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Heaven Shall Burn: © Axel JusseitHeaven Shall Burn: © Axel Jusseit

Heaven Shall Burn: Metalmusik gegen Gewalt

Die Metal-Band "Heaven Shall Burn" gehört zu den erfolgreichsten der deutschen Szene. In ihrem neuen Song "Combat" greifen sie das Thema Kindersoldaten auf. Viele ihrer Texte handeln von der Grausamkeit des Krieges und ihrer Ablehnung von Gewalt. Im Interview spricht Gitarrist und Songwriter Maik Weichert darüber, wie sich diese Botschaften mit der Härte ihrer Musik vereinbaren lassen.

Heaven Shall Burn - Der Himmel soll Brennen. Euer Bandname lässt es schon vermuten: ihr macht keine Chormusik. Viele Menschen würden mit eurer Musik nicht gerade Pazifismus und den Einsatz für Menschenrechte in Verbindung bringen...

Es stimmt schon unser Name ist recht provokativ und böse, aber so wird klar, dass wir keinen Spaß verstehen, wenn es um die Dinge geht, die uns wichtig sind. Unsere aggressive Musik rührt aus einer ehrlichen und gerechten Wut über die Zustände die wir anprangern. Wenn man über Tod, Krieg, Umweltzerstörung und Hunger redet, kann man das nun mal nicht mit Kammermusik tun - das würde den Menschen den Ernst der Lage nicht ausreichend verdeutlichen.

Brecht ihr bewusst mit den Klischees und Vorurteilen?

Wir machen das eher instinktiv und nicht bewusst. Ich habe festgestellt, dass mir mehr Leute zuhören, wenn ich eine Gitarre in der Hand habe. Insofern nutzen wir die Klischees und Möglichkeiten die sich daraus ergeben, man erreicht die Menschen über einen Kanal der offener für Kommunikation ist.

Seid ihr mit euren politischen Songs und der pazifistischen Einstellung eine Ausnahme in der Metal-Szene?

Es gibt kaum eine politischere Szene als die Metal/Hardcore/Punk Bewegung. Und es gibt eine lange Tradition politischer Bands: Kreator, Napalm Death, Slime, Rage Against the Machine etc. Wenn die Medien allerdings über Metal berichten, wollen sie ihre Klischees erfüllt sehen.

In dem Song "Combat" geht es um Kindersoldaten, wie seid ihr auf das Thema gekommen?

Ich habe einen Aufsatz von Jean Ziegler gelesen in dem es am Rande auch um diese Problematik ging. Ich finde einfach den Gedanken pervers, dass eigentlich jeder weiß, dass es Kindersoldaten gibt man sich aber trotzdem im Verdrängen übt und nicht bemüht Details in Erfahrung zu bringen. Ich bin mir sicher, dass jeder der sich mit der Problematik eingehender befasst, die gleiche Wut in sich aufsteigen spürt, wie es bei mir der Fall war - somit kann man dann auch den aggressiven Sound verstehen, den der Song hat. Ein anderer Auslöser war ein Besuch im Kriegsmuseum in Warschau. Ich bin ein großer Bewunderer des Widerstandes der polnischen Bevölkerung und der polnischen Heimatarmee im Zweiten Weltkrieg. Doch als ich in diesem Museum gesehen habe, wie dort auch der Kriegseinsatz von Kindern glorifiziert wird, bin ich schon sehr ins Nachdenken gekommen.

In euren Songs prangert ihr unter anderem Krieg und politische Morde an. Wollt ihr mit eurer Musik etwas verändern?

Das Denken und Fühlen der Hörer positiv zu beeinflussen ist ganz klar eine unserer Absichten. Wir möchten durch unsere Musik die Menschen aufklären und somit gesellschaftliche und politische Veränderungen vorantreiben.

Wissen eure Fans, worum es in euren Songs geht?

Natürlich sind wir auch für Leute geeignet, die einfach nur auf harte und laute Musik stehen. Aber auch von diesen Leuten stoßen viele im Laufe der Zeit auf unsere Message - und das ist ein wertvoller Effekt. Der Großteil unserer Fans weiß aber auch worum es in unseren Texten geht und für sie ist das ein untrennbarer Bestandteil von HSB.

Auf euren Konzerten geht es ja nicht gerade friedlich zu. In euren Videos sieht man, wie Hunderte Fans aufeinander zurennen und sich gegenseitig wegstoßen. Wie passt diese Aggressivität zu den Inhalten eurer Musik?

Oftmals ist so ein Konzert für einen Laien von einer Massenschlägerei kaum zu unterscheiden, das gebe ich zu, aber die Leute sind dort zusammen am tanzen und haben Spaß. Die Agressivität steht für die gemeinsame Entschlossenheit für eine Sache. Es gibt dort auch nicht mehr Verletzte als bei einem Pop-Konzert. Die Fans sollen etwas Schönes erleben und dabei selbst zu der Message finden, das ist nachhaltiger.

Was sagt ihr Leuten, die eure Musik abschreckend, furchteinflößend oder gar gewaltverherrlichend finden?

Wenn es jemand abschreckend und furchteinflößend findet, kann ich nichts dagegen machen, aber gewaltverherrlichend lass ich auf keinen Fall gelten. Toleranz ist einer der wichtigsten Werte die wir vermitteln wollen. Sich im politischen Sinne kämpferisch und kampfbereit zu geben hat nichts mit der Verherrlichung von Gewalt zu tun. Viele Kids nutzen unsere Musik sogar in Vorträgen in der Schule zu geschichtlichen oder gesellschaftlichen Themen. Und wenn wir in einigen Songs die Geschichten von Freiheitskämpfern erzählen, dann war Gewalt für diese Helden oftmals nur die ultima ratio. Verherrlicht die Bundesregierung Gewalt wenn sie die Attentäter vom 20. Juli ehrt? Auf so einen Gedanken würde doch sicher niemand kommen!? Ich denke das ist einfach nur eine Folge der bestehenden Vorurteile über unser Musikgenre.

Heaven Shall Burn: Combat