Amtliche Bezeichnung: Republik Kamerun
Staatsoberhaupt: Paul Biya
Regierungschef: Philémon Yang
Todesstrafe: in der Praxis abgeschafft
Einwohner: 20 Mio.
Lebenserwartung: 51,7 Jahre
Kindersterblichkeit (m/w): 151/136 pro 1000 Lebendgeburten
Alphabetisierungsrate: 75,9%
Die Regierung schränkte auch 2010 die Aktivitäten von Regierungsgegnern und Journalisten ein und unterdrückte nach wie vor das Recht auf freie Meinungsäußerung. Ein Journalist starb in der Haft. Die Haftbedingungen waren weiterhin schlecht und häufig lebensbedrohlich. Personen, die gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen unterhielten, mussten Festnahmen und Gefängnisstrafen befürchten. Die Angehörigen der Sicherheitskräfte, die im Februar 2008 an Menschenrechtsverletzungen beteiligt gewesen waren, genossen weiterhin Straffreiheit. Mindestens 77 Gefangene befanden sich im Todestrakt.
Im Vorfeld der für Ende 2011 vorgesehenen Wahlen stiegen die Befürchtungen, dass nach der 28-jährigen Regierungszeit von Präsident Paul Biya die Lage im Land instabil werden könnte. Oppositionsführer beschuldigten den Präsidenten, die Befugnisse der als Election Cameroon (ELECAM) bekannten Wahlkommission zu untergraben. Das Parlament, das von der Regierungspartei Demokratische Versammlung des Kamerunischen Volks (Rassemblement Démocratique du Peuple Camerounais - RDPC) dominiert wird, verabschiedete im März ein Gesetz, das der Regierung durch das Ministerium für Territoriale Verwaltung die Aufsicht über die Wahlvorbereitungen einräumt. Diese Aufgabe hatte vorher ELECAM übernommen.
Im September bildete Präsident Biya seine Regierung um und wechselte höhere Beamte des nationalen Sicherheitsdienstes aus.
In der Region von Bakassi kam es 2010 weiterhin zu bewaffneten Zusammenstößen. Nachdem bei Kampfhandlungen, die im Februar auf der Halbinsel Bakassi stattgefunden hatten, 24 Zivilpersonen verletzt worden waren, meldete die Regierung am 18. März, dass 19 Soldaten der militärischen Eliteeinheit Bataillon d'Intervention Rapide (BIR) Delta wegen "Akten der Brutalität gegenüber der Zivilbevölke-
rung" schuldig gesprochen worden seien. Die Gewässer vor der Küste von Bakassi wurden unsicherer. So kaperte eine Gruppe, die sich African Marine Commando nannte, Boote, nahm Seeleute als Geiseln oder tötete sie sogar.
Im Mai begann eine kamerunisch-nigerianische Kommission mit der weiteren Demarkation einer umstrittenen Grenzlinie entsprechend der Entscheidung, die der Internationale Gerichtshof im Jahr 2002 getroffen hatte.
Berichten zufolge plante die Regierung, im Rahmen einer Reform des Strafgesetzbuchs die weibliche Genialverstümmelung unter Strafe zu stellen.
Zahlreiche ehemalige Regierungsbeamte und Leiter von staatlichen Betrieben, von denen einige im Jahr 2010 festgenommen worden waren, blieben in Gewahrsam und warteten auf ihre Gerichtsverfahren unter der Anklage der Korruption. Viele von ihnen erklärten, dass der Anklage gegen sie politische Differenzen oder Neid zugrunde lägen.
Die Regierung versuchte, Kritiker ihrer Politik, darunter Journalisten und Menschenrechtsverteidiger, zum Schweigen zu bringen.
Die Regierung schränkte weiterhin die Aktivitäten des Nationalrats von Südkamerun (Southern Cameroons National Council - SCNC) ein, einer gewaltfreien sezessionistischen Gruppierung, deren Mitglieder Festnahmen und Inhaftierungen ausgesetzt waren. Gewaltlose Aktivitäten politischer Parteien und Gruppen der Zivilgesellschaft waren gleichermaßen von offiziellen Sanktionen betroffen.
Nach dem Strafgesetzbuch sind gleichgeschlechtliche sexuelle Beziehungen ein strafbares Delikt, und sogar die Nationale Menschenrechtskommission lehnt es ab, die Rechte von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgender-Personen anzuerkennen und zu verteidigen. Im Jahr 2010 kam es weiterhin regelmäßig zu Festnahmen und strafrechtlicher Verfolgung von Schwulen und zu Gerichtsverfahren gegen sie. Die Inhaftierten waren gewaltlose politische Gefangene.
Gefängnisse und andere Haftzentren waren im Jahr 2010 überfüllt und die Haftbedingungen oft lebensbedrohlich. Medizinische Versorgung und Nahrungsmittel wurden häufig nicht oder nur unzureichend zur Verfügung gestellt. Wiederholt kam es zu Unruhen und Fluchtversuchen; mehrere Gefangene wurden bei dem Versuch zu fliehen getötet. Die Gefängniswärter waren schlecht ausgebildet und unzureichend ausgerüstet, außerdem war ihre Anzahl im Verhältnis zu der großen Zahl von Gefängnisinsassen zu gering.
Im Gefängnis Kondengui, das für 700 Insassen gebaut worden war, saßen im August 3852 Häftlinge ein. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Wasser und Artikeln der medizinischen Versorgung war nicht ausreichend. In einem unter dem Namen Kosovo bekannten Trakt des Gefängnisses gab es für die Gefangenen nicht genug Platz, um im Liegen zu schlafen. In einem anderen Trakt waren psychisch kranke Gefangene untergebracht, die keinerlei psychiatrische Versorgung erhielten.
Das New-Bell-Gefängnis in Douala, dessen Unterbringungskapazität bei 700 Personen liegt, war im August mit 2453 Insassen belegt. Viele der dortigen Insassen befanden sich in Untersuchungshaft und waren zusammen mit verurteilten Strafgefangenen untergebracht. Einige Gefangene wurden in Fußeisen gehalten.
Laut Berichten starben im Gefängnis Maroua Gefangene an den Folgen der sengenden Hitze und im Gefängnis Ngaoundere an der Cholera.
Regierungsbeamte bestätigten, dass keine Maßnahmen gegen Angehörige der Sicherheitskräfte ergriffen wurden, die beschuldigt worden waren, im Jahr 2008 Menschenrechtsverletzungen begangen zu haben, als während der Proteste gegen Preiserhöhungen und eine Verfassungsänderung, welche die Begrenzung der Amtszeit des Präsidenten aufhob, mehr als 100 Personen getötet wurden.
Mindestens 77 Gefangene befanden sich 2010 in Todeszellen; seit 1997 gab es aber keine Berichte über Hinrichtungen. Es herrschte Besorgnis darüber, dass ein im Mai erlassenes Präsidialdekret zur Umwandlung von Todesstrafen in lebenslange Haft nicht vollständig umgesetzt wurde. Die Gefangenen im Todestrakt erhielten keine Informationen darüber, warum ihre Urteile nicht umgewandelt wurden.
Vertreter von Amnesty International besuchten Kamerun im August. Sie trafen dabei zum ersten Mal Regierungsbeamte und führten Recherchen durch.