmen der Überprüfung des Gnadengesuchs durchgeführt wurden, und den entsprechenden Untersuchungsergebnissen vorliegen.
  • Ich möchte Sie darauf aufmerksam machen, dass Cary Michael Lambrix den Vorwurf des Mordes zurückweist und beteuert, dass er in Notwehr gehandelt hat.
  • Zudem ist darauf hinzuweisen, dass gegen Cary Michael Lambrix hauptsächlich Indizienbeweise vorliegen, Deborah Hanzel ihre belastende Aussage zurückgezogen hat und die Geschworenen sich untereinander nicht einig waren.
  • Ich möchte Sie außerdem in Bezugnahme auf die Entscheidung des Obersten Gerichtshof im Fall Hurst gegen Florida eindringlich darum bitten, alle Hinrichtungen in Florida auszusetzen, bis eine Lösung hinsichtlich der Probleme gefunden wurde, die in der Entscheidung des Gerichtshof aufgezeigt wurden.

APPELLE AN

GOUVERNEUR DES BUNDESSTAATES FLORIDA
Governor Rick Scott
Office of the Governor, The Capitol
400 S. Monroe St., Tallahassee
FL 32399-0001, USA
(Anrede: Dear Governor / Sehr geehrter Herr Gouverneur)
E-Mail: Rick.scott@eog.myflorida.com

BEGNADIGUNGSAUSSCHUSS VON FLORIDA
Florida Parole Commission
4070 Esplanade Way, Tallahassee
FL 32399-2450, USA
(Anrede: Dear Members of the Clemency Board / Sehr geehrte Mitglieder des Begnadigungsausschusses)
E-Mail: ClemencyWeb@fpc.state.fl.us
Fax: (00 1) 850 414 6031 oder (00 1) 850 488 0695

KOPIEN AN
BOTSCHAFT DER VEREINIGTEN STAATEN VON AMERIKA
S. E. Herrn John Bonnell Emerson
Pariser Platz 2
10117 Berlin
Fax: 030-83 05 10 50
E-Mail: über
http://germany.usembassy.de/email/feedback.htm

Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort, so dass sie noch vor dem 11. Februar 2016 ankommen. Schreiben Sie in gutem Englisch oder auf Deutsch.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN (AUF ENGLISCH)

Executive clemency has not been granted in a Florida capital case since 1983, a period which has seen more than 90 executions in the state. In its assessment of Florida's death penalty system published in 2006, the American Bar Association (ABA) concluded that the lack of transparency surrounding the clemency process meant that it was impossible to determine the extent to which "inappropriate political considerations" impacted that process.

Under the state constitution, the Florida governor can grant reprieve from execution of up to 60 days, but can commute a death sentence only with the approval of two members of the Board of Executive Clemency. The Board is comprised of the Governor and members of the Cabinet. The latter consists of three elected officials, the Attorney General (the official ultimately responsible for defending death sentences in the courts), the Commissioner of Agriculture and Consumer Services and the Chief Financial Officer.

The Governor can deny clemency for any reason, regardless of the Board's vote on the matter. Indeed, "the Governor has the unfettered discretion to deny clemency at any time, for any reason". The Florida Commission on Offender Review, consisting of three commissioners appointed by the Governor and the Cabinet, operates as the administrative and investigative arm of the clemency board. The Commission "may conduct a thorough and detailed investigation into all factors relevant to the issue of clemency and provide a final report to the Clemency Board". The investigation "shall include" an interview with the condemned prisoner and, where possible, his or her family, the prosecution and defence lawyers from the trial, and the trial judge.

In his letter to the Commission on Offender Review and the Executive Clemency Board, Michael Lambrix's lawyer submits that his client has received neither a "meaningful clemency interview" nor a "meaningful clemency hearing". He calls on Governor Scott to set aside the death warrant he signed in Michael Lambrix's case so that such a clemency process can be conducted.

On 12 January 2016, in Hurst v. Florida, the US Supreme Court ruled Florida's capital sentencing scheme unconstitutional because it gives juries only an advisory role in sentencing and leaves the final decision to judges. This, it said, was incompatible with the Court's 2002 Ring v. Arizona decision that the US Constitution requires juries, rather than judges, to make the factual findings necessary to sentence a defendant to death. How many of the inmates currently on Florida's death row will be impacted by the Hurst ruling, and how the Florida executive and legislative authorities will respond, remains to be seen. The Hurst ruling did not specifically address whether a jury has to be unanimous in its death sentencing decision. Under Florida's law, as shown in Michael Lambrix's case, a jury's sentencing recommendation (to which the judge is obliged to give "great weight") does not have to be unanimous, and indeed a vote for death can be passed on a bare seven to five majority vote. Between 2000 and 2012, only about one in five Florida death sentences were handed down on unanimous recommendations. Only about a quarter of the prisoners sentenced to death since 2012 were sent there after unanimous jury votes for the death penalty. In most death penalty jurisdictions, the jury must be unanimous - a single juror voting for life will mean life imprisonment. This issue will now be the subject of litigation in Florida, including in the Hurst case itself, remanded by the US Supreme Court to state court "for proceedings not inconsistent" with the Hurst ruling. Timothy Hurst was sentenced to death in 2012 by the trial judge following the jury's seven to five recommendation for the death penalty.

There have been 1,423 executions in the USA since 1976, 92 of them in Florida, which also accounts for the only execution so far conducted in 2016. Amnesty International opposes the death penalty in all cases, unconditionally.

See also: http://www.save-innocents.com/save-michael-lambrix.html

PLEASE WRITE IMMEDIATELY

  • Calling for the execution to be halted, denial of clemency reconsidered, and the death sentence commuted.
  • Expressing concern at the non-transparency of Florida's clemency process, and the absence of any public explanation for the denial of clemency to Cary Michael Lambrix or any information about what investigation was conducted into his case for clemency and what its conclusions were.
  • Noting that Michael Lambrix denies pre-meditated murder and maintains that he acted in self-defence.
  • Noting that the state's case was circumstantial, and pointing to the Hanzel recantation, and the non-unanimous jury recommendation for the death penalty.
  • Noting the recent Hurst v. Florida ruling of the US Supreme Court, and urging that at the very least all executions be put on hold in Florida pending resolution of the issues raised by the ruling.