Amtliche Bezeichnung: Republik Senegal
Staatsoberhaupt: Abdoulaye Wade
Regierungschef: Cheikh Hadjibou Soumaré (löste im Juni Macky Sall im Amt ab)
Todesstrafe: für alle Straftaten abgeschafft
Einwohner: 12,2 Millionen
Lebenserwartung: 62,3 Jahre
Kindersterblichkeit (m/w): 124 / 118 pro 1000 Lebendgeburten
Alphabetisierungsrate: 39,3 Prozent
Hunderte von Zivilisten flohen in benachbarte Länder, um den immer wieder aufflackernden Kampfhandlungen im Süden der Region Casamance zu entgehen. Es gab weiterhin Berichte über Folterungen und Misshandlungen in Haftzentren. Mindestens ein Gefangener starb an den Folgen. Anhänger von Oppositionsparteien, Menschenrechtsverteidiger und Journalisten sahen sich erneut Schikanen ausgesetzt. Einige von ihnen wurden inhaftiert, um die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Trotz offizieller Versprechen der Behörden, den lang erwarteten Prozess gegen den ehemaligen tschadischen Präsidenten Hissène Habré vorzubereiten, gab es diesbezüglich keine entscheidenden Fortschritte.
Nach den Präsidentschaftswahlen vom Februar wurde Präsident Abdoulaye Wade im März für weitere fünf Jahre im Amt bestätigt. Seine politischen Gegner warfen Wade Wahlbetrug vor, und es kam zu Zusammenstößen zwischen Anhängern der konkurrierenden Kandidaten. Im Juni gewann die Regierungskoalition von Präsident Wade die Parlamentswahlen, die durch eine geringe Wahlbeteiligung und den Boykott der meisten Oppositionsparteien gekennzeichnet waren.
Auch drei Jahre nach dem Friedensabkommen vom Dezember 2004 gab es im Süden der Region Casamance keine Fortschritte im Friedensprozess. Stattdessen kam es erneut zu vereinzelten Kampfhandlungen. Im Januar führten bewaffnete Einheiten der Bewegung der Demokratischen Kräfte von Casamance (Mouvement des Forces Démocratiques de la Casamance - MFDC) entlang der Grenze zu Guinea-Bissau Angriffe gegen senegalesische Soldaten durch. Die MFDC wollte damit gegen die Räumung eines Bergwerks protestieren, die sie als Vorwand für Angriffe der Armee auf ihre Stellungen auffasste.
Die langjährigen internen Spaltungen zwischen den verschiedenen Fraktionen der MFDC verschärften sich noch, als im Januar der Gründer und Anführer der MFDC, Pater Augustin Diamacoune Senghor, verstarb. Im März kam es erneut zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen zwei rivalisierenden Flügeln der MFDC. Hunderte von Zivilisten flohen daraufhin ins benachbarte Gambia. Trotz Appellen von Regierungsmitgliedern und einigen MFDC-Funktionären kam es bis Ende 2007 nicht zu Gesprächen über die Umsetzung des Friedensabkommens.
Es trafen auch weiterhin Berichte über Folterungen und Misshandlungen von Straftatverdächtigen auf Polizeiwachen ein. Mindestens eine Person kam im Gewahrsam ums Leben.
Im April wurde der 23-jährige Dominique Lopy in Kolda, etwa 600 Kilometer südöstlich von Dakar, von Polizisten festgenommen. Sie bezichtigten ihn, einen Fernsehapparat gestohlen zu haben. Als er später zu einer Hausdurchsuchung zurückgebracht wurde, bemerkte seine Familie an ihm sichtbare Spuren von Schlägen. Er starb einen Tag später in Polizeigewahrsam. Nach Protesten willigten die Behörden ein, eine Autopsie durchführen zu lassen. Bis zum Ende des Berichtsjahres waren jedoch keine Ergebnisse veröffentlicht worden.
Anhänger von Oppositionsparteien, Menschenrechtsverteidiger und mehrere Journalisten wurden festgenommen und schikaniert. Die Behörden wollten damit das Recht auf freie Meinungsäußerung einschränken und Kritik am Präsidenten unterbinden.
Im Januar wurde eine nicht genehmigte friedliche Demonstration, die von Oppositionsparteien organisiert worden war, aufgelöst. Mehrere politische Führer wurden geschlagen und kurzzeitig in Haft genommen.
Im Juli wurde Alioune Tine, Generalsekretär des Afrikanischen Vereins zur Verteidigung der Menschenrechte (Rencontre Africaine pour la Défense des Droits de l'Homme - RADDHO), für kurze Zeit inhaftiert, nachdem am Hauptsitz der Organisation Waffen entdeckt worden waren. Dabei handelte es sich allerdings um ausrangierte Waffen, die RADDHO von der senegalesischen Armee erhalten hatte, um sie im Rahmen einer internationalen Kampagne gegen den Waffenhandel öffentlich zu verbrennen. Alioune Tine wurde ohne Anklageerhebung wieder auf freien Fuß gesetzt.
Im Juli 2006 hatte der Rat der Afrikanischen Union (AU) Senegal aufgefordert, den ehemaligen tschadischen Staatspräsidenten Hissène Habré, der in Senegal im Exil lebt, vor Gericht zu stellen. Die Anklagepunkte umfassten Folterungen und andere Verbrechen, die während seiner Regierungszeit (1982 - 90) begangen worden waren. Ende 2007 war jedoch immer noch kein Untersuchungsrichter benannt worden. Dabei hatte die Regierung Senegals angekündigt, sie würde dem Schwurgericht von Dakar (Cour d'Assises de Dakar) erlauben, ein mögliches Verfahren gegen Hissène Habré vorzubereiten. Dafür gäbe es finanzielle Mittel und logistische Unterstützung aus dem Ausland, wie zum Beispiel aus der Schweiz und aus Frankreich.
Im November stellten Experten des UN-Ausschusses gegen Folter fest, dass der Fall nur schleppend vorankam. Der Ausschuss forderte die senegalesischen Behörden dringend auf, den Beschluss des UN-Ausschusses vom Mai 2006 schneller umzusetzen. Darin wurde Senegal aufgefordert, das strafrechtliche Verfahren gegen Hissène Habré einzuleiten. Senegal sicherte dem Ausschuss zu, in den kommenden Monaten eine Untersuchung zu eröffnen, unterstrich aber erneut, dass das Land internationale Finanzhilfe und Unterstützung für das Tribunal benötige. Im gleichen Monat kam auch die AU zu dem Schluss, dass der Fall zu langsam vorankomme, und ernannte den ehemaligen beninischen Minister Robert Dossou zum Sonderbeauftragten, um das Verfahren zu beschleunigen.
Bericht von Amnesty International
Senegal: Commentary on implementing legislation for the Rome Statute (AFR 49 / 002 / 2007)