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Tod in Guantánamo: Unbegrenzte Inhaftierungen müssen beendet werden

Adnan Farhan Abdul Latif wurde fast 11 Jahre ohne Anklage in Guantánamo festgehalten. Am 08.09.2012 starb er unter ungeklärten Umständen: © US DoDAdnan Farhan Abdul Latif wurde fast 11 Jahre ohne Anklage in Guantánamo festgehalten. Am 08.09.2012 starb er unter ungeklärten Umständen: © US DoD

13. September 2012 - Fast elf Jahre saß der Jemenit Adnan Latif ohne Anklage oder Gerichtverfahren im US-amerikanischen Gefangenenlager Guantánamo auf Kuba. Am 8. September starb er unter ungeklärten Umständen. Der Fall verdeutlicht die dringende Notwendigkeit, die Praxis der unbegrenzten Inhaftierungen zu beenden und das Gefangenenlager endlich zu schließen.

Am Montag gaben die US-Behörden bekannt, dass am Nachmittag des 8. September ein Gefangener in Guantánamo gestorben sei. Informationen über seine Identität und Nationalität hielten sie zurück, bis die Familie des Verstorbenen informiert war. Inzwischen wurde bestätigt, dass es sich bei dem Gefangenen um den Jemeniten Adnan Farhan Abdul Latif handelte, der seit Januar 2002 in dem Gefangenenlager inhaftiert gewesen war. Er ist damit der neunte Häftling, der seit Inbetriebnahme des Lagers vor gut einem Jahrzehnt im Gefängnis gestorben ist.

Das rechtliche Vakuum muss beendet werden

Amnesty International ruft die US-Behörden dazu auf, dringend alle Fälle der 167 verbleibenden Insassen im Einklang mit internationalen menschenrechtlichen Standards zu einem Abschluss zu bringen.

"Das US-Militär muss das rechtliche Vakuum in Guantánamo ein für alle Mal beenden - die Häftlinge müssen entweder in einem fairen Verfahren vor ein unabhängigen Gericht gestellt oder freigelassen werden. Die Verfahren vor Militärkommissionen müssen abgeschafft werden", sagte Rob Freer, USA-Experte bei Amnesty International.

"Die US-Behörden müssen einer umfassenden und unabhängigen zivilen Untersuchung des Todes von Adnan Latif zustimmen, seiner Familie die Ergebnisse mitteilen und sie über alle eingeleiteten Schritte informieren. Die Befunde der Autopsie und der Untersuchungen müssen aufbewahrt werden".

Eine Untersuchung der Strafverfolgungsbehörde der US-Marine (Naval Criminal Investigation Service, NCIS) soll die Ursache und genauen Umstände des Todes feststellen. Angaben der US-Militärbehörden zufolge begingen sechs der acht zuvor in Guantánamo verstorbenen Häftlinge Selbstmord, zwei seien eines natürlichen Todes gestorben.

Adnan Latif befand sich seit fast elf Jahren ohne Anklage oder Gerichtsverfahren in Guantánamo. Er war im Dezember 2001 von der Pakistanischen Polizei in der Nähe der Grenze zu Afghanistan verhaftet und später im selben Monat den US-Behörden übergeben worden, die ihn am 17. Januar 2002 nach Guantánamo brachten. Seitdem war er auf dem Marinestützpunkt inhaftiert.

Der Tod wünschenswerter als das Leben

Während seiner mehr als ein Jahrzehnt andauernden Inhaftierung durch die USA litt er dauerhaft unter psychischen und körperlichen Problemen. Seinem Anwalt zufolge verbrachte er die meiste Zeit in Einzelhaft. Er hatte bereits mehrfach Selbstmordversuche unternommen. Unter anderem hatte er sich während eines Treffens mit einem Anwalt 2009 eines seiner Handgelenke aufgeschnitten.

Er hatte seinen Anwälten mitgeteilt, dass seine Umstände "den Tod wünschenswerter erscheinen lassen als das Leben", und über andauernde Rückenschmerzen und weitere Beschwerden geklagt. Auch seiner Bitte nach einem Hörgerät als Abhilfe für seine Gehörlosigkeit auf dem linken Ohr als Folge eines Autounfalls 1994 kam das US-Militär nicht nach.

Im Juli 2010 hatte ein US-Bundesrichter entschieden, dass Adnan Latifs Inhaftierung rechtswidrig sei und dass er freigelassen werden müsse. Die Obama-Administration legte Berufung ein, und im Oktober 2011 hob das Berufungsgericht das ursprüngliche Urteil auf. Elf Tage später sagte Adnan Latif während eines Treffens mit seinen Anwälten: "Ich bin ein Gefangener des Todes." Im Mai 2012 begann er einen Hungerstreik, um gegen seine andauernde Inhaftierung zu protestieren. US-Militärbehörden zufolge beendete er diesen Hungerstreik am 1. Juni 2012.

Amnesty International fordert zu diesem Anlass erneut, dass die Familien der in Guantánamo verstorbenen Häftlinge für alle Menschenrechtsverletzungen, denen ihre Angehörige während der Zeit in US-Haft ausgesetzt waren, Zugang zu juristischer Wiedergutmachung und Entschädigungszahlungen erhalten müssen. Zu den Menschenrechtsverletzungen zählen willkürliche Inhaftierung sowie Folter und andere grausame, unmenschliche oder erniedrigende Behandlung.