Jamaika
Es gibt zahlreiche Berichte über Tötungen und andere Übergriffe durch die Polizei. Polizeibeamte werden für ihre Straftaten in der Regel nicht verurteilt. Todesurteile werden weiterhin verhängt. Haftbedingungen grenzen an Folter. Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet. Jamaika ist als weltweit erster Staat von Menschenrechtsabkommen zurückgetreten.
Todesstrafe
Ende 2006 waren sieben Menschen zum Tode verurteilt. Die letzte Hinrichtung fand 1988 statt. Seither haben sich viele hochrangige Politiker für Hinrichtungen eingesetzt. Aufgrund eines Grundsatzurteils des Rechtsausschuss des Kronrats, dem zum damaligen Zeitpunkt höchsten Appellationsgericht, müssen Todesurteile innerhalb von fünf Jahren vollstreckt werden. Es gibt Anzeichen, dass der neu gegründete karibische Gerichtshof, dem Jamaika noch nicht beigetreten ist, dieses Urteil ändert.
Prügelstrafe
Die Prügelstrafe ist weiterhin in den Gesetzen verankert.
Folter und Übergriffe gegen Gefangene
Es gibt regelmäßig Berichte über Misshandlungen in Polizeigewahrsam, die möglicherweise der Folter gleichkommen. Die Bedingungen in Gefängnissen und anderen Hafteinrichtungen sind hart und kommen vielfach grausamer, unmenschlicher und erniedrigender Behandlung gleich.
Ungesetzliche Tötungen durch Sicherheitskräfte und Straflosigkeit
Tötungen durch die Polizei steigen deutlich an. Nach Berichten der Tageszeitung Jamaica Gleaner wurden im vergangen Jahr 207 Menschen durch die Polizei getötet, 2005 wurden 168 gezählt, in den Jahren davor waren es im Durchschnitt 140.
Ermittlungen zur Aufklärung mutmaßlicher extralegaler Hinrichtungen sind unzureichend. Oftmals versäumt es die Polizei, die Tatorte abzusperren, sodass Beweise verloren gehen, nicht gesichert oder zerstört werden.
Polizisten, die an Schusswaffeneinsätzen mit Todesfolge beteiligt sind, werden erst nach langen Verzögerungen verhört. Nur selten kommt es überhaupt zu Anklagen. 2006 kam es zum ersten Mal nach sechs Jahren wieder zu einer Verurteilung eines Polizisten.
Asylsuchende und Migranten
Asylsuchende, vor allem aus Kuba und Haiti, die an jamaikanischen Stränden landen, erhalten keinen Zugang zu Asylverfahren, wozu Jamaika nach der Genfer Flüchtlingskonvention verpflichtet ist. Gestrandete Flüchtlinge werden als illegale Immigranten gemeinsam mit Kriminellen inhaftiert. Berichten zufolge soll Inhaftierten die Nahrung verweigert worden sein, da sie kein Englisch sprachen.
Gewalt gegen Frauen
Frauen werden nicht entschlossen genug vor Gewalt geschützt. Teilweise werden Gewalttaten an Frauen bagatellisiert. Beispielsweise werden erzwungene sexuelle Handlungen durch Familienmitglieder nicht als Verbrechen angesehen.
Nationale Gesetze gehen nicht angemessen mit Vergewaltigung in der Ehe, Inzest oder sexuellen Übergriffen um. Straflosigkeit ist die Regel, Frauen werden ohne rechtlichen Schutz gelassen.
Diskriminierung gibt es auch durch die Polizei und im Justizwesen. Frauen und Mädchen wird nur selten von der Polizei geglaubt, so dass sie nur selten Verbrechen anzeigen. Beweise werden nicht sorgfältig gesucht und gesichert, Zeuginnen nur schlecht geschützt. Vor Gericht wird der Aussage einer Frau weniger Gewicht gegeben als der eines Mannes.
Fünf Prozent aller Verletzungen, die in Krankenhäusern behandelt werden, resultieren aus sexuellen Übergriffen. Die sexuelle Gewalt gegen Frauen und Mädchen steigt im ganzen Land an. Zwischen Januar und Juli wurden 238 Fälle sexuellen Missbrauchs angezeigt, eine Steigerung um 38% gegenüber dem Vorjahr.
Frauenorganisationen aus dem ganzen Land haben einen 15-Punkte-Aktionsplan entwickelt, den amnesty international der jamaikanischen Regierung im Rahmen der Kamagne gegen Gewalt an Frauen überreichte.
Gewalt gegen Schwule und Lesben
Schwule und Lesben sehen sich mit alltäglicher Gewalt und Diskriminierung konfrontiert. Die Gesetze sehen Haftstrafen und Zwangsarbeit für homosexuelle Handlungen vor. Im August 2005 wurden zwei Männer wegen homosexueller Handlungen zu zwei Jahren Haft mit Zwangsarbeit verurteilt. Die Strafe wurde allerdings für zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Unter bislang unbekannten Umständen sind die schwulen Menschrechtler Brian Williamson (Juni 2004) und Steven Harvey (November 2005) ermordet worden.
Austritt aus internationalen Menschenrechtsabkommen
Am 23. Oktober 1997 gab der Karibikstaat die Aufkündigung des ersten Fakultativprotokolls zum Internationalen Pakt über bürgerliche und politische Rechte bekannt.
amnesty international fordert: