Amtliche Bezeichnung: Republik Guinea
Staatsoberhaupt: Lansana Conté
Regierungschef: Lansana Kouyaté (löste im März Eugène Camara im Amt ab)
Todesstrafe: nicht abgeschafft
Einwohner: 9,8 Millionen
Lebenserwartung: 54,8 Jahre
Kindersterblichkeit (m/w): 145 / 149 pro 1000 Lebendgeburten
Alphabetisierungsrate: 29,5 Prozent
Die Sicherheitskräfte gingen mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Demonstranten vor. Über 100 Demonstranten wurden getötet, noch mehr erlitten Verletzungen. Frauen wurden von Armeeangehörigen vergewaltigt. Es gingen Berichte über willkürliche Haft und Tötungen durch Sicherheitskräfte ein. Folterungen und Misshandlungen von Demonstranten und Gefangenen waren weit verbreitet. Journalisten wurden willkürlich inhaftiert.
Vor dem Hintergrund einer schweren Wirtschaftskrise riefen die beiden größten Gewerkschaftsverbände Guineas, unterstützt von den wichtigsten Oppositionsparteien, im Januar zum Generalstreik auf. In den großen Städten fanden Kundgebungen statt, auf denen ein Wandel gefordert wurde. Die Protestaktionen legten das gesamte Land lahm. Präsident Lansana Conté, der nach einem Staatsstreich im Jahr 1984 die Macht übernommen hatte, versuchte die Protestbewegung mit Gewalt zu unterdrücken. Den gesamten Januar über schossen Angehörige der Sicherheitskräfte auf friedliche Demonstranten, töteten zahlreiche Menschen und verletzten weitere Personen. Trotz der Anwendung von Gewalt und obwohl einige Führungspersönlichkeiten der zivilgesellschaftlichen Gruppen und Gewerkschaften inhaftiert wurden, ging der Generalstreik weiter. Ende Januar forderten die Gewerkschaften die Einsetzung einer Konsensregierung.
Im Februar ernannte Präsident Conté Eugène Camara zum Ministerpräsidenten. Dies rief erneut Proteste hervor, da Camara als enger Vertrauter des Präsidenten galt. Die Zusammenstöße zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften eskalierten immer mehr, und am 12. Februar wurde der Notstand ausgerufen. Am 24. Februar bat Präsident Conté die Nationalversammlung, den Notstand zu verlängern, dies wurde jedoch abgelehnt. Der Generalstreik wurde am 27. Februar ausgesetzt. Anstelle von Eugène Camara wurde Lansana Kouyaté als neuer Ministerpräsident vereidigt. Dieser stellte am 28. März eine neue Regierung vor, der keine Mitglieder politischer Parteien angehörten, sondern ausschließlich Personen aus der Zivilgesellschaft.
Im Mai gingen Armeeangehörige in der Hauptstadt Conakry und in anderen Städten auf die Straße, demonstrierten und schossen in die Luft. Mindestens 13 Menschen fanden den Tod, viele andere wurden durch Querschläger verletzt. Die Soldaten verlangten die Auszahlung ihres ausstehenden Soldes und die Entlassung von mehreren hochrangigen Armeeangehörigen. Die letztgenannte Forderung wurde erfüllt.
Eine unabhängige Untersuchungskommission wurde im Mai damit beauftragt, "Ermittlungen zu Fällen von schweren Menschenrechtsverletzungen und Straftaten während der Streiks vom Juni 2006 sowie vom Januar und Februar 2007 aufzunehmen".
Mehr als 135 meist unbewaffnete Menschen wurden von Angehörigen der Sicherheitskräfte getötet, als sie bei Demonstrationen den Rücktritt des Präsidenten forderten. Bei mehreren Gelegenheiten zielten die Sicherheitskräfte auf lebenswichtige Organe der Demonstranten oder schossen fliehenden Personen in den Rücken. Angehörige der Sicherheitskräfte hinderten zudem Menschen daran, verletzten Demonstranten zu Hilfe zu eilen.
Abdoulaye Diallo war einer von mehreren Demonstranten, denen in den Rücken geschossen wurde, als sie im Januar vor den Sicherheitskräften flohen, die das Feuer auf sie eröffnet hatten. Einem 18-jährigen Studenten aus Kindia wurde während einer im Februar organisierten Demonstration in den Rücken geschossen, als er versuchte, für einen Verletzten Hilfe zu holen.
