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Pakistan: Mädchen in Lebensgefahr wegen "Blasphemie"

"Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit": Demonstranten in Hyderabad fordern die Beibehaltung der Blasphemie-Gesetze, Dezember 2010: © Demotix / rajput yasir"Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit": Demonstranten in Hyderabad fordern die Beibehaltung der Blasphemie-Gesetze, Dezember 2010: © Demotix / rajput yasir

23. August 2012 - In Pakistan nahm die Polizei Ramsha Masih, ein Mädchen, das der christlichen Minderheit angehört, aufgrund von Blasphemie-Vorwürfen fest. Sie soll Seiten aus dem Koran verbrannt haben. Blasphemie kann in Pakistan mit der Todesstrafe geahndet werden. Amnesty International fordert die pakistanische Regierung auf, die Blasphemie-Gesetze so schnell wie möglich zu reformieren und die Sicherheit des Mädchens zu garantieren.

"Dieser Fall illustriert die Untergrabung der Rechtsstaatlichkeit und die Gefahren, denen Personen in Pakistan ausgesetzt sind, die der Blasphemie beschuldigt werden", sagte Polly Truscott, Leiterin der Südasienabteilung bei Amnesty International.

Am 17. August wurden Ramsha Masih und ihre Mutter in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad von der Polizei festgenommen. Die Polizisten reagierten damit auf den Druck einer Gruppe Demonstrierender. Diese hatten protestiert, nachdem ein einheimischer Prediger Ramsha beschuldigt hatte, Blätter eines religiösen Textes verbrannt zu haben.

"Amnesty International ist extrem besorgt um Ramshas Sicherheit. In der jüngsten Vergangenheit wurden wegen Blasphemie angeklagte Personen von pakistanischen Landsleuten getötet", sagte Truscott.

Einige Nachbarn haben Ramsha Masihs Mutter und andere Mitglieder der örtlichen christlichen Gemeinde angegriffen, als sie von den Anschuldigungen erfuhren. Bis zu 300 Christen sind aus der Gegend geflohen und die Familie des Mädchens hält sich versteckt.

Am 18. August ordnete Pakistans Staatspräsident eine Untersuchung des Falls an und rief die Behörden dazu auf, "das Leben und den Besitz aller zu schützen".

Die Regierung kommt ihren Versprechen nicht nach

"Amnesty International begrüßt die schnelle Reaktion des Staatspräsidenten in diesem Fall, aber sie ist nicht viel wert, wenn nicht größere Bemühungen folgen, die Blasphemie-Gesetze zu reformieren. Es muss sichergestellt werden, dass die Gesetze nicht böswillig missbraucht werden können, um Streitigkeiten auszutragen, oder sie es Privatpersonen ermöglichen, ihre Angelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen", fügte Truscott hinzu.

"Die Regierung kommt seit vier Jahren ihren Versprechen nicht nach, Gesetze auf den Prüfstand zu stellen, die der ‚religiösen Harmonie abträglich' sind - dazu gehören die Blasphemie-Gesetze. Sie muss endlich handeln."

"Dass diese Gesetze nicht reformiert werden, vermittelt der pakistanischen Öffentlichkeit den Eindruck, jeder Mensch in Pakistan könne schwere Menschenrechtsverstöße begehen und diese mit dem Schutz religiöser Gefühle rechtfertigen."

Die Blasphemie-Gesetze hatten Akte von Selbstjustiz zur Folge

Orte der Gottesanbetung oder heilige Objekte wie den Koran zu beschädigen, zu schänden oder zu zerstören ist im pakistanischen Recht die Straftat Blasphemie. Die Strafen reichen von einer Geldstrafe bis zu lebenslänglicher Haft und der Todesstrafe.

Sowohl die wage Formulierung der Gesetze als auch unzureichende Untersuchungen der Behörden, aber auch Einschüchterungen durch Teile der Bevölkerung, die durch einige einheimische Prediger und religiöse Gruppen angestachelt werden, haben in Pakistan und vor allem in der Region Punjab zu Akten von Selbstjustiz geführt.

"Die Behörden müssen garantieren, dass Ramsha Masih, ein Kind, dass Berichten zufolge am Down-Syndrom leidet, sowie ihre Familie und die christliche Gemeinde in Islamabad gegen Einschüchterungsversuche und Angriffe geschützt werden", sagte Truscott.

"Die Behörden müssen außerdem alle Personen, die zu Gewaltakten auf Grundlage der Blasphemie-Gesetze aufrufen, strafrechtlich verfolgen."

Religiöse Minderheiten wurden in der Vergangenheit überdurchschnittlich häufig wegen Blasphemie angeklagt. Andererseits findet sich ein großer Teil der Opfer unter der muslimischen Mehrheit.