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Japan: Angst vor neuer Hinrichtungswelle

Japan gehört zu einer Minderheit von Ländern, die immer noch an der Todesstrafe festhalten.: © Orla 2011 / ShutterstockJapan gehört zu einer Minderheit von Ländern, die immer noch an der Todesstrafe festhalten.: © Orla 2011 / Shutterstock

28. September 2012 - In Japan wurden am 27. September zwei zum Tode verurteilte Häftlinge gehängt. Damit wurde zum ersten Mal seit mehr als 15 Jahren wieder eine Frau hingerichtet. In der Bevölkerung wächst die Angst vor einer neuen Hinrichtungswelle.

Die 65-jährige Sachiko Eto und der 39-jährige Yukinori Matsuda wurden am Donnerstagmorgen in den Hafteinrichtungen von Sendai bzw. Fukuoka gehängt. Sachiko Eto ist die erste Frau, die in Japan seit 1997 hingerichtet wurde.

Mit den zwei Hinrichtungen erhöht sich die Gesamtanzahl der Exekutionen in Japan in diesem Jahr auf sieben Personen. 2011 gab es in dem Land dagegen keine Hinrichtungen.

"Die Hinrichtungen von Yukinori Matsuda und Sachiko Eto waren vorsätzliche, kaltblütige Tötungen des japanischen Staates", sagte Roseann Rife, Direktorin des Ostasien-Programms von Amnesty International.

Immer noch sitzen in Japan 131 Menschen in den Todeszellen. Amnesty International geht davon aus, dass alle diese zum Tode verurteilten Menschen in unmittelbarer Gefahr schweben, hingerichtet zu werden.

Der japanische Justizminister Makoto Taki unterstützt die Todesstrafe und hat in den vier Monaten seiner Amtszeit bereits vier Exekutionen genehmigt. Bei den anderen beiden Hinrichtungen am 3. August 2012 wurden zwei Männer gehängt.

"Die Hinrichtungen zeigen, dass das Versprechen der Demokratischen Partei Japans, eine nationale Debatte über die Abschaffung der Todesstrafe zu führen, eine Farce ist. Diese Debatte muss stattfinden und die Regierung muss ein sofortiges Moratorium für Hinrichtungen verhängen", sagte Roseann Rife.

Japan gehört zu einer Minderheit von Ländern, die immer noch an der Todesstrafe festhalten. Mehr als zwei Drittel der Staaten weltweit haben die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft.

Yukinori Matsuda wurde im September 2006 vor dem "Kumanoto District Court" wegen Mordes an zwei Menschen zum Tode verurteilt. Es fand kein obligatorisches Berufungsverfahren statt. Das wirft die Frage auf, ob die notwendigen rechtlichen Verfahren entsprechend der Empfehlungen des Völkerrechts befolgt wurden.

Sachiko Eto wurde 2002 wegen Mordes und fahrlässiger Tötung zum Tode verurteilt.

Zum Tode Verurteilte werden in Japan durch den Strang hingerichtet, meist hinter verschlossenen Türen. Häftlinge erfahren von ihrer Hinrichtung normalerweise einige Stunden vorher, einige erhalten gar keine Warnung. Ihre Familien werden in der Regel erst davon unterrichtet, wenn das Todesurteil bereits vollstreckt worden ist.

Amnesty International lehnt die Todesstrafe bedingungslos ab, unabhängig davon, welches Verbrechen begangen wurde, wer der Täter ist oder mit welcher Methode der Staat das Todesurteil vollstreckt.

Die Todesstrafe verstößt gegen das Recht auf Leben und ist die ultimative grausame, unmenschliche und erniedrigende Bestrafung.

Online-Petition: Keine Hinrichtung von Hakamada Iwao!

Hakamada Iwao wurde 1966 wegen Mordes verhaftet und im September 1968 zum Tode verurteilt. Hakamada sitzt seit 44 Jahren im Todestrakt. Er beteuert bis heute seine Unschuld. Nach eigener Aussage wurde er mit Gewalt zur Unterzeichnung von vorbereiteten "Geständnissen" gezwungen.
Am 19. Oktober 2012 wird das Gericht DNA-Analysen der Kleidung prüfen und über die Wiederaufnahme des Verfahrens entscheiden.