etwa 530 Bewohner von drei Flüchtlingslagern in Mitrovica, darunter 138 Kinder unter sechs Jahren
Die Gesundheit von ungefähr 530 Insassen von Lagern für „Vertriebene“ in der Region Mitrovica im nördlichen Kosovo ist aufgrund einer Bleibelastung durch früher dort befindliche Bleischmelzanlagen gefährdet. Die meisten der Bewohner der Flüchtlingslager, unter ihnen 138 Kinder unter sechs Jahren, haben gefährlich hohe Konzentrationen von Blei in ihrem Blut. Einige der Kinder leiden an Symptomen einer Bleivergiftung, einschließlich Krämpfen und Komazuständen, woraus zu schließen ist, dass sie einer sehr hohen Schadstoffbelastung ausgesetzt sind. Laut der UN-Weltgesundheitsorganisation (WHO) kann dies für die im Lager lebenden Kinder die „große Gefahr einer Hirnschädigung (Enzephalopathie) mit möglicher Todesfolge bedeuten“.
Die Angehörigen der Roma-, Aschkali und Ägyptergemeinden leben in den Lagern Cesmin Lug [albanischer Name: Cesminlukë], Zitkovac [Zhitkoc] und Kablare. Die meisten sind in den 1999 eingerichteten Lagern untergekommen, nachdem sie im selben Jahr im Zuge des Kosovo-Konflikts aus ihrer Heimat im Süden von Mitrovica geflohen waren. Die Lager befinden sich auf dem Gebiet einer Bleischmelzanlage, die von der „Trepca Mines Company“ betrieben wurde, bis die Vereinten Nationen im Jahr 2000 deren Schließung durchsetzen konnten.
Im Gebiet um die Lager gibt es jedoch immer noch hohe Konzentrationen von Blei im Boden und in der Luft. Bei Erwachsenen kann eine hohe Bleibelastung zu hohem Blutdruck und verminderter Funktion der Nieren und des zentralen Nervensystems führen. Die Gesundheit von schwangeren Frauen und Kindern ist besonders gefährdet. Bei Kindern kann die Bleibelastung zu Krämpfen, zum Koma und sogar zum Tod führen. Bereits niedrigere Konzentrationen werden mit verminderter Intelligenz, Wachstumsstörungen und Hörschwäche in Verbindung gebracht. Es wird berichtet, dass einige im Lager lebende Kinder in ihren Zähnen Bleieinschlüsse haben, was darauf hinweist, dass sie einer konstanten Bleibelastung ausgesetzt sind. Außerdem liegt das Wachstum und die Entwicklung dieser Kinder weit unter dem Altersdurchschnitt.
Am 24. Juni 2005 sprach der Vertreter des UN-Generalsekretärs für die Menschenrechte von Binnenflüchtlingen, Professor Dr. Walter Kälin, nach einem Besuch in der Region über die Notwendigkeit der sofortigen Evakuierung der dort lebenden Menschen. Er sagte: „Es handelt sich um eine Notsituation. Jetzt nicht zu handeln, würde eine Verletzung des Rechts der betroffenen Kinder auf Schutz ihrer Gesundheit und ihrer körperlichen Unversehrtheit bedeuten“.
In Berichten aus dem Jahr 2004 empfahl die WHO die Verlegung der Lager. In Beantwortung eines Schreibens der Generalsekretärin von amnesty international vom 12. Juli 2005 an Søren Jessen-Petersen, den Sondergesandten des UN-Generalsekretärs (SRSG) und Chef der UN-Mission im Kosovo (UNMIK), informierte dieser die Menschenrechtsorganisation am 20. Juli 2005 über jüngste Fortschritte bezüglich der Verlegung der in den Lagern lebenden Menschen. Søren Jessen-Petersen erklärte in dem Brief, dass die Vereinten Nationen einen Ort für die Verlegung gefunden haben, aber selbst „unter günstigsten Bedingungen“ mit der Verlegung nicht vor Oktober 2005 begonnen werde. Der Grund für diese Verzögerung ist Berichten zufolge teilweise auf finanzielle Engpässe zurückzuführen.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Seit dem Ende des bewaffneten Konflikts im Jahre 1999 wird das Kosovo von der Übergangsmission der Vereinten Nationen (UN Interim Mission in Kosovo - UNMIK) verwaltet, der Søren Jessen-Petersen als Sondergesandter des UN-Generalsekretärs vorsteht und die Exekutivgewalt ausübt. Seit 2002 gibt es zudem eine provisorische Selbstverwaltung (PISG), die unter anderem aus einer gewählten Ratsversammlung von 120 Mitgliedern besteht und für eine wachsende Anzahl von Ministerien verantwortlich ist, darunter auch für das Gesundheitsministerium.
