Rund zwei Millionen Menschen leben in den Slums von Kenias Hauptstadt - das ist mehr als die Hälfte aller Einwohner Nairobis. Diese informellen Siedlungen sind von der Politik lange Zeit ignoriert und daher von Stadtentwicklungsplänen ausgeschlossen worden. Die rund zwei Millionen Menschen leben auf 5% des gesamten städtischen Wohnraums. Ohne Straßen, ohne Wasser- und Stromleitungen. Nairobis Stadtverwaltung investierte bisher vor allem in Wohnprojekte des höheren Standards, anstatt bezahlbaren Wohnraum für alle zu schaffen. Daher bleibt Millionen von Menschen keine Alternative zum Leben in den Slums.
Kibera ist der größte Slum Nairobis. Es ist ein unsichtbarer Stadtteil, in dem die Regierung kaum etwas tut; auf den offiziellen Stadtplänen existiert Kibera nicht. Dabei leben hier etwa eine Million Menschen. Die Bewohner haben nur sehr eingeschränkt Zugang zu grundlegender Infrastruktur wie Müllabfuhr, Gesundheitsversorgung und Schulen. Sie sind Gewaltverbrechen oft schutzlos ausgesetzt.
Zusammengedrängt auf 250 Hektar leben die meisten Bewohner Kiberas in wellblechgedeckten Hütten auf durchweichtem Lehmboden, ohne Toilette oder fließendes Wasser. Die Mehrzahl der Bewohner von Kibera muss mit weniger als einem Dollar am Tag auskommen. Im Durchschnitt wohnen sechs Personen auf 10m2. Schmutzwasserrinnsale verlaufen direkt vor den Hütten. Auf den schlammigen, engen Wegen liegen Müll und Plastiktüten mit menschlichen Exkrementen.
Während kreuz und quer durch Kibera dicke Rohre sauberes Wasser in die wohlhabenderen Viertel der Hauptstadt leiten, müssen viele Slumbewohner mehrere Kilometer zurücklegen, um Wasser an privaten Wasserstationen zu kaufen. Viele können sich den Tagesbedarf an Wasser gar nicht leisten - der Wasserpreis an den privaten Wasserstationen ist im Durchschnitt siebenmal höher als der Preis, den die Menschen in reicheren Vierteln bezahlen. Viele Slumbewohner müssen deshalb auf das verschmutzte Wasser aus dem Nairobi River zurückgreifen.
In Kibera und den übrigen vernachlässigten Siedlungen Nairobis leben die Menschen in ständiger Angst: Angst vor Krankheiten durch verschmutztes Wasser. Angst vor Zwangsräumung und Obdachlosigkeit. Angst vor Gewalt. Angst, dass ihnen der Weg aus der Armut für immer versperrt bleibt.
Slumbewohner sind in besonderem Maße von rechtswidrigen Zwangsräumungen bedroht. Diese Zwangsräumungen sind nach internationalen Menschenrechtsabkommen illegal. Dennoch werden sie häufig in großem Umfang durchgeführt - mit katastrophalen Folgen für die betroffenen Menschen: Familien werden getrennt, die Vertriebenen traumatisiert, die Häuser werden zerstört, Besitz, Geschäfte und Lebensgrundlagen.. Die Bewohner der Siedlung Deep Sea haben beispielsweise bereits mehrere Wellen von Zwangsräumungen durch Regierungsbehörden und Privatunternehmen erlitten.
Amnesty International wendet sich an die verantwortlichen Regierungen und Unternehmen, protestiert gegen das Unrecht, fordert konkrete Verbesserungen und gibt Menschen in Armut eine Stimme. Mit Ihrem Einsatz können wir noch mehr erreichen. Setzen Sie sich mit Amnesty für ein Wohnen in Würde ein. Beteiligen Sie sich jetzt an unserem Aktionsnetz STOPPT ZWANGSRÄUMUNGEN. Machen Sie mit bei den aktuellen Eilaktionen und weiteren Aktionsaufrufen - so können Sie sich konkret und schnell für Menschen, die unmittelbar von einer Zwangsräumung bedroht sind, einsetzen.
Betrachtet man Armut als die schwerste Menschenrechtskrise weltweit, dann sind Slums ihr sichtbarster Ausdruck:
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