Zahlreiche Menschen, darunter Demonstranten und Angestellte eines privaten Radiosenders, wurden während des Generalstreiks kurzzeitig von den Sicherheitskräften inhaftiert. Einige von ihnen wurden im Gewahrsam gefoltert.
Im Juli wurde Sidibé Keita, ein Mitglied einer Oppositionspartei, festgenommen und über einen Monat in Haft gehalten. Er wurde nach einem Monat ohne Anklageerhebung freigelassen.
Im Dezember wurde Lansana Komara, ein Führungsmitglied der Partei Vereinigung des Volkes von Guinea (Rassemblement du Peuple de Guinée - RPG) mehr als fünf Tage im Präsidentenpalast festgehalten. Dort wurde er Berichten zufolge gefoltert und mit dem Kopf nach unten an der Decke aufgehängt. Später überstellte man ihn in die Armeekaserne PM III, wo er Ende des Berichtszeitraums noch immer ohne Anklageerhebung inhaftiert war.
In der Timbo-Region von Kankan wurde ein etwa 60-jähriger Lehrer im Januar im Hof seines Wohnhauses ohne Angabe von Gründen festgenommen. Er wurde vor den Augen mehrerer Personen, darunter seinen Kindern, geschlagen. Im Militärlager hielten ihn vier Polizisten auf den Boden gepresst, während ein fünfter ihn mit seinem Schlagstock verprügelte.
Ein Mitglied der Union der Jugend Guineas (Union of the Guinean Youth) wurde im Februar zweimal festgenommen. Der junge Mann wurde mit Gewehrkolben geschlagen; Polizeibeamte liefen über ihn hinweg und traten ihm in die Brust, während er in Handschellen und mit beiden Armen auf dem Rücken auf dem Boden lag. Beamte banden seine beiden Ellbogen auf den Rücken, steckten einen Stock zwischen seine Arme und zogen in regelmäßigen Abständen daran, um die Schmerzen noch zu vergrößern.
Während der Zeit des Generalstreiks wurden mehrere Frauen von Soldaten oder maskierten Männern in Militäruniformen vergewaltigt.
Das Recht auf Meinungsfreiheit war das ganze Jahr über bedroht. Journalisten drohten politisch motivierte und willkürliche Festnahmen und Inhaftierungen. Im Januar wies der Informationsminister alle privaten und öffentlichen Radiosender an, keinerlei Berichte über den Generalstreik zu senden.
Im Februar nahmen die Präsidentengarden zwei Angestellte des Radiosenders FN Liberty fest und plünderten das Sendezentrum. Die Soldaten bezichtigten den Radiosender, Interviews mit kritischen Äußerungen zu Präsident Conté ausgestrahlt zu haben. Einer der Angestellten, David Camara, wurde von Angehörigen der Sicherheitskräfte festgenommen, die Morddrohungen aussprachen und eine brennende Zigarette auf seinem Hals ausdrückten. Nach zwei Tagen wurde er ohne Bedingungen freigelassen.
Im Februar mussten zwei Radiosender - Familia FM und Radio Soleil - ihren Betrieb einstellen, nachdem sie Berichten zufolge anonyme Drohungen erhalten hatten. Im August verurteilte ein Gericht in Conakry die Direktoren zweier privater Zeitungen zu Bewährungsstrafen. Sie hatten angeblich Artikel veröffentlicht, in denen ein ehemaliger Minister der Korruption bezichtigt wurde.
Im April sagten 23 Gefangene in den Todeszellen der Justizvollzugsanstalt in Conakry und im Hochsicherheitsgefängnis von Kindia, östlich von Conakry, aus, dass sie während der ersten Tage ihrer Haft gefoltert und misshandelt worden seien. Einige der Personen trugen sichtbare Spuren von Schlägen oder lang andauernden Fesselungen mit Stricken.
Im Juni versicherte der guineische Minister für Justiz und Menschenrechte, dass die Regierung gegen die Todesstrafe sei und dass keiner der zum Tode verurteilten Gefangenen hingerichtet werde.
Missionen und Berichte von Amnesty International
Missionen
Delegierte von Amnesty International statteten Guinea im April einen Besuch ab und sprachen mit den Behörden.
Berichte
Guinea: The killings must stop immediately (AFR 29 / 001 / 2007)
Guinea: Fundamental freedoms must not be jeopardized by the state of siege (AFR 29 / 002 / 2007)
Guinea: "Soldiers were shooting everywhere" (AFR 29 / 003 / 2007)
Guinea: Security forces still a threat (AFR 29 / 004 / 2007)