Die Bleibelastung und die hohen Bleiwerte im Blut der örtlichen Bevölkerung waren aus früheren epidemiologischen und ökologischen Studien der Vereinten Nationen vor Errichtung der drei Lager im Jahr 1999 schon bekannt. Im Jahr 2000 berichteten die UNMIK-Behörden selbst über die Umweltbelastung. Die örtliche Bevölkerung ist jedoch nicht vollständig über das Ausmaß der Gefahren, der sie ausgesetzt ist, und die möglichen gesundheitlichen Langzeitfolgen informiert worden.
EMPFOHLENE AKTIONEN: Schreiben Sie bitte Telefaxe, E-Mails oder Luftpostbriefe, in denen Sie
APPELLE AN:
Søren Jessen-Petersen, Special Representative of the UN Secretary General, UNMIK headquarters, Pristina, Kosovo, SERBIEN UND MONTENEGRO
(Sondergesandter des UN-Generalsekretärs im Kosovo - korrekte Anrede: Dear Special Representative)
Telefax: (00 1) 212 963 9877 (Vermerk "For the attention of Søren Jessen-Petersen, Kosovo”)
E-Mail: kangasniemi@un.org (“Please forward to Søren Jessen-Petersen”)
Bajram Kosumi, Prime Minister, Government Building, 2nd Floor, Room C202, Mother Teresa Street, Pristina, Kosovo, SERBIEN UND MONTENEGRO
(Ministerpräsident– korrekte Anrede: Dear Prime Minister)
Telefax: (00 381) 38 211 202
E-Mail: florentina.baraku@ks-gov.net
KOPIEN AN:
Sadik Idrici, Minister of Health, 3 Zagrebi, 38000 Pristina, Kosovo, SERBIEN UND MONTENEGRO
(Gesundheitsminister – korrekte Anrede: Dear Minister of Health)
Telefax: (00 381) 38 212 233 - E-mail: sadik.idrizi@ks-gov.net
Botschaft von Serbien und Montenegro, Taubertstraße 18, 14193 Berlin
(S.E. Herrn Ognjen Pribićević)
Telefax: 030-82 5 22 06
E-Mail: info@botschaft-smg.de
Bitte schreiben Sie Ihre Appelle möglichst sofort. Schreiben Sie in gutem Englisch, Französisch oder auf Deutsch. Da Informationen in Urgent Actions schnell an Aktualität verlieren können, bitten wir Sie, nach dem 15. September 2005 keine Appelle mehr zu verschicken.
RECOMMENDED ACTION: Please send appeals to arrive as quickly as possible, in English or your own language:
- expressing grave concern for the health of the approximately 530 Roma, Ashkali and Egyptiani people currently living in the displaced persons’ camps at Cesmin Lug (Cesminlukë), Zitkovac (Zhitkoc) and Kablare on site of the former Trepca Mines Company lead-smelting plant;
- expressing particular concern for the health of pregnant women and children living in the camps, including 138 children under the age of six;
- stating that Amnesty International considers that, by failing to remove the population from the site, the UN has violated the right to health of those living in the camps, as guaranteed by Article 12 of the International Covenant on Economic, Social and Cultural Rights, to which Serbia and Montenegro is a state party;
- expressing concern at the slow progress in relocating the residents of the camp, and urging the authorities to take action to immediately evacuate the three camps to safe alternative accommodation;
- ensuring that the transfer should be conducted in accordance with the UN Guiding Principles on Internal Displacement, including by ensuring the community’s participation in the decision-making for the relocation and by providing the community with detailed and accurate information of the reasons and procedures for their displacement, and of the health risks to which they are exposed by staying in the camps;
- calling on the authorities to ensure that all necessary medical treatment is provided for those suffering from lead exposure, including those among the local population, and to take measures recommended by the WHO to contain and reverse the lead pollution.