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Sektion der Bundesrepublik Deutschland

Giftmüllkatastrophe in der Elfenbeinküste

Amnesty und Greenpeace fordern Strafverfahren gegen Ölkonzern Trafigura

Eine Frau, die nach eigenen Angaben Verbrennungen durch den Giftmüll erlitten hat, protestiert in Abidjan, 29.09.2008: © REUTERS/Thierry GoeugnonEine Frau, die nach eigenen Angaben Verbrennungen durch den Giftmüll erlitten hat, protestiert in Abidjan, 29.09.2008: © REUTERS/Thierry Goeugnon

25. September 2012 - Amnesty International und Greenpeace Niederlande fordern in einem aktuellen Bericht die britische Regierung auf, Ermittlungen gegen den multinationalen Rohstoffkonzern Trafigura wegen der illegalen Entsorgung von Giftmüll in der Elfenbeinküste einzuleiten. Dabei waren 2006 mehr als 100.000 Menschen gesundheitlich zu Schaden gekommen.

Amnesty International und Greenpeace haben heute den gemeinsam erstellten Bericht "The Toxic Truth" veröffentlicht.

Der 234 Seiten umfassende Bericht ist das Resultat dreijähriger intensiver Recherchen zu einem Giftmüllskandal aus dem Jahre 2006 in der Elfenbeinküste, dessen Folgen mindestens 15 Personen das Leben kosteten und mehr als 100.000 Menschen nachweislich gesundheitlich schädigten. Die tragische Kette von Fehlentscheidungen, die zur medizinischen, ökologischen und politischen Katastrophe führten, wurde dabei einer akribischen Überprüfung unterzogen.

Der Bericht belegt im Detail, wie bestehende Gesetze missachtet wurden und wie mehrere Regierungen es versäumten, die Verfrachtung des Giftmülls zu stoppen.

Amnesty International und Greenpeace fordern gemeinsam die britische Regierung auf, Ermittlungen gegen den multinationalen Rohstoffkonzern Trafigura wegen der illegalen Entsorgung von Giftmüll in der Elfenbeinküste einzuleiten. Sechs Jahre nach der Tragödie muss der Konzern endlich zur Verantwortung gezogen werden.

"Bereits sechs Jahre sind seit dieser schrecklichen Tragödie vergangen. Es
ist höchste Zeit, dass Trafigura endlich die volle rechtliche Verantwortung dafür übernehmen muss", sagt Salil Shetty, Generalsekretär von Amnesty International. "Wir sind es den Menschen schuldig, die, wie hier in Abidjan, zu unschuldigen Opfern eines internationalen Konzerns werden, dem Profit ganz klar wichtiger ist als die Gesundheit tausender Menschen."

Giftmüllentsorgung in der Nähe von Wohngebieten

Der Skandal ereignete sich im August 2006, als toxischer Abfall an Bord des Frachters Probo Koala an die Elfenbeinküste gebracht und dort von einer erst kürzlich zugelassenen, kleinen Entsorgungsfirma in der Nähe von Wohngebieten in Abidjan entsorgt wurde. Der Giftmüll entstand als Abfallprodukt einer Rohölreinigung, welcher von Trafigura, dem weltweit drittgrößten unabhängigen Ölhändler, durchgeführt wurde.

Obwohl die Folgen für die Menschen verheerend waren, konnte sich Trafigura bis heute der rechtlichen Verantwortung für die illegale Entsorgung des Giftmülls entziehen. Gestützt auf die Aussagen von Betroffenen und Experten, wirft der Bericht von Amnesty International und Greenpeace ein neues Licht auf die Folgen für die Menschen in Abidjan und ihren anhaltenden Kampf für Gerechtigkeit.

"In den sechs Jahren, die seit der illegalen Giftmüllentsorgung in der Elfenbeinküsten vergangen sind, hat Trafigura alle einem milliardenschweren multinationalen Konzern zur Verfügung stehenden Möglichkeiten ausgeschöpft, um sich seiner Verantwortung zu entziehen", sagt Kumi Naidoo, Direktor von Greenpeace International. "Die mehr als 100.000 geschädigten Menschen fordern, dass die Drahtzieher hinter diesem Desaster zur Verantwortung gezogen und alle Informationen offengelegt werden. Alle Staaten müssen aus diesem Fall lernen und sicherstellen, dass es keine Straffreiheit für Konzerne wie Trafigura geben kann."

Die Betroffenen Menschen müssen entschädigt werden!

Amnesty International und Greenpeace haben mit diesem Bericht umfassende Empfehlungen für die Internationale Gemeinschaft erarbeitet, damit sich eine solche Tragödie in Zukunft nicht wiederholen kann. Diese enthalten klare Richtlinien, wie gegen transnational tätige Konzerne bei Menschenrechtsverstößen und Umweltverschmutzungen vorgegangen werden muss.

Darüberhinaus fordern die beiden Organisationen die britische Regierung auf, Ermittlungen gegen die in London ansässige Trafigura Ldt. einzuleiten und ihre Rolle im Giftmüllskandal zu beleuchten. Auch die Regierung der Elfenbeinküste wird aufgefordert, die Betroffenen Menschen zu entschädigen und die rechtliche Vereinbarung neu zu bewerten, die Trafigura umfassende Straffreiheit in der Elfenbeinküste sichert.

Ursprünglich war der Müll in die Niederlande gebracht worden, die sachgerechte Entsorgung lehnte Trafigura jedoch aus Kostengründen ab. Trotz Bedenken ließen die niederländischen Behörden die "Probo Koala" mit ihrer giftigen Fracht wieder auslaufen - eine ernsthafte Verletzung der rechtlichen Verpflichtungen der Niederlande.

Der Abfall, der in Abidjan entsorgt wurde, ist nach dem Baseler Übereinkommen - das die grenzüberschreitende Verbringung und Beseitigung von gefährlichen Abfällen kontrolliert - als gefährlich eingestuft, was den Export ohne Genehmigung zu einer Straftat macht.

Die Veröffentlichung des Berichts fällt mit einem Treffen der Vertragspartner des Baseler Übereinkommens zusammen. Dieses Treffen bietet die Gelegenheit dafür zu sorgen, dass nie wieder giftiger Abfall aus industriellen Prozessen an Bord von Schiffen in ärmeren Ländern abgeladen wird.