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Pakistan: Junge Christin trotz Freilassung in Gefahr

Demonstration gegen die Änderung der Blasphemie-Gesetze in Hyderabad, Pakistan: © Demotix / rajput yasirDemonstration gegen die Änderung der Blasphemie-Gesetze in Hyderabad, Pakistan: © Demotix / rajput yasir

10. September 2012 - Die wegen Blasphemie angeklagte junge Christin Rimsha Masih kommt auf Kaution frei. Das Urteil des Gerichts in Pakistan ist ein ermutigender Schritt, doch die pakistanische Regierung muss dringend die Blasphemie-Gesetze reformieren, um derartige Fälle in Zukunft zu vermeiden.

Die 14-jährige Rimsha und ihre Mutter wurden am 16. August von der Polizei festgenommen, nachdem sich eine wütende Menge vor ihrem Haus in Islamabad versammelt und Rimsha beschuldigte hatte, Seiten des Korans verbrannt zu haben.

Dies gilt in Pakistan als Verbrechen und wird nach den Blasphemie-Gesetzen mit der Todesstrafe geahndet. In der vergangenen Woche nahm der Fall eine neue Wendung, als Polizisten einen einheimischen Prediger festnahmen, der Rimsha die verbrannten Koranseiten untergeschoben haben soll. Am vergangenen Freitag legte der Richter eine Kaution von einer Million pakistanischer Rupien (etwa 8.000 Euro) für Rimshas Freilassung fest.

Amnesty International begrüßt die Entscheidung des Richters, die Beteiligten stehen aber weiterhin vor schwerwiegenden Problemen. Rimsha, ihre Familie und die christliche Gemeinde in Islamabad schweben nach wie vor in großer Gefahr - obwohl Rimsha die Freilassung gegen Kaution gewährt wurde und selbst wenn sie letztendlich für unschuldig erklärt würde.

In der jüngsten Vergangenheit sind immer wieder der Blasphemie beschuldigte Personen von pakistanischen Landsleuten getötet worden, häufig in Fällen, in denen die Opfer nicht offiziell von den Behörden belangt wurden. Hunderte Christen flohen seit der Anklage aus Rimshas Wohngegend in Islamabad, da sie Gewalt fürchten. Rimshas Familie hält sich versteckt.

Der Fall von Rimsha Masih zeigt die große Gefahr für das Zusammenleben und die Rechtsstaatlichkeit, die von Pakistans Blasphemie-Gesetzen ausgeht. Solche Fälle werden weiterhin auftreten und vor allem religiöse Minderheiten gefährden, wenn die pakistanische Regierung ihre Blasphemie-Gesetze nicht reformiert. Sie muss sicherstellen, dass die Gesetze nicht missbraucht werden können, um Streitigkeiten auszutragen, oder es Privatpersonen ermöglichen, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen.

Amnesty International ruft die pakistanischen Behörden dazu auf, alle Verantwortlichen für Angriffe auf religiöse Minderheiten sowie diejenigen, die die Gemeinschaft zu solchen Attacken anstiften, strafrechtlich zu verfolgen. Sie müssen in fairen, an internationale Standards angepassten Gerichtsverfahren zur Rechenschaft gezogen werden, ohne dass Todesurteile verhängt werden

Amnesty International begrüßt, dass weite Teile der Bevölkerung die Anklage gegen Rimsha Masih verurteilen, darunter auch religiöse Führer, die Minderheitengruppen in der Vergangenheit verteufelt hatten und eine strenge Anwendung der Blasphemie-Gesetze samt Todesstrafe befürworteten.

Wichtiger sind jedoch rechtliche, politische und soziale Reformen, um das generelle Klima der Diskriminierung auf Grundlage der Religion anzugehen, das zu fast täglichen Einschüchterungen und tödlichen Attacken auf Christen, Schiiten, Ahmadiyya, Hindus und andere Minderheiten im Land führt.

Die pakistanischen Behörden müssen konkrete Schritte einleiten, um zu zeigen, dass kein Mensch in Pakistan Menschenrechtsverletzungen begehen und diese als Verteidigung der eigenen Religion rechtfertigen kann.