amnesty international - Pressemitteilung
Sperrfrist: Dienstag, 17. Februar 1998, 10 Uhr
Bonn/Paris, 17. Februar 1998 - Während die Bundesregierung den Senegal nach wie vor für das Asylverfahren als "sicheres Herkunftsland" einstuft und Präsident Abdou Diouf Ende Februar in Paris einen Menschenrechtspreis entgegennehmen wird, zeigt amnesty international ein ganz anderes Bild von dem westafrikanischen Staat. Wie der heute veröffentlichte ai-Bericht "Senegal: Klima des Terrors in der Casamance" dokumentiert, sind seit April 1995 mindestens 120 gewaltlose politische Gefangene ohne Gerichtsverfahren und ohne ernsthafte Anklage inhaftiert worden. Seit 1982, als der militärische Flügel der separatistischen "Bewegung der demokratischen Kräfte der Casamance" (MFDC) im Süden des Landes aktiv wurde, ist es sowohl auf seiten der bewaffneten Separatisten als auch auf seiten der Sicherheitskräfte der senegalesischen Regierung zu schweren Menschenrechtsverstößen gekommen. Die Separatisten töten immer wieder willkürlich Zivilisten, die in Verdacht stehen, mit Regierungsbehörden zusammenzuarbeiten, und mißhandeln Dorfbewohner, um Lebensmittel oder Geld zu erpressen. Die Sicherheitskräfte der senegalesischen Regierung sind für willkürliche Verhaftungen und Hinrichtungen, "Verschwindenlassen", Mißhandlungen und Folter von Unterstützern der MFDC verantwortlich.
Menschen, die in der Casamance verhaftet werden, werden immer wieder ohne Kontakt zur Außenwelt festgehalten und sowohl im Gefängnis von Ziguinchor als auch auf dem Weg zum Gefängnis von Dakar systematisch gefoltert. Auch vor ihrer Festnahme werden viele von ihnen schon in ihren Häusern vor den Augen ihrer Angehörigen mißhandelt. Um Geständnisse zu erpressen und die vermeintlichen Gegner zu demütigen, schlagen die Sicherheitskräfte die Festgenommenen zusammen und quälen sie mit Elektroschocks. Zahlreiche Berichte von Betroffenen weisen außerdem darauf hin, daß auch Militärärzte an den Folterungen beteiligt sind. Darüber hinaus haben die senegalesischen Sicherheitskräfte im Juli 1997 wieder damit begonnen, ihre Gegner willkürlich hinzurichten. amnesty international fürchtet, daß unter den so Hingerichteten zahlreiche "Verschwundene" sind.
Die Menschenrechtsorganisation ruft die senegalesische Regierung auf, die Gefangenen, die im Zusammenhang mit dem Konflikt in der Casamance seit April 1995 ohne Verhandlung festgehalten werden und gegenüber denen keine ernsthaften Anschuldigungen von Straftaten bestehen, sofort freizulassen. Außerdem müssen sowohl die Armee als auch die separatistische Bewegung MFDC die Grundprinzipien des humanitären Völkerrechts respektieren. Vorwürfe von willkürlichen Hinrichtungen, Folter und "Verschwindenlassen" müssen unverzüglich und unparteiisch untersucht werden.
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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 9. März 1998 |
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