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Korotoumou mit ihrer Tochter. Sie war mit Zwillingen schwanger, doch das zweite Kind starb bei der Geburt: © Amnesty International/Anna KariKorotoumou mit ihrer Tochter. Sie war mit Zwillingen schwanger, doch das zweite Kind starb bei der Geburt: © Amnesty International/Anna Kari

Burkina Faso: Über Leben

In Burkina Faso sterben jedes Jahr mehr als 2.000 Frauen in der Schwangerschaft und bei der Geburt. Das sind im Schnitt mindestens fünf Frauen pro Tag. Tausende verbluten nach der Entbindung, die meisten sterben zu Hause, einige auf dem Weg zum Krankenhaus, in Taxis, auf Motorrädern oder zu Fuß. Die Müttersterblichkeit ist unter den Frauen am höchsten, die arm sind, einen niedrigen Bildungsstand haben und auf dem Land wohnen. Ihr Leben und das ihrer Kinder könnte in den meisten Fällen gerettet werden.

Ihr Tod könnte in den meisten Fällen verhindert werden

Es gibt viele Gründe, die Frauen in Burkina Faso davon abhalten, Gesundheitsleistungen in Anspruch zu nehmen. In dem westafrikanischen Land leben 15,2 Millionen Menschen, 80% davon in ländlichen Gebieten. Die nächste Gesundheitseinrichtung ist oft viele Kilometer entfernt, die Straßenverhältnisse sind katastrophal. Nicht selten führt der Weg aus dem Dorf zum Krankenhaus über Flüsse und Gräben - ohne Krankenwagen oder Auto für hochschwangere Frauen kaum zu bewältigen.
Doch auch in den Gesundheitseinrichtungen ist medizinische Versorgung nicht automatisch gewährleistet: Oft mangelt es an Medikamenten, Ausstattung und qualifiziertem Personal. Viele Gebäude sind baufällig, haben zerbrochene Fenster und löchrige Dächer. Aus Platzmangel müssen Frauen in einigen Krankenhäusern vor und nach der Geburt in den Gängen schlafen. In Burkina Faso kommt auf 21.000 Einwohner/innen durchschnittlich eine Hebamme. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt eine Hebamme je 5.000 Menschen.

Der Nachteil, eine Frau zu sein

Eine Frau zu sein, bedeutet in Burkina Faso Diskriminierung in allen Lebensbereichen: Frauen haben keinen oder nur erschwerten Zugang zu Bildung, Gesundheitsversorgung und Arbeit. Insbesondere in ländlichen Regionen wird ihnen das Recht auf Mitsprache bei grundlegenden und das eigene Leben betreffenden Themen verwehrt. Sie können nicht frei entscheiden, ob, wann und wie viele Kinder sie zur Welt bringen möchten. Die meisten Frauen haben keinen Zugang zu Informationen über sichere und selbstbestimmte Sexualität.
Verhütungsmittel werden kaum verwendet, Familienplanungseinrichtungen fehlt Geld und die Regierung unternimmt immer noch zu wenig, um Frauen und Mädchen vertrauliche Beratung zu ermöglichen - mit der Folge, dass viele Frauen sehr jung und ungewollt schwanger werden, lebensbedrohliche Komplikationen auftreten oder unsichere Abtreibungen vorgenommen werden. 42% der verheirateten Frauen geben an, sie benötigten Verhütungsmittel, hätten aber keine oder könnten sich keine leisten. Auch suchen manche Frauen keine Familienplanungsstellen auf, weil es ihre Ehemänner verbieten. Einige Frauen haben Amnesty International berichtet, dass die Einrichtungen von Männern geleitet werden, die Frauen von der Verwendung von Verhütungsmittel abhalten wollen.

Was tut die Regierung?

In den letzten zehn Jahren haben die burkinischen Behörden mit Unterstützung internationaler Geldgeber Initiative gezeigt und finanzielle Mittel bereitgestellt, um die Sterblichkeitsrate bei Schwangeren und Müttern zu senken. Dies ist auch gelungen. Seit 2006 verfolgt die Regierung des westafrikanischen Landes eine Politik, nach der der Staat 80% der Kosten für Geburt, Notfallversorgung für Schwangere und Versorgung der Neugeborenen tragen soll. Bei Frauen, die in extremer Armut leben, sollen diese Kosten sogar vollständig übernommen werden.
Doch so gut ausgearbeitet der Kampf gegen die Müttersterblichkeit auf dem Papier auch sein mag, bei der Umsetzung gibt es massive Probleme: Die Qualität der medizinischen Leistungen hat sich seitdem nicht wesentlich verbessert. Schlechte Hygiene und personelle Unterbesetzung hält viele Frauen davon ab, ein Gesundheitszentrum aufzusuchen. Die Tatsache, dass medizinische Fachkräfte oftmals unrechtmäßig Geld von den Frauen und ihren Angehörigen verlangen und ihnen respektlos begegnen, schreckt die Frauen zusätzlich ab.

Forderungen von Amnesty International an die Regierung von Burkina Faso

  • Angemessene Ressourcen für die Gesundheitsversorgung von Schwangeren und Müttern müssen bereitgestellt werden - und zwar insbesondere in den ärmsten Regionen mit den höchsten Sterblichkeitsraten.
  • Wirtschaftliche, infrastrukturelle und kulturelle Hindernisse, die in Armut und auf dem Land lebende Frauen davon abhalten, lebensrettende Gesundheitsversorgung vor, während und nach der Geburt in Anspruch zu nehmen, müssen systematisch abgebaut werden.
  • Frauen muss Zugang zu Informationen über ihr Recht auf sichere und selbstbestimmte Sexualität, Schwangerschaft und Geburt garantiert werden.
  • Es ist sicherzustellen, dass Frauen wirksames Mitspracherecht haben, insbesondere bei Entscheidungen der Behöreden über Gesundheitsversorgung von Schwangeren und Müttern.

Wir können etwas tun!

Amnesty International veröffentlichte im Januar 2010 den Bericht "Giving life, risking death: maternal mortality in Burkina Faso". Zu Recherchezwecken hatten Amnesty-Mitarbeiter/innen das Land 2008 und 2009 vier Mal besucht. Zeitgleich mit der Veröffentlichung des Berichts startete eine von Amnesty organisierte "Karawane" durch Burkina Faso: Sie machte Halt an vielen Orten, um Bewusstsein für die Arbeit gegen Müttersterblichkeit zu schaffen, Unterschriften und Stimmen für Amnesty-Forderungen zu sammeln und Partnerorganisationen wie Aktionen vor Ort zu unterstützen. In der Hauptstadt führten die Teilnehmer/innen der "Karawane" Gespräche mit Regierungsmitgliedern.

Amnesty-Bericht: Giving life, risking death

Amnesty-Bericht: Giving life, risking death: © Amnesty InternationalAmnesty-Bericht: Giving life, risking death: © Amnesty International

Lesen Sie den Amnesty-Bericht "Giving life, risking death - Maternal Mortality in Burkina Faso." (PDF, Englisch, 126 Seiten)

Amnesty-Broschüre: Über Leben

Amnesty-Broschüre: Über Leben: © Amnesty International/Anna KariAmnesty-Broschüre: Über Leben: © Amnesty International/Anna Kari

Download: Die Broschüre zur aktuellen Kampagne gegen Müttersterblichkeit in Burkina Faso "Über Leben" (PDF, A5, 20 Seiten, deutsch).